Merger-Arbitrage-Strategien So profitieren Anleger vom Übernahmefieber

Oliver Scharping ist Portfoliomanager für globale Aktien beim Asset Manager Bantleon.  | © Bantleon

Oliver Scharping ist Portfoliomanager für globale Aktien beim Asset Manager Bantleon. Foto: Bantleon

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist zurück im Krisenmodus und ein Ende des billigen Notenbank-Geldes nicht in Sicht. Bei schwächelndem Wirtschaftswachstum und politischen Turbulenzen wird es daher für Investoren immer schwieriger, ihre Renditeziele zu erreichen, ohne Volatilitäts-Eskapaden an den Finanzmärkten in Kauf zu nehmen.

Eine Lösung des Problems bietet der Merger-Arbitrage-Ansatz, eine der ältesten alternativen Aktienstrategien, die in Deutschland jedoch noch immer wenig bekannt ist. Merger Arbitrage zeichnet sich durch ein interesssantes, anleihenähnliches Chance-Risiko-Profil mit niedriger Volatilität aus. Der Ansatz hat eine geringe Korrelation zu traditionellen Anlagen und eignet sich damit ideal sowohl als Einzelstrategie als auch in gemischten Portfolios als Diversifikator. 

Vorstände auf Einkaufstour

Unternehmen sind weltweit weiterhin in Einkaufslaune und das Übernahmekarussell dreht sich ohne Pause. Chefs setzen derzeit so viel Hoffnung in Fusionen und Übernahmen (M&A) wie schon lange nicht mehr. So steigt das globale M&A-Volumen weiter rasant.

Zum Jahresende 2018 war die magische Schwelle von 5 Billionen US-Dollar erneut übertroffen. Am stärksten ist diese Entwicklung in den USA zu sehen: an Transaktionen wie der Übernahme von Celgene durch Bristol Myers Squibb mit einem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar, dem Übernahmepoker um Anadarko Petroleum, wo es um 55 Milliarden US-Dollar geht, und der Übernahme von Red Hat durch IBM mit einem Volumen von 32 Milliarden US-Dollar. 

Eine rege M&A-Aktivität ist nicht untypisch für die Endphase eines Konjunkturzyklus: Nach der mehrjährigen Aufschwungphase sitzen Unternehmen auf Überschussliquidität, und organisches Wachstum wird schwieriger, was CEOs in anorganische Wachstumspfade treibt. Das Niedrigzinsumfeld macht die langfristige Finanzierung von Transaktionen interessant. Und Unternehmen wollen die anstehende Konsolidierung mit Rivalen vorantreiben, bevor der Zyklus endet. Der alternative Ansatz Merger Arbitrage hat das Ziel, von genau diesen einschneidenden Ereignissen zu profitieren. 

Beim Merger-Arbitrage-Ansatz versuchen spezialisierte Fondsmanager, Kursunterschiede auszunutzen, die bei öffentlich angekündigten M&A-Transaktionen entstehen, und damit ein marktneutrales Portfolio mit einem anleihenähnlichen Ertragsprofil zu erreichen. Deshalb ist die Aktienstrategie in einem Niedrigzinsumfeld eine interessante Variante für Anleger, die nach alternativen, stetigen Renditequellen im Portfolio suchen, sich aber gleichzeitig vor Volatilität und dem mittelfristig bevorstehenden Zinsanstieg schützen wollen.

Warren Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway macht es vor. Die Investmentgesellschaft des Altmeisters ist aktuell sowohl an dem IBM-Red Hat-Deal als auch an der Übernahme von Anadarko durch Occidental beteiligt und damit bei zwei der größten M&A-Transaktionen in den USA investiert. Dies ist ein Ausdruck dafür, dass auch die Spezialisten im Team des Altmeisters in stürmischen Zeiten zunehmend auf marktunabhängige Renditequellen bauen.