Pensionspläne Deckungsgrad der Dax-40 erreicht 93 Prozent

André Geilenkothen (links) ist Leiter Pensionsfonds und Jeffrey Dissmann Leiter Investments bei Mercer

André Geilenkothen (links) ist Leiter Pensionsfonds und Jeffrey Dissmann Leiter Investments bei Mercer Bildquelle: Mercer

Die Pensionspläne der Dax-40-Konzerne stehen so solide da wie nie zuvor. Im Jahr 2025 erreicht der Deckungsgrad 93 Prozent und damit einen neuen Höchstwert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 10 Prozentpunkten, wie die Beratungsgesellschaft Mercer berichtet. Niedrige Zinsen und Kursgewinne an den Kapitalmärkten treiben den hohen Ausfinanzierungsgrad.

Allerdings zeigt sich ein stark unterschiedliches Bild innerhalb des Index. Rund ein Viertel der Konzerne weist einen Deckungsgrad von unter 50 Prozent auf, bei etwa einem Drittel liegt er über 100 Prozent. In Deutschland entscheidet jedes Unternehmen selbst, in welchem Umfang es seine Pensionszusagen finanziell hinterlegt.

 

Abbau von Anlagerisiken ab Deckungsgrad von 60 Prozent

Ab einem Deckungsgrad von 60 bis 70 Prozent beobachten die Berater von Mercer verstärkt einen Abbau von Anlagerisiken. Eine höhere Ausfinanzierung senkt Bilanzrisiken und reduziert den Bedarf an Liquidität im Krisenfall. Häufig setzen Unternehmen demnach zunächst auf Treuhandmodelle. „Vermögen wird zweckgebunden den Versorgungsverpflichtungen gewidmet und entlastet die Bilanzen und die Liquiditätsplanung“, sagt André Geilenkothen, Leiter Pensionsfonds bei Mercer. „Bei Bedarf können Treuhandlösungen auch mit einem Pensionsfonds kombiniert werden, um eine echte Auslagerung und damit eine weitere operative Entlastung zu erzielen“, sagt er weiter.

Der Rückgang der Pensionslasten im Nenner des Deckungsgrads beläuft sich auf rund 27 Milliarden Euro. Insgesamt sanken die Pensionsverpflichtungen auf 291 Milliarden Euro. Ursache ist ein höherer Rechnungszins. Für eine durchschnittliche Laufzeit von 15 Jahren stieg er um 0,8 Prozentpunkte. Der Rechnungszins folgt der Rendite lang laufender, hochwertiger Anleihen. Diese legte im vergangenen Jahr zu, unter anderem infolge geopolitischer Spannungen und steigender deutscher Staatsschulden.

Die von Mercer ermittelte Zinshöhe deckt sich mit den Ergebnissen anderer Gutachter und Wirtschaftsprüfer. Auch Struktur und Umfang des Personals, sowie die Ausgestaltung der Pensionszusagen beeinflussen den jeweils angesetzten Zins.

Um rund eine Milliarde Euro wuchsen die Verpflichtungen, da sich Dienstzeitaufwand, Zinsaufwand und Auszahlungen in Summe ausglichen. Im Herbst schieden der Konzern Porsche – nicht zu verwechseln mit dem Unternehmen Porsche Automobil – und der Pharmazulieferer Sartorius aus dem Dax aus. Neu aufgenommen wurden der Lebensmittel-Konzern Gea und der Immobilienvermittler Scout24. Diese Indexwechsel erhöhten die Verpflichtungen um etwa eine halbe Milliarde Euro. Versicherungsmathematische Effekte glichen diesen Anstieg jedoch aus.

 

Einen maßgeblichen Beitrag zum höheren Deckungsgrad leisten die Zuwächse beim Pensionsvermögen. Es stieg um zwölf Milliarden Euro auf 273 Milliarden Euro. Zum dritten Mal in Folge profitierten die Pensionsanlagen von steigenden Kapitalmärkten. Insgesamt wuchs das Vermögen um 19 Milliarden Euro, was einer Rendite von über 7 Prozent entspricht.

Renditen von bis zu 15 Prozent 

„Planvermögens-gewichtet prognostizieren wir eine durchschnittliche Anlagen-Rendite von 8 bis 9 Prozent“, sagt Jeffrey Dissmann, Leiter Investments bei Mercer. Konservativ ausgerichtete Investoren dürften unter 5 Prozent bleiben. Renditen von bis zu 15 Prozent seien bei höherem Aktienanteil, einer stärkeren Ausrichtung auf Europa oder einem deutlichen Fokus auf private Märkte möglich.

Dem Vermögenszuwachs steht ein Nettoabfluss von rund 7 Milliarden Euro gegenüber. Die Konzerne zahlten mehr Pensionsleistungen aus, als neue Ansprüche hinzukamen. „Durch die Renteneintritte der geburtenstarken Jahrgänge werden die Pensionsverpflichtungen der Dax-40 sinken“, sagt Geilenkothen. Aber aus dem Pensionsvermögen muss laut Geilenkothen mehr Liquidität für die Leistungserbringung aufgebracht werden. „Die ersten großen DB-Pläne fahren die Komplexität zurück, um sich auf die Auszahlung der Renten zu konzentrieren“, sagt er. 

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