Marcel Müller von HQ Trust „Es ist wichtiger einen Track Record zu verstehen, als einen guten Track Record zu kaufen“

Marcel Müller, Partner bei der Vermögensverwaltung HQ Trust

Marcel Müller, Partner bei der Vermögensverwaltung HQ Trust

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Markus Hill: Jedes Haus hat eigene Kriterien bei der Due Diligence. Wie sieht die Vorgehensweise bei der Auswahl von Fondsmanagern bei Ihnen aus?

Marcel Müller: Wir haben bei HQ Trust einen sehr stringenten und systematischen Selektionsprozess. Im ersten Schritt führen wir ein quantitatives Screening durch, welches uns zunächst einen guten Überblick über das Risikoverhalten und das Leistungsverhalten der Peer-Gruppe gibt.

Hier spielen Kennzahlen wie Volatilität, Upside Capture, Downside Capture Ratios und Active Share eine größere Rolle. Allerdings ist das für uns zunächst nur ein Tool zur Ideengenerierung. Der Schwerpunkt des Selektionsprozesses bei HQ Trust ist stark qualitativ getrieben.

Warum qualitativ? Wir glauben das Asset Management ein „People’s Business“ ist, und die Qualität des Portfoliomanagements einen erheblichen Einfluss auf die Performance der Fonds hat. Und das macht eine detaillierte, qualitative Due Diligence der Fondsmanager und deren Teams notwendig. Daher ist es enorm wichtig, die handelnden Personen zu interviewen und vor Ort zu besuchen.

Wir versenden zudem sehr detaillierte Fragebögen, die ausgefüllt teilweise bis zu 100 Seiten lang sein können. Die Auswertung der Fragebögen ist insbesondere für die Vorbereitung auf einen Due Diligence Termin vor Ort von großer Bedeutung.

Es geht darum zu verstehen, warum ein Fondsmanager in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt hat und ob dies in der Zukunft systematisch wiederholt werden kann. Das geht nun einmal nicht rein quantitativ über eine Fondsdatenbank.

Wir analysieren daher sehr genau die Investmentprozesse der Fondsmanager und achten vor allem auf kompetitive Vorteile in der Analyse und der Verarbeitung von Informationen. Welche Quellen der Ideengenerierung und wie viele potentielle Alpha-Quellen besitzt ein Fondsmanager? Finden diese Ideen ihren Weg in die Portfoliokonstruktion und letztendlich in das Portfolio?

Wie qualitativ hochwertig ist das Risikomanagementsystem beziehungsweise findet es überhaupt Anwendung? Kann der Fondsmanager seine Performance zu jedem Zeitpunkt genau erklären und passt der Investmentprozess zur Investmentphilosophie? Fazit: Es ist uns wichtiger einen Track Record zu verstehen als einen guten Track Record zu kaufen.

Interessanter Punkt. Was genau meinen Sie damit, wenn Sie davon sprechen, einen guten Track Record zu kaufen? Im Markt gibt es auch Manager, die Schwächephasen im Performanceverlauf aufweisen. Wie gehen Sie mit diesem Sachverhalt um? Sind in diesem Fall Entscheidungsprozesse im Team oft schwieriger?

Müller: Ich denke, einer der größten Irrtümer in unserer Industrie ist der Glaube an die Möglichkeit, dass „Past Performance“ kaufbar sei. Obwohl es eigentlich jeder weiß, dass dies nicht möglich ist, scheinen sehr viele Marktteilnehmer diesem Irrtum zu erliegen. In den meisten Fällen führt eine vergangenheitsfokussierte Fondsauswahl zu enttäuschenden Investmentergebnissen.

Dass diese vergangenheitsbezogene Vorgehensweise jedoch überwiegend praktiziert wird, sehen Sie alleine daran, dass Fonds mit einer guten Renditehistorie in Folge relativ stark im Fondsvolumen wachsen. Diese Fonds werden dann häufig auch zu groß und werden in ihrem Investmentuniversum eingeschränkt. Das Resultat sind dann meist schlechtere Ergebnisse als in der Vergangenheit.

Ich denke diesem Fehler sitzen einige Investoren auf. Es ist natürlich viel einfacher und angenehmer, einen Fonds mit einem guten Track Record zu kaufen beziehungsweise für Analysten einen solchen Fonds zu empfehlen. Sie brauchen wesentlich bessere Argumente, einen Fonds zu empfehlen, wenn dieser in der Vergangenheit weniger gut gelaufen ist.