Marktkommentar Value-Aktien: Aktieninvestments mit Geduld, Gold und Sicherheitspuffer

In den vergangenen Monaten haben Matthew McLennan und Kimball Brooker für den First Eagle Amundi International Fund mehr Aktien verkauft als gekauft. Die überzeugten Value-Investoren investieren für den globalen Aktienfonds nur in Aktien von Unternehmen, die einen angemessenen Abschlag auf ihren intrinsischen Wert bieten. Und das ist zurzeit nicht einfach. „Die Aktienmärkte sind nicht gerade günstig. Der MSCI World Index markiert Rekordhochs und steht rund 30 Prozent über dem Tief vom Februar 2016. Wir sind im achten Jahr einer durch die Zentralbanken getriebenen Kursrally, in der der Überfluss an billigem Geld und historisch niedrigen Zinsen in einigen Fällen zu künstlich hohen Bewertungen geführt haben“, beklagt McLennan.

Die Konsequenz: Die Cash-Quote im Fonds ist gestiegen. Wie sie sich in den nächsten Monaten weiter entwickelt, vermag McLennan nicht zu prognostizieren: „Wenn die Aktienmärkte noch teurer werden, könnte sie weiter steigen. Aber wenn die Volatilität zunimmt und die Märkte korrigieren, könnten sich für unsere Barreserven gute Anlagemöglichkeiten bieten.“

Tabu: Teure Aktien und undurchsichtige Geschäftsmodelle

Als globaler Value-Investor bevorzugt McLennan keine bestimmten Sektoren oder Regionen. Zwei Dinge meidet er jedoch stets: teure Aktien und undurchsichtige Geschäftsmodelle. Das führt dazu, dass er aktuell zum Beispiel nicht in den Bereichen Social Media und Biotech engagiert ist, die er beide für zu hoch bewertet hält. Ebenfalls nicht investiert ist er in globalen Investmentbanken und Aktien aus Festlandchina. „Aufgrund ihrer Intransparenz können wir die Unternehmen nicht genau genug bewerten“, so McLennan.

Das sind jedoch Momentaufnahmen, die sich jederzeit ändern können. Ein Beispiel aus der 38-jährigen Historie der Global-Value-Strategie von First Eagle: In den späten 1980er war der US-Asset-Manager aufgrund der extrem hohen Bewertungen nicht im Japan investiert, obwohl japanische Aktien damals fast 45 Prozent des MSCI World Index ausmachten. Nach 20 Jahren Bärenmärkt hatte das Land dann vor etwa zehn Jahren einen der unbeliebtesten Aktienmärkte weltweit. „Wir konnten damals in Weltklasse-Unternehmen investieren, die extrem günstig waren, nur weil sie aus Japan stammten. Unternehmen wie Shimano hängen allerdings nur sehr wenig an der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Heimatlandes“, so der Fondsmanager.

Roboterhersteller mit Value-Potenzial

Auch eine der aktuellen Top-Positionen kommt aus Japan: Fanuc ist einer der größten Hersteller von Industrierobotern und digitalen Steuerungssystemen. „Die aufgebaute Expertise ist ein seltener immaterieller Wert, der nicht einfach dupliziert werden kann und Fanuc einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verschafft“, erklärt McLennan. Zwar ist das Unternehmen in Japan gelistet, es macht den Großteil seines Umsatzes aber im Ausland. 2008 ist die Aktie um 50 Prozent eingebrochen. „Wir nutzten die Gelegenheit, um dies schnell wachsende, global dominierende, margenstarke Unternehmen deutlich unter Wert zu kaufen“, so der McLennan. Als das Unternehmen 2015 in der Gunst der Investoren steigt, hat er die Position verringert. 2016 wertete plötzlich der Yen auf, der Kurs gab erneut deutlich nach und bot McLennan eine attraktive Nachkaufgelegenheit.

Ansonsten wurden die beiden Fondsmanager in den vergangenen 12 bis 18 Monaten vor allem in zwei Sektoren fündig. Das waren zum einen der Energiesektor und damit verbundene Industrien sowie Transportunternehmen. Zum anderen bot die Luxusgüterindustrie ein kurzes Investitionsfenster. Ende 2015 und Anfang 2016 haben die aufkeimenden Sorgen um Chinas Wachstum und Antikorruptions-Maßnahmen in dem Land den Sektor belastet. „Wir haben einige qualitativ hochwertige Aktien zu nach unserer Einschätzung sehr günstigen Bewertungen gekauft“, so McLennan.

Im aktuellen, unsicheren Umfeld setzen die beiden Fondsmanager verstärkt auf Unternehmen, die einen gewissen impliziten Schutz gegen Makro-Risiken bieten. Dazu zählen sie Unternehmen mit schwer duplizierbaren materiellen oder immateriellen Werten, die einen strukturellen Wettbewerbsvorteil haben, der den Cashflow und die Bilanzen gegen Risiken einer Deflation, Rezession oder auch Inflation schützen. McLennan: „Vor allem wenn sie nicht verschuldet sind und günstig eingekauft wurden, können Investoren mit solchen Unternehmen schwierige Marktphasen gut überstehen.“