Michael Hasenstab zu China Das Coronavirus bremst die Börsen

Flughafen in Wuhan: Immer mehr Länder evakuieren ihre Bürger aus China | © Getty Images

Flughafen in Wuhan: Immer mehr Länder evakuieren ihre Bürger aus China Foto: Getty Images

Michael Hasenstab, CIO bei Templeton Global Macro

"Wir beobachten aufmerksam die Auswirkungen des Ausbruchs eines neuen Coronavirusstamms in China und anderen Teilen der Welt auf die globalen Finanzmärkte. Wir haben bereits erhebliche Schwankungen bei verschiedenen Risikoanlagen gesehen. Sie sind eine deutliche Erinnerung daran, dass ein unerwartetes Ereignis jederzeit eintreten kann und dass eine Portfoliodiversifizierung von entscheidender Bedeutung ist, insbesondere dann, wenn die Märkte insgesamt hoch bewertet sind.

Was wir bisher wissen, ist, dass das Coronavirus weniger tödlich zu sein scheint (4 Prozent Mortalität laut Weltgesundheitsorganisation [WHO]) als SARS (schweres akutes respiratorisches Syndrom) im Jahr 2003 (11 Prozent), aber die Berichterstattung ist noch im Anfangsstadium, und der Höhepunkt des Schweregrades ist noch nicht bekannt. Die WHO betrachtet den Ausbruch derzeit nicht als einen öffentlichen Notfall von internationaler Bedeutung, überwacht ihn aber weiterhin. Zu diesem Zeitpunkt scheint es weniger wahrscheinlich, dass sich das Virus zu einer globalen Pandemie entwickelt, wie dies 2003 bei SARS der Fall war.

Um der steigenden Zahl der Fälle entgegenzuwirken, hat China den Reiseverkehr in Wuhan, einer Stadt mit 11 Millionen Einwohnern, in der der Ausbruch seinen Ursprung hat, eingestellt. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in anderen Städten durchgeführt. Viele öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt. Der Ausbruch des Coronavirus findet jedoch während des Chinesischen Neujahrs statt, einer Zeit, in der sowohl die Reisetätigkeit und die öffentlichen Versammlungen am höchsten sind als auch Chinas Wirtschaftstätigkeit. Zur Erinnerung: SARS erreichte während des Neujahrsfestes 2003 seinen Höhepunkt.

Aus makroökonomischer Sicht werden der Konsum- und der Reisesektor in China wahrscheinlich am stärksten von einem Virenausbruch betroffen sein, mit der Möglichkeit von Ansteckungseffekten auf die Weltwirtschaft durch Handelsunterbrechungen. Wir haben solche Ereignisse in der Vergangenheit erlebt und beobachtet, wie zum Beispiel bei SARS im Jahr 2003 und der Schweinegrippe im Jahr 2009. Die wirkliche Gefahr besteht, wenn ein Virus eine hohe Übertragungsrate und hohe Todesraten aufweist, die das derzeitige Coronavirus laut WHO noch nicht erreicht hat.

Dennoch bleibt die aktuelle Situation weiterhin fließend und könnte sich in naher Zukunft noch verschlimmern. Während die menschlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines Virusausbruchs kurzfristig schwerwiegend sein können, sind Langzeitfolgen tendenziell überschaubar. Die Finanzmärkte reagieren aber sehr sensibel, allen voran überbewertete Anlageklassen.

Insgesamt sehen wir nach wie vor erhöhte globale Risiken - wir haben unsere Strategien so positioniert, dass sie nicht mit überbewerteten Anlageklassen im Gleichklang sind. Die Ereignisse Anfang 2020 haben bereits die potenziellen Krisenherde auf der ganzen Welt aufgezeigt, einschließlich der eskalierenden Spannungen im Iran und im Nahen Osten. Wir glauben, dass sich die Anleger auf den Aufbau von Portfolios konzentrieren müssen, die nicht mit den allgemeinen Marktrisiken korrelieren."