Selektivität statt Tempo Großanleger bremsen bei Privatmärkten – trotz ausreichender Liquidität

Niall O'Sullivan, globaler Chief Investment Officer der Investment- und Altersversorgungssparte von Marsh

Niall O'Sullivan, globaler Chief Investment Officer der Investment- und Altersversorgungssparte von Marsh Bildquelle: Marsh

Institutionelle Investoren treten bei Privatmarktanlagen auf die Bremse, ohne unter Liquiditätsdruck zu stehen. Mehr als jeder Vierte hat seine Zusagen in den zurückliegenden zwölf Monaten verlangsamt, verschoben oder gekürzt – beschleunigt hat sie nur jeder Fünfte. Zugleich bezeichnen 77,2 Prozent ihre Liquiditätslage als ausreichend oder besser. Das zeigt das Global Asset Owner Barometer 2026 von Marsh.

Das widerspricht der verbreiteten Erzählung, stockende Ausschüttungen und schwierige Ausstiege zwängen Investoren zur Zurückhaltung. Wer bremst, tut es aus einem anderen Grund: Als vorrangige Überlegung bei der Kapitalvergabe nennen 46,6 Prozent die Bewertungen.

Verbreitet sind Privatmarktanlagen inzwischen fast überall – 96,3 Prozent der Portfolios enthalten sie. Die Frage ist damit nicht mehr, ob man investiert, sondern wie schnell und in welcher Qualität. Knapp die Hälfte der Befragten hält Umfang und Tempo ihrer Zusagen bei, will dabei aber genauer auswählen.

Das setzt Personal voraus, das viele Häuser nicht haben. Gut ein Viertel erwartet binnen drei Jahren Lücken bei Kreditprüfung und Ankaufsanalyse, ein Fünftel bei Direkt- und Co-Investments.

 

Infrastruktur bleibt vorn, Kasse kehrt zurück

Am häufigsten aufstocken wollen die Befragten Infrastruktur: Netto 42,3 Prozentpunkte trennen Aufstocker von Abbauern, der Spitzenwert unter 21 abgefragten Anlageklassen. Neu ist das nicht – Marsh verweist darauf, dass die Anlageklasse schon 2023 und 2025 vorn lag.

Interessanter sind die beiden Positionen, die gedreht haben. Kredit aus Industrieländern und die Kassenhaltung standen im Vorjahr noch im Minus, jetzt liegen beide klar im Plus. Im Minus stehen allein US-Aktien und britische Aktien; bei den US-Titeln verweist Marsh auf die Konzentration weniger Technologiewerte in den Leitindizes: Wer die Region kauft, kauft eine Sektorwette mit.

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Bei den Vorjahresvergleichen ist Vorsicht geboten. Die Stichprobe ist gegenüber 2025 von 74 auf 430 Häuser gewachsen und umfasst nun auch Vermögensverwalter, Privatbanken und Family Offices. Marsh weist selbst darauf hin, dass die Zahlen als Richtungsangabe zu lesen sind. Ein Teil der Sprünge geht auf den erweiterten Teilnehmerkreis zurück, nicht auf umgeschichtete Portfolios.

Umgeschichtet wurde trotzdem. Knapp die Hälfte hat im vergangenen Jahr die regionale Gewichtung geändert, jeweils gut ein Drittel Risiko herausgenommen oder liquide Mittel aufgebaut.

Zwei Uhren laufen unterschiedlich schnell

Auf Sicht von zwölf Monaten treibt die Geopolitik die Entscheidungen, genannt von drei Vierteln der Befragten, dicht gefolgt von Inflation, künstlicher Intelligenz und Zinsen.

Über fünf bis zehn Jahre kippt die Rangfolge. Dann führen künstliche Intelligenz und Automatisierung mit 82,8 Prozent alles an, vor Energiewende, geopolitischer Fragmentierung und alternder Bevölkerung.

Am weitesten auseinander liegen die beiden Zeithorizonte bei der Energiewende: kurzfristig halten sie 31,6 Prozent für bedeutsam, langfristig 58,4 Prozent. In den Allokationsplänen zeigt sich davon bislang wenig. Nachhaltigkeitsfonds und Wirkungsstrategien bleiben zwar im Plus, haben gegenüber dem Vorjahr aber deutlich an Zuspruch verloren.

Viel Geld für künstliche Intelligenz, wenig Kontrolle darüber

57,7 Prozent nennen KI-Werkzeuge als Investitionspriorität der nächsten zwölf Monate. Unternehmensweite Kontrollen und definierte Anwendungsfälle im Anlageprozess haben 13,3 Prozent. Dazwischen liegt eine Grauzone: Knapp ein Drittel setzt die Technik punktuell ein, ohne die Steuerung dafür entwickelt zu haben.

Wo sie zum Einsatz kommt, bleibt sie vor der Anlageentscheidung. Datenverwaltung, Berichtswesen, Risikoüberwachung und Managerprüfung liegen alle um die 40 Prozent. Im Portfolio selbst wird es dünn: Für Handel und Umschichtung nutzen sie 14,2 Prozent.

Das Gremium entscheidet über das Tempo

Die Steuerung der Portfolios verändert sich langsamer als deren Inhalt. Zwei Drittel entscheiden weiterhin entlang einzelner Anlageklassen, nur 4,7 Prozent steuern vollständig zentral.

An der Einsicht liegt es nicht. 62,1 Prozent halten das klassische 60:40-Portfolio für überholt, eine Mehrheit hält die strategische Asset-Allocation für zu starr und bezweifelt, dass Anlageklassen die tatsächlichen Risikotreiber abgrenzen. Umgebaut wird trotzdem vor allem innerhalb des bestehenden Rahmens.

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Woran es hakt, benennt die Studie konkret. An erster Stelle stehen fehlende entscheidungsreife Daten, genannt von 38,4 Prozent. Es folgen der Sitzungsrhythmus von Vorstand und Anlageausschuss, konkurrierende Vorhaben im Haus, die Abstimmung mit externen Managern und die eigene Technik – alle in enger Reihe zwischen 29 und 33 Prozent.

Niall O'Sullivan, globaler Chief Investment Officer der Investment- und Altersversorgungssparte von Marsh, verteidigt die klassische Allokation als Anker: Sie ordne Verantwortung zwischen internen Teams und externen Managern zu und gebe Gremien eine Aufsichtsstruktur. Ein zentral gesteuertes Gesamtportfolio sei beweglicher, setze aber verbundene Daten, Liquiditätsüberwachung, einen belastbaren Entscheidungsrahmen und ein handlungsfähiges Gremium voraus. Nur wenige Häuser könnten alle vier Punkte abhaken.

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