Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
private banking magazin: „Generationenmanagement für alle“, das klingt ein wenig nach Retailisierung des Private Banking. Kann das gelingen?
Michael Schneider: Aus unserem Blickwinkel ist das ein gedanklich ein falscher Ansatz. Generationenmanagement betrifft alle Menschen – vollkommen unabhängig von Alter oder der Größe eines Vermögens. Wir haben in der KSK Herzogtum Lauenburg einen kompletten Bereich Private Banking. Wenn wir das Thema modular denken, befinden sich hier alle Module für die Kunden und wir stellen den Privatkunden die Module zur Verfügung, die sie brauchen. Die Grundzusammenhänge sind identisch, die Schwerpunkte und Herausforderungen der Gestaltung können kundenindividuell abweichen. Gerade bei kleineren und mittleren Vermögen kann es existenziell bedrohlich werden, wenn zum Beispiel Pflichtteilsansprüche unabgestimmt und nicht geplant eingefordert werden. In zwei großen Kundenveranstaltungen mit dem Thema „Die 10 größten Fehler beim Vererben und Schenken – und wie ich sie vermeide“ mit Jörg Plesse als Referenten haben wir die Kunden für diese Thematiken sensibilisiert. Daher unsere klare Positionierung zum Generationenmanagement: Bei uns steht der Mensch und nicht Größe seines Vermögens im Mittelpunkt.
Wie läuft dabei die Zusammenarbeit zwischen Privatkundengeschäft und Private Banking ab?
Schneider: Wir arbeiten Hand in Hand. Wenn wir im Rahmen einer strukturierten Beratung in unserem Best-in-Class-Anspruch bei Kunden Handlungsfelder erkennen, nutzen wir auch unser internes und externes Netzwerk, um diese zu lösen. Unser Private Banking ist ein wichtiger Baustein des internen Netzwerks. Es unterstützt uns etwa bei der Testamentsvollstreckung und Stiftungslösungen.
Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Vermögensverwalter, die das Thema Generationenmanagement nicht besetzen, drohen empfindliche Abflüsse im Einlagengeschäft. Hand aufs Herz: Ist die Initiative auch ein wenig Mittel zum Zweck?
Schneider: (lacht) … Ich würde die Aufzählung noch um Großbanken ergänzen und nicht nur auf Einlagen beschränken. Aber im Ernst: Nähe und Nutzen – das wird in Zukunft die Kundenwanderung nachhaltig beeinflussen. Nähe meint nicht die ausschließlich räumliche Distanz, sondern die Frage, gelingt es einem Institut, die den Kunden wirklich bewegenden Themen zu sehen und hierzu als Anbieter wahrgenommen zu werden. Wenn ein solches Institut hierzu auch die Wirkungsweisen aufzeigt und Lösungen anbietet, hat es für den Kunden einen Nutzen. Und dieser Wert unterscheidet uns von Direkt- und Internetbanken. Das ist unser Anspruch und Selbstverständnis.
Wie lässt sich dieser Ansatz monetarisieren? Zumal das Kernvermögen vieler Privatkunden in der eigenen Immobilie liegen dürfte.
Schneider: Da sind wir wieder bei Netzwerk, Nähe und Nutzen. Ein Beispiel: Über unsere hauseigene Maklerei bieten wir unseren Kunden eine kostenlose Bewertung inklusive künftiger Updates sowie Analyse der Energieeffizienz ihrer Immobilie an. Der speziell für unsere Kunden entwickelte Notfallordner der Kreissparkasse Herzogtum-Lauenburg beinhaltet dafür ein umfangreiches Register, in dem unsere Kunden diese Informationen hinterlegen können. Wenn sich dann die Wohnsituation ändern soll oder die Nachfolgegeneration den Verkauf plant, stehen wir dann als Partner mit dem Wissen um unsere Kunden zur Verfügung.
Sie haben ihre vorherige Banklaufbahn in der Commerzbank verbracht, sind jetzt mit eigenem Unternehmen in die Kreissparkasse Lauenburg gewechselt. Spüren Sie einen Kulturunterschied zwischen beiden Welten?
Schneider: Ja, natürlich. Ein DAX-Konzern regelt und steuert Sachverhalte anders als eine Kreissparkasse. Schwerpunkte sind vielfältiger, Themen erscheinen oft final regelungsbedürftiger. In der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg müssen bei guten Ideen nicht erst projekthaft Komplexität und Hierarchieebenen reduziert werden – wir sind halt deutlich näher beieinander. Man findet Gehör und die Bereitschaft mitzuwirken, wenn die Idee eine Gute ist – das habe ich gerade auch mit dem Thema Generationenmanagement erlebt. Eine Mitmach-Kultur in der man aber auch die Verantwortung nehmen muss. Das war ja auch einer der entscheidenden Gründe, warum ich an dieser Stelle mit meiner Beratungsfirma diesen Ansatz erarbeitet habe und implementieren durfte. Der auf den ersten Blick ungewöhnliche Weg folgt also einer Logik.
Über den Interviewten:
Michael Schneider ist seit dem 1. Januar 2024 Filialdirektor Lauenburg/Büchen der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg. Zugleich verantwortet er mit seinem Unternehmen Confide Asset Management (unter dem Haftungsdach von NFS Netfonds) bei der Sparkasse ein Projekt, das Finanzplanung als Breitenansatz etablieren soll. Schneider verbrachte einen Großteil seines Berufslebens bei der Commerzbank. Zwischen 2010 und 2016 leitete er aus Hannover die Wealth-Management-Region Niedersachsen. Später verantwortete er das Wealth Management an den Standorten Lübeck und Hamburg-Norderstedt. Der Diplom-Volkswirt und Dozent ist CFP, EFA, Testamentsvollstrecker (EBS) und beschäftigt sich seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen mit dem Themen Finanzplanung und Generationenmanagement.