Marktumfeld intakt Schwellenländeranleihen von niedrigen Zinsen befeuert

Marcelo Assalin, Leiter des Geschäftsbereichs Emerging Market Debt bei NN Investment Partners

Marcelo Assalin, Leiter des Geschäftsbereichs Emerging Market Debt bei NN Investment Partners

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Die Umschichtung der Volkswirtschaft in China geht weiter und die Inlandsnachfrage wird allmählich den Außenhandel als größten Treiber der chinesischen Wirtschaft ablösen. Mit zunehmender Reife wird die chinesische Wirtschaft zudem langsamer wachsen, das ist nur natürlich. Wichtig ist allerdings, dass parallel zum Umschichtungsprozess die Strukturreformen fortgesetzt werden, um Überkapazitäten und Verschuldung zu verringern. Hier kommt es auch auf die Erhöhung der Produktivität an. China wird stets im Fokus bleiben. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – und auf gutem Wege, die Größte zu werden – ist China die Konjunkturlokomotive der Welt.

Auch die US-Wirtschaft ist solide: Nach dem schwachen Start in 2016 zeichnet sich jetzt eine gewisse Stabilisierung ab, zuletzt sogar eine Verbesserung der Datenlage. Insgesamt werden die Zuwächse in diesem Jahr wohl nicht über der Potenzialwachstumsrate liegen, doch auch eine merkliche Verlangsamung ist eher unwahrscheinlich. Arbeitsmarkt und Kreditmarkt (mit einem nur geringen Verschuldungsgrad) dürften robust bleiben. Insofern gibt die US-Wirtschaft derzeit keinen Grund zur Sorge. Um ein Zwischenfazit zu ziehen: Keine Sorgen um die Volkswirtschaft Chinas und US-Wirtschaft. Aber: Die Politik der US-Notenbank (Fed) im Auge behalten!

Fed setzt Zinserhöhungszyklus fort

Größere Aufmerksamkeit gilt vor dem Hintergrund einer soliden US-Konjunktur jedoch der weiteren Fed-Politik. Die Fed war zu Beginn des Jahres äußerst entgegenkommend, nicht nur aufgrund ihrer Sicht auf die US-Konjunktur, sondern auch gegenüber der Einschätzung der globalen Risiken. So erwähnte die Fed sogar China und die potenziellen Risiken, die Chinas Finanzsystem für die Weltwirtschaft darstellt.

Aus dem Protokoll der Notenbanksitzung vom April ergibt sich indes ein anderer Tonfall. Zahlreiche stimmberechtigte Mitglieder sind mittlerweile der Überzeugung, dass die Märkte wieder ordnungsgemäß funktionieren, dass China sich im Hinblick auf die Risikostimmung stabilisiert hat und dass die US-Wirtschaft sich erwartungsgemäß entwickelt. Daher stellt der Markt sich bereits auf weitere Zinserhöhungen noch in diesem Jahr ein. Die US-Zinskurve hat sich nach oben verlagert, da sowohl die kurz- als auch die langfristigen Zinsen zu steigen begonnen haben. Dem Markt macht dies wiederum Sorge, denn für die Schwellenländer sind weltweit niedrige Zinsen und üppige Liquidität günstig.

Durch die solide Wachstumsentwicklung der US-Wirtschaft ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung nun höher als von den Märkten bisher eingepreist. Daher muss die Fed jetzt die geldpolitischen Impulse zurückfahren. Die Zinsen sind in den USA immer noch sehr niedrig – in Anbetracht der Konjunkturphase zu niedrig. Selbst jetzt liegen die Zinsen auf zehnjährige Anleihen immer noch unter zwei Prozent, obwohl der Markt eine weniger entgegenkommende Haltung der Fed erwartet. Sofern die Fed die Zinsen in diesem Jahr zweimal anhebt, sollten die Zinsen nicht wesentlich steigen. Andere Zentralbanken halten hingegen am geldpolitischen Stimulus fest, nicht nur in Europa, sondern auch in Japan und China. In vielen Ländern sind die Zinsen sogar immer noch negativ. Wir erwarten daher insgesamt anhaltend niedrige Zinsen.

Kurzes Gastspiel der jüngsten Dollar-Rally

Infolge der stärker anti-inflationären Haltung der Fed, zieht der US-Dollar seit Anfang Mai wieder an. Das belastete die Währungen in den Schwellenländern, doch muss man hier relativieren. Zu Beginn des Jahres war der US-Dollar noch sehr stark und notierte auf dem Höchststand der letzten paar Jahre. Vor allem die Schwellenländer-Devisenmärkte waren stark überverkauft. Durch den akkommodativeren Tonfall, den die US-Notenbank im Januar anschlug und der anschließenden Auspreisung von Zinsanhebungen, büßte der US-Dollar stützende Faktoren ein. Im Ergebnis fand eine starke Rally im Währungsuniversum der Schwellenländer statt. Viele Anleger hielten hier untergewichtete oder Minuspositionen, insofern erlebte der Markt einen deutlichen Trend hin zur Eindeckung von Short-Positionen. Und da die Fed nunmehr wieder etwas weniger akkommodativ ausgerichtet ist, legte der Dollar wieder zu.

Unserer Einschätzung nach hat sich dieser Trend jedoch bereits weitgehend totgelaufen. Wir glauben nicht, dass die Fed die Märkte mit einer unerwartet starken anti-inflationären Haltung überraschen wird. Daher sollte auch die jüngste Dollar-Rally nicht zu lange anhalten. Schwellenländer-Währungen haben in den letzten Wochen an Boden verloren. Doch schneiden sie bereits seit einigen Jahren unterdurchschnittlich ab und sind immer noch unterbewertet. Vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Jahre ist die Kurskorrektur beim Greenback noch nicht besonders ausgeprägt. Der jüngste Anstieg des Dollar macht uns daher keine Sorge.