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Blaue Wirtschaft Mit dem Schutz der Meere Geld verdienen

My-Linh Ngo

My-Linh Ngo: „Mikroskopisch kleine Meeresalgen und -bakterien nehmen ungefähr so viel Kohlenstoff auf wie alle Pflanzen und Bäume auf der Erde zusammen.“ Foto: BlueBay Asset Management

Frau Ngo, der Schutz der Weltmeere treibt immer mehr Investoren um. Was ist der Hintergrund und was hat es mit dem Begriff „blaue Wirtschaft“ auf sich?

My-Linh Ngo: Als Kohlenstoffsenken sind die Ozeane im Kampf gegen den Klimawandel von zentraler Bedeutung. Sie nehmen, vereinfacht gesagt, das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und wirken damit der Erderwärmung entgegen.

Die Weltmeere haben rund ein Viertel des Kohlendioxids absorbiert, das seit der Nutzung fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre gelangt ist. Dabei ist das Phytoplankton essenziell: Die mikroskopisch kleinen Meeresalgen und -bakterien nehmen ungefähr so viel Kohlenstoff auf wie alle Pflanzen und Bäume auf der Erde zusammen. Doch aufgrund der Verschmutzung der Ozeane frisst das Plankton mehr Mikroplastik. Das führt dazu, dass es weniger Kohlenstoff bindet.

Die hohe Bedeutung der Weltmeere für den Klimaschutz verstärkt den Fokus auf die „blaue Wirtschaft“. Dieser Begriff bezieht sich auf alle Branchen, die in irgendeiner Form Bezug zu den Ozeanen haben.

Welche Sektoren profitieren vom steigenden Bewusstsein für die immense Bedeutung der Ozeane für den Klimaschutz?

My-Linh Ngo: Bislang haben die Bemühungen von Investoren zur Förderung gesunder und nachhaltig stabiler Ozeane darin bestanden, Unternehmen und Regierungen für dieses Thema zu sensibilisieren. Zusätzlich rückt nun verstärkt die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Verfahren in den Fokus der Anleger. Dazu zählen beispielsweise nachhaltige Fischereipraktiken, die Entwicklung alternativer Proteine sowie die Bemühungen zur Verringerung von Kunststoffabfällen in allen Branchen.

Zudem werden Anstrengungen unternommen, um die Verschmutzung der Meere durch die Öl- und Gasförderung vor den Küsten sowie durch die Schifffahrt zu verringern. Neben Unternehmen aus der Freizeit- und Tourismusbranche profitieren von den Bemühungen für sauberere Ozeane auch Firmen, die Beratungsdienstleistungen rund um nachhaltige Managementpraktiken anbieten.

Wie investieren Sie in die blaue Wirtschaft?

Ngo: Im Rahmen unserer wirkungsorientierten Anlagestrategie investieren wir in Unternehmen, die Lösungen für einige der größten ökologischen und sozialen Herausforderungen der Welt anbieten. Dazu gehört die bessere Nutzung natürlicher Ressourcen – wie der Ozeane.

Wir berücksichtigen lediglich Unternehmen, die Produkte mit geringen Umweltauswirkungen anbieten sowie solche, die einen nachhaltigeren Umgang mit den natürlichen Ressourcen ermöglichen. Bei Letzteren ist das Anlageuniversum derzeit noch begrenzt – das dürfte sich allerdings rasch ändern.

Was sind die Herausforderungen bei Investments in die Gesundheit der Meere?

Ngo: Für Fixed-Income-Investoren ist es derzeit schwierig, einen direkten Zugang zu Investments in die blaue Wirtschaft zu erhalten. Doch ESG-zertifizierte Anleihen könnten für einen Durchbruch sorgen. Zumal immer mehr „blaue“ Anleihen emittiert werden, deren Erlöse für den Erhalt der Ozeane Verwendung finden. Ebenso wird der Fokus auf den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) diesem Bereich zugutekommen.

Wir erwarten außerdem ein Wachstum bei den Emissionen ergebnisorientierter, nachhaltiger Anleihen (Sustainability Linked Bonds, SLBs) – sowohl von Unternehmen als auch von Staaten. Damit können Anleger Emittenten unterstützen, die konkrete Maßnahmen und Ziele für den Schutz der Weltmeere haben. Diese positive Entwicklung dürfte dazu beitragen, Investitionslösungen über Nischenmärkte hinaus auszuweiten und zugänglicher zu machen.

Gibt es regulatorische oder politische Entwicklungen, die Sie beobachten?

Ngo: Neben verbindlichen Regelungen treten immer mehr Investoren freiwilligen Initiativen bei und unterzeichnen zum Beispiel die Forderungen der Sustainable Blue Economy Finance Initiative. Andere hingegen unterstützen die Bemühungen, die Transparenz von Investitionsentscheidungen durch Initiativen wie die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures zu verbessern. Insgesamt gehen wir davon aus, dass viele weitere klimafreundliche Investitionsmöglichkeiten kommen werden.