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Fixed Income Mit sozialen Anleihen ist die EU auf dem richtigen Weg

Protestmarsch der Veranstaltungsbranche in Berlin

Protestmarsch der Veranstaltungsbranche in Berlin: Mit sozialen Anleihen dürfte der Druck auf die europäischen Länder insofern etwas nachlassen, als sie aus Brüssel wirtschaftliche Hilfen erhalten und nicht selbst weitere Schuldtitel begeben müssen. Foto: imago images / Chris Emil Janßen

Die Europäische Union hat im Juli ein umfassendes Hilfspaket zur Abfederung der Pandemiefolgen geschnürt. Teil davon sind soziale Anleihen. Sie zielen auf die Finanzierung von Projekten ab, die der Gesellschaft zugutekommen – in diesem Fall unterstützen sie Programme für Arbeitnehmer, die durch Covid-19 unter Druck geraten sind.

Die Erlöse der begebenen sozialen Anleihen sollen vorübergehend das Risiko von Arbeitslosigkeit mindern (SURE – Support mitigating Unemployment Risks in Emergency) dienen und damit von der Pandemie bedrohte Arbeitsplätze und Erwerbstätige schützen. Die Maßnahme im Volumen von insgesamt bis zu 100 Milliarden Euro soll den Mitgliedstaaten in Form von EU-Darlehen zu günstigen Bedingungen gewährt werden. Diese neuartigen Instrumente mit einer Laufzeit von zehn und zwanzig Jahren stießen auf eine Rekordnachfrage von 233 Milliarden Euro – was das starke Interesse der Anleger vor Augen führt.

Es zeigt sich: Befeuert von der Covid-19-Krise suchen Kapitalanleger ausdrücklich nach Anlageinstrumenten, die ESG-Kriterien Rechnung tragen. Anleger wollen verstärkt ökologische, soziale und ethische Aspekte von Investitionen in Unternehmen und Staaten berücksichtigt wissen. Daher wurden allein im April 2020 weltweit soziale Anleihen im Wert von 12,7 Milliarden US-Dollar begeben – mehr als der Betrag, den Anleger im Gesamtjahr 2019 dafür aufbrachten. Seit Jahresbeginn beträgt der Gesamtbetrag rund 85 Milliarden US-Dollar, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Social Bonds genießen höchste Bonität

Mit der Emission von Social Bonds wurde diese Form der Kapitalanlage zum ersten Mal EU-weit und mit höchster Bonität den Anlegern angeboten – die Anleihen verfügen über AAA-Ratings mehrerer Rating-Agenturen. Es ist davon auszugehen, dass viele Anleger sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union mit diesen speziellen Anleihen ihre Portfolios verstärken: Sie können damit einzelne Länderrisiken diversifizieren und aufgrund der hohen Bonität der Anleihen ihre Finanzmittel in einen neuen „sicheren Hafen“ investieren.

Die sozialen Anleihen warten mit attraktiven Renditen auf. Die Bewertung der 10-jährigen Anleihe liegt nach Angaben der EU-Kommission 36,7 Basispunkte (ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent) über dem derzeit mit 0,00 Prozent rentierendem deutschen Bund Future mit Fälligkeit am 15. August 2030. Die 20-jährige Anleihe liegt 52,1 Basispunkte über dem mit 4,75 Prozent rentierenden Bund Future mit Fälligkeit am 4. Juli 2040.

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung, bezeichnete die Emission laut einer Pressemeldung der Europäischen Kommission vom 20. Oktober als „einen ersten Schritt […], um auf den globalen Kapitalmärkten in der obersten Liga mitzuspielen“. Das starke Anlegerinteresse und die günstigen Konditionen, mit denen die Anleihen platziert werden konnten, seien ein weiterer Beleg für die hohe Attraktivität von EU-Anleihen. Hahn: „Dass es sich um Sozialanleihen handelte, hat dazu beigetragen, das Interesse von Investoren zu wecken, die die Mitgliedstaaten in diesen schwierigen Zeiten bei der Sicherung von Arbeitsplätzen unterstützen möchten.“

Wird der neue EU-Schuldtitel die Benchmark-Anleihe für Europa? Vielleicht. Doch die meisten Benchmark-Emittenten begeben regelmäßig Anleihen, während die EU-Anleihen an Programme geknüpft sind. Die EU plant die Begebung großer Anleihevolumina nur für die nächsten vier bis fünf Jahre. Falls dieser Ansatz erfolgreich ist, könnte er jedoch längerfristig eine Lösung sein. Mit all diesen Emissionen wird die EU nach Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zum fünftgrößten Anleihemarkt in Europa.

Wirtschaftliche Impulse zu erwarten

Die Emission sozialer Anleihen verändert das globale Umfeld bei Schuldtiteln für die Anleger nicht allzu drastisch, doch sie repräsentieren einen Emittenten mit äußerst hoher Bonität in einer Welt, in der hochwertige Assets gesucht sind. Der Druck auf die europäischen Länder dürfte insofern etwas nachlassen, als sie aus Brüssel wirtschaftliche Hilfen erhalten und nicht selbst weitere Schuldtitel begeben müssen. Ländern wie Spanien und Italien, die besonders schlimm von der Pandemie betroffen sind, könnte das in die Karten spielen. Diese und weitere Länder dürften von der Unterstützung profitieren.

Zusätzlich stehen die Mittel aus dem 750 Milliarden Euro umfassenden EU-Rettungsplan bereit. Das Paket will den ökologischen Umbau der Wirtschaft fördern und trägt in erheblichem Maß zum Wachstum des Marktes für grüne Anleihen bei.

Insgesamt sehen wir die EU auf dem richtigen Weg bei ihren Hilfsbemühungen zur Stabilisierung der einzelnen Volkswirtschaften inmitten der Pandemie. Wir halten die neuen Social Bonds für eine Entwicklung, die letztlich auch für globale Anleger interessant sein dürfte.

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