Rund 600 Euro. So viel bleibt Marco Rauch nach fast 40 Arbeitsjahren aus der gesetzlichen Rente. Sonst nichts. Altersvorsorge? „Nein, das habe ich nicht.“
Rauch, 57, ist Boxtrainer in Hamburg. In seinen Gruppen stehen Unternehmer, Portfoliomanager und, wie er sagt, „Private-Banking-Magazin-Betreiber“. Der stellt in dieser Folge die Fragen. Vormittags unterrichtet Rauch Sport an einem Privatgymnasium in den Elbvororten. Fest angestellt, seit zehn Jahren, ohne Lehramtsstudium. Er ist der Mann, der als Jugendlicher von allen Schulen flog und heute Herr Rauch heißt. Seine Diagnose: „Reine Selbstresozialisierung.“
Davor: Maschinenschlosser, weil der Sitznachbar sein Kreuz an dieser Stelle machte. Dreieinhalb Jahre, die er hasste und durchzog. Dann Zivildienst, Barkeeper, Kellner, Kaufhausdetektiv, Animateur, Türsteher. 35 Jahre Hamburger Gastronomie in umgebauten Booten, Cocktailbars, Läden, die halb Hamburg kennt. „Du hast immer Geld auf der Hand“, sagt er über diese Zeit. Das Trinkgeld floss, der Lohn blieb mies, angemeldet war er meist minimal. Diese Jahre fehlen im Bescheid.
Rauch ist ein Einzelfall mit Ansage, und ein Massenphänomen. Gastronomie, Minijob, Selbstständigkeit ohne Pflichtversicherung: Daraus entsteht die Rentenlücke, über die die Finanzbranche auf Konferenzen diskutiert. Bei Rauch ist sie präsent. Einen Plan B hat er nicht. Mitarbeiter einstellen, die für ihn einspringen? Hat er versucht, klappte nicht. Die Kunden wollen ihn. Es bleibt die One-Man-Show. Und das Lotto, das er seit Jahrzehnten spielt, ohne je zu gewinnen. Mit seiner App steht er im Minus.
Sein Rat an das eigene 20-jährige Ich: „Ich habe viel gehört von sogenannten ETFs, das soll wohl der letzte geile Scheiß sein.“
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Die alten Hamburger Vermögen, die bei ihm in der Halle stehen, beneidet er nicht. Geerbt, immer dieselbe Branche, nie ein Risiko nötig – so beschreibt er sie. Er selbst verließ mit zwölf die Eltern, fing mehrfach bei Null an, ließ sich abzocken, sah Gastroprojekte nach hinten losgehen. „Ich bin frei von Neid. Ich gönne allen alles.“ Seine liebste Anschaffung: ein Cadillac, Baujahr 1957, den er täglich fährt. Urlaub kennt er nicht: „Ich war nie im Urlaub, ich war immer nur in Hamburg, habe gearbeitet.“
So frei wie heute war er nie, sagt er. Allerdings steht: Freiheit in keinem Rentenbescheid. Was wiegt mehr: ein Depot oder ein Leben ohne Angst vor dem Neuanfang? Rauch sagt, er könne mit 90 noch in der Ecke stehen und Leute anschreien. Ob der Körper das mitmacht, ist die andere Frage. Wie genau das funktioniert, welche Fehler gemacht wurden und worauf Marco Rauch jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.