Markt für ESG-Analysen Morningstar greift nach Sustainalytics

Handschlag in Corona-Zeiten: Morningstar übernimmt Sustainalytics komplett.  | © Pixabay

Handschlag in Corona-Zeiten: Morningstar übernimmt Sustainalytics komplett. Foto: Pixabay

Die Konsolidierungswelle am Markt für Finanzanalysehäuser und ESG-Rating-Agenturen erreicht einen neuen Höhepunkt. Das US-amerikanische Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar übernimmt seinen langjährigen Kooperationspartner, die ESG-Rating-Agentur Sustainalytics, komplett.

Im Jahr 2017 erwarb Morningstar zunächst 40 Prozent der Firmenanteile; im Laufe dieses Jahres – voraussichtlich im dritten Quartal – will der börsennotierte Finanzdienstleister auch die restlichen 60 Prozent einkassieren. Morningstar und das neue Mitglied der – laut Pressestelle – „Morningstar-Familie“ haben sich vorgenommen, Anlegern auf der ganzen Welt ESG-Analysen auf allen Ebenen anzubieten – vom einzelnen Wertpapier bis hin zu umfassenden Portfolios, wie aus einer Mitteilung hervorgeht.  

Sutainalytics wurde 1992 in den Niederlanden gegründet, beschäftigt weltweit rund 500 Mitarbeiter und nimmt in der Konsolidierung des Marktes selbst eine aktive Rolle ein. Anfang 2019 übernahm das Unternehmen mit Hauptsitz im niederländischen Amsterdam den in Schweden beheimateten Aktionärsdienstleister GES International. GES stellt sich in den Dienst institutioneller Anleger, etwa bei Hauptversammlungen.

Mit der Komplettübernahme von Sustainalytics werden die Karten am Markt für ESG-Daten, -Analysen und -Ratings neu gemischt. Nach einer Reihe von Übernahmen haben sich in den vergangenen Jahren vier Unternehmen herauskristallisiert, die den Markt dominieren: ISS ESG inklusive Oekom Research, MSCI ESG, Sustainalytics und Vigeo Eiris mit dem deutschen Partner Imug Rating. Morningstar wird demnach auf einen Schlag einer der großen Anbieter im Geschäft mit Nachhaltigkeitsinformationen. 

Auch abseits des ESG-Rating-Marktes treiben Dienstleister für institutionelle Investoren Übernahmepläne voran. Im März 2020 griff die britische Aon wiederum erneut nach ihrem Wettbewerber Willis Towers Watson (WTW). Bereits vor einem Jahr hatte Aon, deren Aktien an der New Yorker Börse gelistet sind, Übernahmepläne publik gemacht, diese aber nach wenigen Stunden wieder zurückgezogen. Nun soll die Übernahme von Willis Towers Watson mit Hauptgeschäftssitz in London gelingen.