Nie zuvor verwalteten europäische Asset Manager so viel Geld wie heute. 28 Billionen Euro – ein Rekordwert, der die Spitzenmarke von 2021 sogar noch übertrifft. Und dennoch herrscht in den Chefetagen der Glastürme alles andere als Euphorie. Im Gegenteil: Die Sorgenfalten werden tiefer, die Strategiesitzungen häufiger.
Der Grund für diese scheinbar widersprüchliche Stimmung liegt in einer unbequemen Wahrheit, die eine aktuelle McKinsey-Studie offenlegt: Während die verwalteten Vermögen auf Rekordhöhe klettern, sind die Gewinne der europäischen Asset Manager um 20 Prozent unter das Niveau von 2021 gefallen. Die durchschnittliche operative Gewinnmarge lag 2024 drei Basispunkte unter dem Wert von 2021.
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Nie zuvor verwalteten europäische Asset Manager so viel Geld wie heute. 28 Billionen Euro – ein Rekordwert, der die Spitzenmarke von 2021 sogar noch übertrifft. Und dennoch herrscht in den Chefetagen der Glastürme alles andere als Euphorie. Im Gegenteil: Die Sorgenfalten werden tiefer, die Strategiesitzungen häufiger.
Der Grund für diese scheinbar widersprüchliche Stimmung liegt in einer unbequemen Wahrheit, die eine aktuelle McKinsey-Studie offenlegt: Während die verwalteten Vermögen auf Rekordhöhe klettern, sind die Gewinne der europäischen Asset Manager um 20 Prozent unter das Niveau von 2021 gefallen. Die durchschnittliche operative Gewinnmarge lag 2024 drei Basispunkte unter dem Wert von 2021.
Wenn mehr Geld weniger Gewinn bedeutet
Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Zum einen sind die Kosten der Branche zwischen 2021 und 2024 um 10 Prozent gestiegen. Inflation, höhere Personalkosten und massive Investitionen in Technologie – insbesondere für Dateninfrastruktur und Marktdaten – haben die Ausgaben in die Höhe getrieben.
Gleichzeitig ist die Ertragsmarge von 28 Basispunkten in 2021 auf 26 Basispunkte in 2024 gesunken. „Diese absolute Kostensteigerung wurde nur teilweise durch eine wachsende AUM-Basis, eine verbesserte Skalierbarkeit der Fixkosten und ein diszipliniertes Personalmanagement ausgeglichen“, konstatieren die McKinsey-Experten.
Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Die Art der Mittelzuflüsse hat sich fundamental verändert. 593 Milliarden Euro flossen 2024 netto in europäische Fonds – ein beachtlicher Betrag, aber immer noch deutlich unter der Rekordsumme von einer Billion Euro aus dem Jahr 2021.
Der Fluch der niedrigen Margen
Problematisch ist die Zusammensetzung dieser Zuflüsse. Ein Großteil des Geldes wanderte in Produkte mit niedrigen Margen: 316 Milliarden Euro in passive Anlagen, 133 Milliarden in Geldmarktfonds und 321 Milliarden in aktive festverzinsliche Anlagen. Dagegen verzeichneten margenstarke Produkte wie aktive Aktienanlagen Abflüsse von 147 Milliarden Euro.
„Da die Mittelzuflüsse insgesamt geringer sind und die Zuflüsse in margenstarke Anlageklassen abnehmen, nimmt der Wettbewerb um die verbleibenden Nettomittelzuflüsse zu“, warnen die Studienautoren. Diese Entwicklung setzt sich auch 2025 fort: Im ersten Quartal flossen 41 Prozent der Nettozuflüsse in passive Strategien. Unter den margenstarken Produkten verzeichneten nur alternative Anlagen einen moderaten Nettozufluss in Höhe von 52 Milliarden Euro.
Verschärft wird die Situation durch einen anhaltenden Gebührendruck. Die Netto-Verwaltungsgebühren (ohne Performancegebühren) ging zwischen 2021 und 2024 für nahezu alle betrachteten Kategorien zurück: aktive Aktien (minus 3,3 Basispunkte, von 45,2 auf 41,9 Basispunkte), aktives Multi-Asset (minus 2,0 Basispunkte, von 32,4 auf 30,4 Basispunkte) und Alternatives (minus 2,2 Basispunkte, von 105,9 auf 103,5 Basispunkte).
Die Verwaltungsgebühren in Anlageklassen mit niedrigen Margen gingen laut McKinsey ebenfalls zurück, jedoch in geringerem Maße: von 19,3 auf 17,6 Basispunkte bei aktiven festverzinslichen Wertpapieren und von 14,6 auf 13,1 Basispunkte bei passiven Anlagen. Nur bei Geldmarktprodukten stiegen die Verwaltungsgebühren, und zwar von 6,4 Basispunkten im Jahr 2021 auf 8,0 Basispunkte im Jahr 2024.
