Für seine Emerging-Markets-Fonds Mark Mobius sucht nach griechischen Aktien

Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group

Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group

Griechische Aktien haben zuletzt nahezu jede Börse der Welt geschlagen. Dabei wurden sie lange Zeit von Anlegern wegen der Sorge um einen Austritt des Landes aus der Eurozone gemieden. Doch dann kamen die Investoren zurück - nicht zuletzt deshalb, weil die seit sechs Jahren anhaltende Rezession an Härte verliert.

Seit dem 5. Juni 2012 - zwei Wochen vor der Ankündigung von MSCI, der Staat werde womöglich als Schwellenland eingestuft - konnte der griechische ASE Index um 146 Prozent zulegen (Stand 30. Oktober). Damit hat sich das Minus seit dem Hoch von 2007 auf 79 Prozent reduziert. Der Zuwachs des ASE toppte jeden der insgesamt 94 Länderindizes in der Welt über denselben Zeitraum, mit Ausnahme von Venezuela. Das belegen Daten, die Bloomberg News zusammengetragen hat. Die Renditen zehnjähriger griechischer Anleihen sind zuletzt auf 8,31 Prozent gefallen - nach einem Hoch von 33,7 Prozent im März des Jahres 2012.

"In bin bei Griechenland sehr übergewichtet"

Zu den Käufern der Aktien zählen Paulson & Co. und JPMorgan Chase & Co. Darüber hinaus haben einige Schwellenländerfonds wie Renaissance Capital Holdings Ltd. und Templeton Emerging Markets Group Interesse bekundet.

Francesco Conte von JPMorgan Chase, der vor mehr als drei Jahren griechische Aktien aus seinem European Small Cap Fund herauswarf, hat Beteiligungen am Einzelhändler Jumbo SA und der Schmuckfirma Folli Follie SA erworben.

“Der Ausblick für das Land hat sich komplett verändert”, sagte Conte, der von London aus rund 2,8 Mrd. Dollar verwaltet, in einem Interview mit Bloomberg News. “In bin bei Griechenland sehr übergewichtet, weil ich dort sehr, sehr gute Chancen, gut geführte Unternehmen und sehr geringe Bewertungen finde. Weil sie ihre Kostenbasis so stark abgesenkt haben, wird das Profitabilitätswachstum enorm sein, wenn wir ein positives BIP- Wachstum bekommen.”

Die griechische Rezession schwächt sich wohl ab, nachdem das Land die Löhne und Renten gesenkt sowie die Steuern erhöht hat. Das alles geschah, um Zielvorgaben im Zusammenhang mit zwei Bailouts durch Europäische Union (EU) und Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erfüllen.

Ministerpräsident Antonis Samaras will im kommenden Jahr das Haushaltsdefizit auf 2,4 Prozent senken - nach 9 Prozent in 2012 und einem Hoch von 15,7 Prozent in 2009. Die Regierung prognostizierte am 7. Oktober, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr um 0,6 Prozent steigen wird - es wäre das erste Plus seit 2007.

Die Zuflüsse bei jenen Aktienfonds, die in Griechenland investieren, stiegen zwischen Jahresbeginn und 28. Oktober um 129 Prozent - verglichen mit einem Zuwachs von 15 Prozent für Europa als Ganzes, zeigen Daten von EPFR Global Inc. Diesen Angaben zufolge haben Investoren in diesem Jahr rund 179 Mio. Dollar in griechische Aktien gesteckt.

“Trotz Griechenlands Problemen sehen wir noch langfristige Chancen”

“Vor gerade mal neun Monaten war die weltweite Stimmung, ’Ich will nichts mit Griechenland zu tun haben, nicht einmal mit griechischem Joghurt’”, sagte Anthimos Thomopoulos, Vize-Chef von Piraeus Bank SA. “Heute wollen die Investoren nur noch was mit Griechenland zu tun haben, und sonst nichts.”

Und weitere Treiber für den griechischen Aktienmarkt tun sich bereits auf. Index-Anbieter MSCI bestätigte im Juni, dass er Griechenland künftig als Schwellenland und nicht länger als Industrienation einstufen wird. Im Schwellenländer-Index von MSCI wird Griechenland auf eine Gewichtung von 0,4 Prozent kommen - verglichen mit 0,02 Prozent in dem Index, in dem sich das Land derzeit noch befindet.

Schwellenländer-Fonds mit dem Mandat, MSCI-Indizes zu folgen, dürfen nach dem 26. November in griechische Aktien investieren. Mark Mobius, der rund 53 Mrd. Dollar als Executive Chairman bei Templeton verwaltet, kündigte bereits an, er schaue sich börsennotierte Banken, Einzelhändler, Modefirmen und Unternehmen aus dem herstellenden Gewerbe an.

“Trotz Griechenlands Problemen sehen wir noch langfristige Chancen”, erklärte Mobius. “Es gibt die Wahrnehmung, dass sich Griechenland erholt. Und mit fortgesetzten Reformen könnte sich das Wachstum signifikant verbessern.”