Markt für nachhaltige Anleihen LBBW rechnet mit kräftigem Wachstum

Das neueste Modell von Porsche trägt den Namen „Taycan“: Die Fahrzeugschmiede hat in diesem Jahr einen grünen Schuldschein an Investoren verkauft. Mit den Erlösen will Porsche ausschließlich nachhaltige Projekte finanzieren, zu denen man auch den elektrisch betriebenen Taycan zählt. | © Getty Images

Das neueste Modell von Porsche trägt den Namen „Taycan“: Die Fahrzeugschmiede hat in diesem Jahr einen grünen Schuldschein an Investoren verkauft. Mit den Erlösen will Porsche ausschließlich nachhaltige Projekte finanzieren, zu denen man auch den elektrisch betriebenen Taycan zählt. Foto: Getty Images

Der Markt für nachhaltige Anleihen floriert. Nach Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg, selbst ein Anbieter sogenannter ESG-Anleihen wie Green Bonds und Social Bonds, werden in diesem Jahr weltweit nachhaltige Anleihen für umgerechnet mehr als 220 Milliarden Euro emittiert. Gegenüber 2018 wäre das ein Plus von 50 Prozent. Im vergangenen Jahr lag das Emissionsvolumen umgerechnet bei 141 Milliarden Euro.

Die LBBW berichtet, dass der Primärmarkt mit gutem Schwung aus der Sommerpause gekommen sei. Allein im September kamen Anleihen im Umfang von 23 Milliarden Euro auf den Markt. Größte Emittentengruppe waren Finanzdienstleiter. Sie brachten Anleihen im Wert von 10 Milliarden Euro bei Investoren unter. Auf Rang zwei rangieren Gebietskörperschaften, supranationalen Institute und staatsnahen Emittenten. Diese Gruppe begab nachhaltige Anleihen im Wert von 7,5 Milliarden Euro. Großunternehmen emittierten Bonds im Volumen von 5,1 Milliarden Euro.

Seit Jahresbeginn summieren sich Anleihen, die den Umweltschutz, soziale Ziele oder eine gute Unternehmensführung finanzieren, auf zusammen rund 175 Milliarden Euro, ermittelten die Analysten der LBBW. Zwar sei die Zahl der Emissionen im Ferienmonat August kurz zurückgegangen. Die vielen Neuemissionen im September zeigten aber, dass der Primärmarkt bis zum Jahresende deutlich stärker als in den Vorjahren wachsen werde. 

Aus Deutschland kommen nach Beobachtung der Analysten regelmäßig wichtige Emissionen. Vor allem Förderbanken sind hier vielfach tätig. Im Ferienmonat August hatten zudem der Energieversorger Eon und die Fahrzeugschmiede Porsche zwei milliardenschwere Emissionen platziert. Ende September begab die LBBW ihren ersten Social Bond über 500 Millionen Euro. Sie finanziert damit Vorhaben, die einen sozialen Mehrwert schaffen, wie Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen oder öffentliche Infrastrukturprojekte.

Nach Einschätzung des Analystenteams unter der Leitung von Alexandra Schadow setzen die Emittenten besonders auf Green Bonds mit konkret formulierten Zielen. Das Volumen der Green Bonds werde 2019 auf 175 Milliarden Euro steigen, prognostizieren sie. Dem gegenüber spielen Social Bonds, mit denen soziale Projekte und Dienstleistungen privat finanziert werden, derzeit noch eine Nebenrolle. Den LBBW-Analysten zufolge wird das Volumen aller sozial geprägten Neuemissionen 2019 auf rund 15 Milliarden Euro ansteigen. 

Nachdem die Europäische Investitionsbank im Jahr 2007 mit ihrer „Klimaschutzanleihe“ den weltweit ersten Green Bond auf den Markt gebracht hatte, zogen zahlreiche weitere Emittenten nach. Private und institutionelle Anleger können heute aus einer stark steigenden Zahl von Anleihen wählen, die ökologischen, nachhaltigen oder sozialen Zielen dienen. In diesem Jahr hat beispielsweise der deutsche Mischkonzern Baywa mit seinem ersten Green Bond bei Anlegern 500 Millionen Euro eingesammelt.