Marktkommentar Peter Huber: „Wenn alle nur schwarzsehen, sollte man nachdenklich werden“

Peter Huber, Fondsmanager bei Taunus Trust

Peter Huber, Fondsmanager bei Taunus Trust: Er verantwortet den antizyklischen vermögensverwaltenden Mischfonds Huber Portfolio. Foto: Taunus Trust

Frau Wagenknecht hat doch tatsächlich kürzlich behauptet, der Westen führe einen Wirtschaftskrieg gegen Russland. Nur weil wir ein paar Sanktionspakete beschlossen haben, um Putin zum Rückzug aus der Ukraine zu zwingen. Da hat die schöne Sahra unseren Sturm der Entrüstung ehrlich verdient. Überhaupt behaupten einige linke und rechte Spinner, wir hätten mit unserem Ölembargo gegen Russland eine jahrzehntelange Energiepartnerschaft zerstört und so den Ast abgesägt, auf dem wir selbst sitzen. Dass Putin daraufhin am Gashahn dreht, konnte man vorher ja nicht ahnen.

Gottseidank ist es unserem Wirtschaftsminister trotzdem gelungen, die Gasspeicher wieder aufzufüllen – wenn auch zu horrenden Kosten. Allein das Gas aus Norwegen soll dem Vernehmen nach dreimal so teuer sein wie das russische. Aber für den Frieden muss man halt Opfer bringen – und sei es über etwas höhere Spritpreise und Heizungskosten. Nur mit dem Emir von Qatar scheint es noch nicht richtig geklappt zu haben. Vielleicht war der Bückling von Robert Habeck nicht tief genug. Da muss er noch üben. Aber es ist gut, dass wir künftig nur noch mit Demokratien Geschäft machen wollen.

Womit wir bei China wären, unserem wichtigsten Handelspartner. Die Zeiten, wo unsere Unternehmen im Reich der Mitte Milliardenprofite scheffelten, müssen endlich vorbei sein. Denn China ist keine echte Demokratie und hat zudem ein Problem mit den Uiguren. Seit dem Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan und der militärischen Aufrüstung der Insel durch unsere amerikanischen Freunde haben sich die Beziehungen zu den Chinesen deutlich eingetrübt. Unsere Politiker denken deshalb angestrengt darüber nach, wie wir unsere wirtschaftliche Abhängigkeit von China schnellstmöglich abbauen können. Notfalls müssen wir auch hier mit Sanktionen nachhelfen.

 

 

Dem Ziel unserer grünen Empörungspolitiker, Deutschland möglichst komplett zu deindustrialisieren, kommen wir mit solchen Aktionen mit Riesenschritten näher. Das hilft auch der Natur. Vielleicht können wir aus unserem Land einen großen Nationalpark machen – nur unterbrochen von ein paar Truppenübungsplätzen, auf denen unsere jungen Leute ein soziales Jahr absolvieren können (natürlich mit streng getrennten Toiletten für Männer, Frauen und verschiedene Diverse). 

Nun zur Europäischen Zentralbank (EZB). Frau Lagarde hat jetzt festgestellt, dass wir ein Inflationsproblem haben und die Leitzinsen mutig über die Nulllinie gehievt. Lange hat man die Warnungen der Experten ignoriert und weiter eifrig Geld gedruckt, um die exzessive Schuldenpolitik der Euroländer zu finanzieren. Selbst als die Teuerungsraten schon kräftig anzogen, gab man weiterhin Entwarnung, da es sich nur um eine vorübergehende (transitorische) Erscheinung handeln würde. So kommt die aktuelle Teuerungswelle für unsere Währungshüter völlig überraschend. Jetzt knirscht es im Gebälk. Deshalb kauft man weiter Staatsanleihen aus Italien und verkauft solche aus Deutschland, um den Euro zu retten. Hoffentlich können Sie dieser Logik folgen?

Börsenausblick: Eine Krise jagt die nächste!

Doch jetzt mal im Ernst: Was hat das alles mit der Börse zu tun? Diverse Krisen bündeln sich derzeit zu einem perfekten Sturm. Und so wie es aussieht, steht uns das Schlimmste noch bevor. Entsprechend groß ist die Skepsis der Anleger. Doch wenn alle nur noch schwarzsehen, sollte man nachdenklich werden. Vielleicht stehen wir sogar vor einer neuen Aufwärtsbewegung, da das Geld, das in der Wirtschaft nicht für Investitionen benötigt wird, traditionell an die Börsen fließt.

Und welcher Wahnsinnige würde in einem solchen Umfeld noch investieren wollen, außer dem Staat. Und bei dem hinkt der Ausbau der alternativen Energien aufgrund von Materialengpässen und bürokratischen Hemmnissen weit hinter den Planungen hinterher. Insgesamt hat sich im Euroraum eine große Menge an Überschussliquidität (nicht-reservepflichtige Einlagen von Banken bei der EZB) angesammelt. 

Wir halten in unserer Anlagepolitik jedenfalls eine neutrale Aktienquote aufrecht und die liegt bei beachtlichen 70 Prozent. Stärkere Kurseinbrüche würden wir antizyklisch zum Aufbau weiterer Positionen nutzen. Doch welche Aktien profitieren in einem Umfeld deutlich steigender Zinsen? Neben den Banken sind es nach einer Studie der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch beziehungsweise deren Research Institut Unternehmen, die hohe Pensionslasten zu tragen haben. Die dafür notwendigen Rückstellungen sinken bei einem steigenden Diskontierungsfaktor. In Deutschland profitieren davon vor allem Unternehmen wie Thyssenkrupp, Mercedes-Benz, Covestro, Continental und BASF. Von all diesen Werten halten wir bereits Anfangspositionen. Denn eine der erfolgreichsten Anlagestrategien besteht darin, in einem rezessiven Umfeld antizyklisch in zyklische Aktien zu investieren.