McKinsey-Studie Auslandsbanken sind deutlich profitabler als deutsche Institute

Ein Zug vor der Skyline des Frankfurter Bankenviertels

Ein Zug vor der Skyline des Frankfurter Bankenviertels: Etablierte deutsche Geldhäuser müssen laut einer McKinsey-Studie aufpassen, dass sie nicht den Anschluss an ausländische Banken verpassen. Foto: Imago Images/Arnulf Hettrich

Die deutschen Banken sind derzeit so erfolgreich wie lange nicht. 2022 konnten die hiesigen Geldhäuser dank der Zinswende ihre Zinserträge um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausbauen. Mit insgesamt 138 Milliarden Euro war das vergangene Jahr mit Blick auf die gesamten operativen Erträge das erfolgreichste seit einem Jahrzehnt, wie aus der aktuellen Studie „What better place than here, what better time than now? German banking in 2023” der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervorgeht. 

Trotz des Profitabilitätsschubs hinken die deutschen Banken auf dem Heimatmarkt hinter ausländischen Instituten und Spezialbanken her. Zwar lag die Eigenkapitalrendite deutscher Banken 2022 mit 4 Prozent deutlich über den Vorjahren. Institute aus dem Ausland und Spezialisten wie Direkt-, Konsumentenkredit- oder Autobanken waren mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite von 10,4 Prozent aber deutlich profitabler als der Gesamtsektor. Auch ihren Marktanteil konnten Auslandsbanken und Spezialisten von 30 Prozent 2010 auf inzwischen 40 Prozent ausbauen – insbesondere in ertragsstarken Bereichen wie der Vermögensverwaltung oder bei Unternehmenskrediten, wo ihr Marktanteil teils schon deutlich höher liegt. Im Private Banking lag der Marktanteil etablierter deutscher Banken 2022 bei rund 65 Prozent.

Private Banking als Diversifikation des Geschäftsmodells

„Die im internationalen Vergleich niedrigere Profitabilität deutscher Banken allein auf die Rahmenbedingungen im deutschen Markt zurückzuführen, greift zu kurz“, sagt Max Flötotto, Senior Partner und Leiter der Banken-Beratung bei McKinsey in Deutschland und Österreich sowie einer der Autoren der Studie. „Der hiesige Bankensektor muss den finanziellen Spielraum durch die guten Ergebnisse nutzen, um fokussiert in die Resilienz und die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle sowie innovative Strategien zu investieren.“ Dazu gehört laut den Autoren der Studie auch, Geschäftsmodelle zu stärken, die gebührenbasierte Einnahmen generieren – wie das Private Banking. Dadurch würden deutsche Banken gegen künftige Zinsschwankungen widerstandsfähiger und schüfen diversifiziertere und stabilere Ertragsströme.

Dies gelte umso mehr, da der Rückenwind durch die Effekte der Zinswende abnehme. Bereits jetzt müssten die Banken ihren Kunden etwa im Privatkundengeschäft aufgrund des Wettbewerbs attraktivere Zinsen bieten. Auf der anderen Seite steigen für die Banken selbst die Refinanzierungskosten, was zu niedrigeren Zinsmargen führt. Angesichts von höheren Zinsen und steigenden Investitionskosten ist zudem die Kreditnachfrage deutlich gesunken. Hinzu kommen die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit sowie die schwache Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Je nach wirtschaftlichem Szenario könne die durchschnittliche Eigenkapitalrendite deutscher Banken im schlechtesten Fall – angenommen wird eine anhaltend hohe Inflation und eine dauerhafte Rezession – auf bis zu 0,5 Prozent im Jahr 2030 fallen.

 

Ein weiterer Schlüssel für die Profitabilität der Banken liegt der Studie zufolge in der Digitalisierung. So geben die 10 Prozent der bei der Cost-Income-Ratio besten Banken in Europa zweieinhalb Mal so viel für Technologie aus wie die schwächsten 10 Prozent. Und auch die generative KI habe das Potenzial, die Produktivität der Bankenbranche erheblich zu steigern. Darüber hinaus könnte der Einsatz generativer KI-Tools auch die Kundenzufriedenheit erhöhen, die Mitarbeitenden entlasten und die Risiken durch besseres Erkennen von potenziellen Betrugsfällen verringern. Die US-Großbank Morgan Stanley hatte jüngst angekündigt, Chatbots im Private Wealth Management einsetzen zu wollen.

Banken sollten Personalmanagement in den Fokus nehmen

„Der Bankensektor muss aus einer gestärkten Position heraus die in vielen Bereichen gestartete technologische Transformation weiter vorantreiben. Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt Reinhard Höll, Partner bei McKinsey und Co-Autor der Studie. „Die Digitalisierung wird umso wichtiger, da auch das Thema Personalmangel in den Banken wieder ein Thema ist.“ Denn bereits heute sind 40 Prozent der Mitarbeitenden deutscher Banken über 50 Jahre alt. Bis 2030 dürften 30 Prozent Prozent des aktuellen Personals aus Altersgründen ausscheiden. Somit bedarf es bei den Banken auch eines Umdenkens, um Personal wieder stärker für eine Tätigkeit in der Bankenbranche zu gewinnen, zu binden und zu entwickeln. 

Die gesamte McKinsey-Studie finden Sie hier zum Download.

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