Marktkommentar Bringt der EZB-Entscheid tatsächlich Erleichterung?

Cédric de Fonclare

Cédric de Fonclare

Bislang ist es der EZB mit all ihren Maßnahmen nicht gelungen, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. Andererseits hat sich der europäische Aktienmarkt in den letzten Jahren sehr lebhaft entwickelt. Das liegt allerdings nicht am Gewinnwachstum bei europäischen Unternehmen, sondern vielmehr daran, dass Anleger in einem Null- beziehungsweise Negativzinsumfeld verstärkt auf risikoreiche Assets setzen. Für einen anhaltenden Aufwärtstrend am Aktienmarkt ist jetzt aber wohl erneutes Gewinnwachstum vonnöten.

Unklar ist zudem, ob die jüngsten Zentralbankmaßnahmen wirklich einen neuen Ansatz bieten, der zuvor nicht verfolgt wurde. Denn schließlich waren die Zinsen in den meisten Teilen Europas bereits negativ und den Banken mangelte es durchaus nicht an Liquidität.

QE könnte die Konjunktur ankurbeln

Dennoch könnte eine gewisse Entspannung in der Wirtschaft der Eurozone auf das Konto der quantitativen Lockerung gehen. Paradoxerweise geschieht das just zu einem Zeitpunkt, da sich diverse Faktoren bereits zugunsten einer Erholung entwickeln: Der Sparkurs der vergangenen Jahre hat sich gelockert, der Euro ist seit einigen Monaten im Tiefflug und laut den jüngsten Daten ist die Kreditnachfrage für Sachinvestitionen inzwischen wieder im positiven Bereich. Allein schon diese Faktoren dürften der Wirtschaft in diesem Jahr die nötige Schubkraft verleihen. Insofern könnten wir 2015 erneutes Gewinnwachstum erleben – mit oder ohne QE.

Schwacher Euro günstig für unser Portfolio

Völlig unabhängig davon, ob das QE-Programm tatsächlich Erleichterung bringt, dürfte Europas Exportsektor signifikant vom schwächeren Euro profitieren. Exportunternehmen machen seit jeher den Hauptanteil unseres Portfolios aus. Ferner engagieren wir uns gezielt bei europäischen Finanzdienstleistern, sprich Banken und Versicherungen. Wenn auch der Bankensektor kaum mehr Zentralbankliquidität benötigt, so deuten die gestiegene Nachfrage nach Krediten und der Rückgang der Risikovorsorge darauf hin, dass es 2015 in diesem Sektor wieder aufwärtsgehen wird. Dazu würde auch eine Rückkehr der Dividenden beitragen.

Wir fokussieren uns in diesem Bereich auf gut kapitalisierte Banken, die durch Restrukturierungsmaßnahmen über das entsprechende Selbsthilfepotenzial verfügen. Hier sei insbesondere die niederländische ING Group genannt. Zugleich vermeiden wir Häuser mit schwacher Bilanz und zusätzlichem Kapitalbedarf. Hier ist die jüngste Kapitalerhöhung bei Santander ein ganz typischer Fall.