Michael Hasenstab Starke Wirtschaft und Niedrigzinsen sind ein gefährlicher Cocktail

Michael Hasenstab, Investmentchef von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

Michael Hasenstab, Investmentchef von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

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Hinweis: Diese Mitteilung des Unternehmens richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren.

Unserer Ansicht nach befinden sich sowohl die US-Wirtschaft als auch die Kerninflation in einem Aufwärtstrend, sodass wir in der zweiten Jahreshälfte Zinserhöhungen und in der Folge höhere Renditen erwarten. Die Risiken bei US-Schatzanleihen sind unserer Meinung nach weiterhin asymmetrisch, da die Renditen weitaus mehr Spielraum für eine Zunahme als für weitere Rückgänge haben. Anleger mit sechs bis sieben Jahren Duration in ihren Strategien sind unserer Ansicht nach erheblichen Zinsrisiken ausgesetzt.
Die Rendite von zehnjährigen US-Schatzanleihen schwankte zuletzt um 1,80 Prozent und lag damit deutlich unter den zu Beginn dieses Jahres erreichten 2,30 Prozent. Gedrückt wurden die Renditen durch das Zögern der US-Notenbank Fed, den Leitzins auf über 0,25 Prozent anzuheben, sowie die schwelenden Sorgen einiger Marktteilnehmer um eine Rezession in den USA.

Die Fed droht ins Hintertreffen zu gelangen

Wir dagegen sind weiterhin besorgt, dass die Fed der wirtschaftlichen Entwicklung hinterherläuft, indem sie die Zinsen nicht schnell genug anhebt. Wenn sie 2016 zu zögerlich vorgeht, dürfte sie später zu schnelleren Zinserhöhungen gezwungen sein, nachdem die Gesamtinflation über ihren Zielwert gestiegen ist.

Angesichts der Verzögerungen und Vorlaufzeiten in der Geldpolitik könnte die Fed in einem solchen Szenario leicht feststellen, dass sie ins Hintertreffen geraten ist. Tatsächlich haben wir bereits einen Punkt erreicht, an dem Marktteilnehmer vermuten, dass dies sogar die Absicht der Notenbank sein könnte.

Durch ihre Zinspolitik kann die Fed das kurze Ende der Zinskurve beeinflussen, nicht aber das lange Ende, insbesondere nicht, wenn die Inflation dauerhaft über ihrem Zielwert liegt. Ein solcher Wirksamkeitsverlust dürfte negative Auswirkungen auf die allgemeine Finanzstabilität haben, wahrscheinlich insbesondere an den Anleihenmärkten. Unserer Ansicht nach muss die Fed die Geldpolitik besser an die aktuellen Bedingungen anpassen.

Niedrige Zinsen befeuern Rezessionsängste

Auch innerhalb des Offenmarktausschusses der Fed war zuletzt Uneinigkeit zu beobachten – es gibt eindeutig Mitglieder, die ebenfalls die Sorge haben, dass die Fed ins Hintertreffen zu geraten droht, weil sie zu zögerlich agiert. Die Zinsen derart lange außergewöhnlich niedrig zu lassen, insbesondere vor dem Hintergrund einer starken Wirtschaft und Druck bei der Kerninflation, birgt die Gefahr, dass in verschiedenen Anlageklassen Blasen entstehen.

Zudem wäre die Fed, falls sich die Konjunktur in den USA wieder abschwächt, derzeit nicht in der Lage, effektiv die Zinsen zu senken, weil das bereits niedrige Zinsniveau wenig Spielraum dafür lässt. Zu niedrige Zinsen bedeuten somit im Grunde, dass die Fed eines ihrer wichtigsten Werkzeuge für die Reaktion auf eine Rezession verliert. Wenn die Zinsen früher in diesem Jahr 100 oder 200 Basispunkte betragen hätten, dann hätten Marktsorgen über eine mögliche US-Rezession nicht zu Angst vor negativen Zinsen und Schäden an der allgemeinen Finanzstabilität geführt.

Wir sind der Meinung, dass eine Rückkehr zu angemessener Geldpolitik in den USA zum Auslöser für eine breite fundamentale Erholung der Märkte werden kann.

US-Arbeitsmarkt zeigt sich widerstandsfähig

Trotz des relativen geringen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozent im ersten Quartal erwarten wir für das Gesamtjahr ein Wachstum der US-Wirtschaft von 2,0 Prozent bis 2,5 Prozent.

Die jüngsten BIP-Zahlen sollten vor dem Hintergrund der Tatsache gesehen werden, dass das BIP der USA seit Beginn der Erholung nach der Finanzkrise häufig im ersten Quartal nur wenig zugenommen hat. Zudem haben sich die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Mitte April einem Tiefstand genähert, der seit Mitte der 1970er Jahre nicht mehr erreicht wurde. Daran zeigt sich die starke Verfassung des Arbeitsmarktes. Seit mehreren Jahren herrscht in den USA annähernd Vollbeschäftigung und die Zahl der Beschäftigten zeigt sich relativ widerstandsfähig. Wir sehen derzeit keine Anzeichen für eine bevorstehende Rezession in den USA.