Neue Technologien als Hoffnungsträger und Bedrohung
Inmitten dieser Herausforderungen eröffnen sich jedoch auch neue Chancen. Künstliche Intelligenz erobert zunehmend das Investmentmanagement. Laut der McKinsey-Umfrage nutzen bereits 58 Prozent der europäischen Asset Manager generative KI für Portfolio-Konstruktion oder Rebalancing. 42 Prozent beobachten positive Effekte auf die Anlageperformance.
Mehr als zwei Drittel der Anbieter planen, KI zur Verwaltung bestehender Fonds einzusetzen, 21 Prozent wollen sogar dedizierte KI-Produkte entwickeln. „Während die relativ hohen Talentkosten im Vergleich zu anderen Branchen bisher die meisten Anwendungsfälle lieferten, konzentrieren sich die Akteure zunehmend auf Alpha-Generierung“, erklärt die Studie.
Auch aktive ETFs gewinnen an Bedeutung. In Europa wuchsen sie von 2019 bis 2024 mit einer jährlichen Rate von 37 Prozent auf 58 Milliarden Euro an. Bis 2029 soll das verwaltete Vermögen auf 165 Milliarden Euro steigen – ein Wachstum von etwa 25 Prozent pro Jahr.
Der schwierige Weg in alternative Anlagen
Als besonders lukrativ gelten alternative Anlagen wie Private Equity oder Infrastruktur-Investments. Sie trugen 2024 bereits 40 Prozent zu den Gesamterträgen des europäischen Asset Managements bei. Doch der Markt wird immer umkämpfter: Mehr als 700 Teilnehmer, die sich primär auf europäische alternative Vermögenswerte konzentrieren, sammelten in den vergangenen fünf Jahren jeweils mehr als 250 Millionen Dollar ein.
Traditionelle Asset Manager haben es schwer, gegen spezialisierte Anbieter zu bestehen. Nur 13 der Top-100-Alternatives-Manager in Europa sind traditionelle Vermögensverwalter, zeigen Zahlen von Preqin. „Fachboutiquen sind die Marktführer bei alternativen Anlagen in Europa“, heißt es in der Studie. Das verdeutlicht auch die folgende Grafik:
Strategische Antworten auf neue Realitäten
Angesichts dieser Herausforderungen müssen europäische Asset Manager ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken. McKinsey identifiziert drei erfolgreiche strategische Archetypen:
- Skalierungsorientierte Akteure setzen auf branchenführende Größe, globale Reichweite und umfassende Anlageprodukte bei typischerweise niedrigeren Betriebskosten.
- Alpha-Suchende spezialisieren sich auf Anlageklassen mit höherem Alpha und bauen branchenführende Anlageexzellenz auf.
- Kundenorientierte Anbieter fokussieren sich auf ganzheitliche, maßgeschneiderte Anlagelösungen und konzentrieren sich auf Kundenzugang und Services.
Die amerikanische Herausforderung
Ein beunruhigender Trend ist der Verlust von Marktanteilen an US-amerikanische Konkurrenten. Nur noch vier europäische Asset Manager stehen 2024 unter den globalen Top 20, verglichen mit sieben im Jahr 2007. Der Anteil der Europäer bei den 20 größten Vermögensverwaltern weltweit sank von 31 Prozent (2007) auf nur noch 11 Prozent (2024).
Ein Grund dafür ist die hohe Anzahl von Captive-Playern in Europa: 16 der Top-20-Asset-Manager sind konzernverbundene Anbieter, verglichen mit nur neun in den USA. Diese Struktur kann zu begrenzter Skalierung in einzelnen Produkten führen und erschwert die Gewinnung substanzieller externer Mittelzuflüsse.
„Die europäische Asset-Management-Branche steht an einem Wendepunkt“, resümieren die McKinsey-Experten. Um in diesem neuen, volatileren Umfeld zu bestehen, müssen die Unternehmen fünf strategische Imperative beherzigen:
- eine klare strategische Ausrichtung definieren
- Vertriebsreichweite und Wachstumschancen überdenken
- den richtigen Ansatz für alternative Anlagen finden
- das Betriebsmodell für Effizienz und Widerstandsfähigkeit neu justieren und
- Innovationen in der Technologie vorantreiben.
Besonders wichtig wird dabei ein flexibles Betriebsmodell mit einem höheren Anteil variabler Kosten. Asset Manager mit überdurchschnittlich variabler Vergütung und höherem Outsourcing-Anteil zeigen eine größere Widerstandsfähigkeit gegen Kostenwachstum und Rentabilitätsschwankungen.
