Moderne Geldtheorie in den USA Die Quadratur des haushaltspolitischen Kreises

Seite 3 / 3

Profitierende Assets

Wir halten es für unwahrscheinlich, dass die MMT mittelfristig komplett umgesetzt wird, doch die Politiker könnten versucht sein, einige Grundsätze zu übernehmen. Insbesondere könnte es zu einer sanften Entwicklung in Richtung Nullzinsen kommen, wenn die Fed verstärkt auf Pragmatismus setzt und weniger auf konventionelle ökonomische Modelle. Gleichzeitig dürften die Staatsausgaben und damit die Verschuldung weiter steigen, um die Nachfrage anzukurbeln. Daraus ergeben sich für Anleger folgende Ansätze:

  • Tiefere Renditen polarisieren den Aktienmarkt: Für sich betrachtet lassen extrem tiefe Renditen, wie die MMT-Befürworter sie fordern, die Aktienbewertungen nicht unbedingt durch die Decke gehen. Tiefe Renditen stützen aber tendenziell das Bewertungsniveau. Growth-Aktien dürften sich bei rückläufigen Renditen tendenziell besser entwickeln als Value-Aktien.
  • Tiefe Renditen kommen einem „klassischen“ gemischten Portfolio entgegen: Der Haupttreiber der Korrelation zwischen Aktien und Anleihen sind die absoluten Renditeniveaus. In einer von der MMT geprägten Welt mit tiefen Renditen müsste die Diversifikation zwischen Aktien und Anleihen daher optimale Vorteile bieten und tendenziell für ein typisches ausgewogenes Portfolio sprechen.
  • Gold würde in einem MMT-Umfeld profitieren: Aus unserer Sicht ist der Realzins der Haupttreiber des Goldpreises. Die Kombination aus Nominalzinsen von null oder negativ in der MMT und dem Risiko steigender Inflation spräche daher für einen steigenden Goldpreis. Die Auswirkungen der MMT auf andere Faktoren wie den US-Dollar und politische Unsicherheiten sind dagegen weniger offensichtlich.

Relative Renditen europäischer Value- vs. Growth-Aktien sowie zehnjähriger Bundesanleihen

 Quelle: Pictet

Korrelation zwischen US-Aktien und -Anleihen vs. zweijährige Rendite

 Quelle: Pictet

Über die Autoren:
Achim Siller ist Leiter Portfoliomanagement bei Pictet Wealth Management in Deutschland. Für die Schweizer Vermögensverwalter-Bank arbeitet der CFA-Charterholder bereits seit 2011.

Thomas Costerg ist Senior-Analyst und Ökonom bei Pictet Wealth Management in Genf. Sein Schwerpunkt liegt auf den USA. Vor seinem Wechsel zu Pictet 2017 war er sechs Jahre für die Standard Chartered Bank in New York tätig.