McKinsey-Studie zu europäischen Privatbanken Diese sechs Faktoren bestimmen das Gewinnwachstum von Privatbanken

Der berühmte Paradeplatz in Zürich mit den Banken UBS und Credit Suisse

Der berühmte Paradeplatz in Zürich mit den Banken UBS und Credit Suisse: In Zürich sitzen die meisten Privatbanken Europas. Foto: imago images/Geisser

Europäische Privatbanken erlebten 2021 und 2022 zwei Rekordjahre in Folge, im positiven und negativen Sinn. Während das verwaltete Vermögen 2021 um 12 Prozent gestiegen ist, fiel es 2022 um 11 Prozent, wobei der Sturz durch Neukundengelder noch abgefedert werden konnte. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von McKinsey für die mehr als 100 europäische Privatbanken befragt wurden.

Das Bild auf die gesamte Branche verschleiert jedoch, dass es dabei große Unterschiede zwischen den einzelnen Banken gibt. Auf welche Faktoren müssen sich Privatbanken fokussieren, um erfolgreicher als ihre Konkurrenz zu sein? Diese Frage hat McKinsey in Umfragen zwischen 2017 und 2021 untersucht.

1. Investment Performance

Kein Faktor bestimmt die Gewinne so sehr, wie die Investment Performance, gemessen durch das prozentuale Wachstum des verwalteten Vermögens durch Markteffekte. Privatbanken im oberen Performance-Quartil, deren Portfoliorenditen mit 6 Prozent drei Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt lagen, konnten ihre absolute Gewinne um 13 Prozent pro Jahr steigern. Der Durchschnitt liegt bei lediglich 1 Prozent.

2. Mandatsdurchdringung

Banken, die rund vier Fünftel aller Kundengelder im Rahmen von Mandaten verwalten, liegen damit im oberen Quartil. Sie konnten ihre Gewinne dank der höheren inhärenten Mandatsgebühren im Vergleichszeitraum um 7 Prozent steigern. Besonders erfolgreich sind Banken mit einem hohen Anteil von Beratungsmandaten.

3. Wachstum im High-Net-Worth-Segment

Banken, die überdurchschnittlich stark im Segment der vermögenden Privatkunden gewachsen sind und ihre Nettozuflüsse gesteigert haben, konnten ebenfalls ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum verzeichnen. In den vergangenen fünf Jahren konnten die Banken im oberen Quartil ihr verwaltetes Vermögen im Segment hochvermögender Kunden um 10 Prozent jährlich steigern, gegenüber einem Branchendurchschnitt von 4 Prozent. Ihre absoluten Gewinne lagen bei 6 Prozent pro Jahr, der Durchschnitt bei 1 Prozent.

4. Skalierung

Je größer das Buchungszentrum, desto rentabler die Bank. In den vergangenen fünf Jahren wuchsen die Gewinne von Banken mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro mehr als 6 Prozent, während die Gewinne von Banken mit kleineren Buchungszentren lediglich um 1 Prozent stiegen.

5. Berater-Effizienz

Privatbanken, die das verwaltete Vermögen pro Kundenberater um 12 Prozent pro Jahr, statt den durchschnittlichen 5 Prozent, steigern konnten, verzeichneten ein Gewinnwachstum, das drei Prozentpunkte über dem Branchendurchschnitt lag. Die Gewinne der Banken, die ihr Beraternetz ohne Effizienzsteigerungen lediglich ausgeweitet haben, sanken sogar. 7 Prozent mehr Berater bedeuteten im Schnitt 3 Prozent Gewinnverlust.

6. Kostenmanagement

Banken, die ihre Kosten in den vergangenen fünf Jahren um jährlich 11 Prozent gesenkt haben, landeten damit im oberen Quartil und konnten ihre Gewinne um 4 Prozent steigern. Die effizientesten Banken zeichneten sich durch ein kontinuierliches Ausgabenmanagement aus, mit laufenden Plänen zur Kurz- und mittelfristigen Kostensenkung.

 

 

Gewinne durch langfristige Strategie steigern

Wenige Banken schaffen es, in allen sechs Faktoren erfolgreich zu sein. Um das zu erreichen, braucht es eine Ausrichtung, die nicht nur das Management, sondern auch die Mitarbeiterführung umfasst. Trotz der Schwierigkeiten, vor denen Privatbanken aktuell stehen, könnte genau jetzt der passende Zeitpunkt sein, um die eigene Strategie zu überdenken. Worauf kleine und mittlere Privatbanken dabei achten müssen, hat McKinsey ebenfalls untersucht. Lesen Sie hier weiter.