Mobile Lachsfarm Quadriga Aqua „Das hat es so noch nicht gegeben“

Axel A. Brahm: „Der Segler wird rund 250 Meter lang sein und fünf Masten mit insgesamt circa 10.000 Quadratmeter Segelfläche besitzen“.  | © Anna Mutter

Axel A. Brahm: „Der Segler wird rund 250 Meter lang sein und fünf Masten mit insgesamt circa 10.000 Quadratmeter Segelfläche besitzen“. Foto: Anna Mutter

private banking magazin: Sie und Ihre Mitstreiter Sabine Böhmer und Uwe Köhler verfolgen eine ungewöhnliche Idee. Was ist Ihr Plan?

Axel A. Brahm: Wir bauen eine mobile Aquafarm für Lachse, untergebracht im Rumpf eines Segelschiffes. Der Segler wird rund 250 Meter lang sein und fünf Masten mit insgesamt circa 10.000 Quadratmeter Segelfläche besitzen. Hinzu kommen große Flächen mit Solarpanelen. Indem wir Wind und Sonne nutzen, können wir einen Großteil der für den Betrieb benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen abdecken. In dieser Größenordnung hat es das so noch nicht gegeben. Die Kombination von Segelschiff, als Prozessschiff ausgeführt, und Lebensmittelproduktion auf hoher See wurde daher auch patentiert.

Visualisierung der Quadriga Aqua: In der Realität soll der Segler noch einen Mast mehr bekommen. Katharina Goerke

Wie läuft die Lachsproduktion in der Praxis ab?

Brahm: Im Rumpf werden 15 Produktionsstraßen mit jeweils vier Prozesstanks installiert sein, wobei der kleinste rund 150 Kubikmeter, der größte rund 1000 Kubikmeter fasst. In den kleinsten Tank werden die noch sehr jungen Lachse, sogenannte Setzlinge eingesetzt. Haben die Fische die nötige Größe erreicht, werden sie automatisch in den nächstgrößeren Tank umgesetzt. Zugleich ernten wir die ausgewachsenen Lachse aus dem größten Tank in Zwei- bis Dreimonatszyklen. Die Lachse haben dann ein Gewicht von rund fünf Kilo erreicht. Das macht rund 3.200 Tonnen Lachs pro Jahr.

Grafische Darstellung der Anordnung der verschiedenen Tanks. 


Woher kommt das nötige Know-how?

Brahm: Die Idee einer maritimen Aquakultur auf einem Segelschiff stammt von den Professoren Kimmerle und Waller des Instituts für Physikalische Prozesstechnik der HTW Saar, die uns in technischen und biologischen Fragen aktiv unterstützen. Prof. Waller hat unter anderem am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gearbeitet und das dortige Aquarium gebaut und betrieben. Er ist Vordenker im Bereich Aquakulturen und will das überkommene Konzept modernisieren. Prof. Kimmerle entwickelt die Prozesstechnik für das Schiff.

Der Impuls zum Bau des weltweit größten, kommerziell genutzten Segelschiffes kommt von Uwe Köhler. Für alle Schiffsthemen haben wir den größten deutschen Schiffsdesigner im Team. Außerdem sind wir eng mit zwei namhaften deutschen Reedereien verbunden. Eine wird auch den Bau des Schiffes, voraussichtlich in China, beaufsichtigen. Die Kosten für den Bau veranschlagen wir mit 45 bis 50 Millionen Euro. Was die Zulassung, Ausstattung und Versicherung angeht, haben wir mit Lloyd’s Register quasi den TÜV auf See eingebunden.

Herkömmliche Lachsfarmen gibt es genug, warum eine mobile?

Brahm: Mit dem mobilen Konzept vermeiden wir die Nachteile stationärer Farmen. Diese verunreinigen mit den Ausscheidungen der Fische den Meeresboden. Außerdem treten durch die Wasserbewegung hohe Streuverluste beim Futter auf. Um das Fleisch der Tiere nicht verfetten zu lassen, reicht die Strömung aber wiederum nicht aus. Bei uns sorgen mehrere große Einlassrohre im Rumpf des Schiffes für einen ständigen Zufluss an frischem Seewasser. Gegen dieses einströmende Wasser müssen die Tiere anschwimmen. Das sichert hochwertiges Fischfleisch.