Performance: Eigentlich beansprucht die Private-Equity-Industrie für sich, der einzig wahre Investor zu sein. Warum es Private-Equity-Unternehmen gibt, die in börsennotierte Unternehmen der Telekommunikationsindustrie, Fernsehsender, Modemarken, Fluggesellschaften oder Banken investieren, werden wohl nur die Investoren dieser Private-Equity- Fonds verstehen – oder eben auch nicht. Private Equity beansprucht für sich, zweistellige Renditen nach allen Kosten zu liefern, und liefert selten.
Der Comgest Growth Europe Opportunities (ISIN: IE00BHWQNN83) hat in den vergangenen zehn Jahren eine Performance von durchschnittlich knapp 14 Prozent pro Jahr erzielt. Zieht man davon Kosten der Vermögensverwaltung und Lagerung ab, verbleiben 13 Prozent nach allen Kosten. Das lässt die meisten Private-Equity-Fonds wohl erblassen. Die Outperformance gegenüber dem Stoxx 600 beträgt mehr als 10 Prozentpunkte pro Jahr und das trotz einer Fünf-Jahres-Korrelation von mehr als 80 Prozent. Es zeigt, dass aktives Portfoliomanagement sich lohnt, aber eben nicht irgendeins. Disziplin und disziplinierte Umsetzung machen den Unterschied.
Regulierung: Dieser Fonds ist in Irland zugelassen und wird durch die Central Bank of Ireland reguliert. Die von uns genutzte Anteilsklasse hat eine TER von 1,08 Prozent. Der Cut Off ist mit 12:00 Uhr vertretbar, wobei das langfristig ohnehin nicht von Bedeutung ist.
Risiko: Dass eine Strategie, die sich auf das Investment in Qualitätsunternehmen fokussiert, aktuell ein hohes Gewicht in den Sektoren IT und Gesundheit hat, erklärt sich von selbst. Auch wenn bereits 2019 die Outperformance des Investmentstils Growth gegenüber Value seit 13 Jahren Bestand hatte, ist die Serie im abgelaufenen Jahr auf 14 gestiegen. Die Coronabedingte Wachstumsverknappung hat Wachstumsunternehmen nochmal einen gewaltigen Bewertungsschub gegeben. Die beginnenden Aufholeffekte werden den Fokus wahrscheinlich für eine Weile von Wachstum in Richtung Aufholprofiteure verlagern, sodass sich der Fonds eine Zeit lang unterdurchschnittlich entwickeln kann.
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Fazit
Ein wunderbarer Fonds für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont. Wobei erwähnt sei, dass der Fonds im Gegensatz zu einem europäischen Stoxx- 600-Aktien-ETF über keine Fünf-Jahres-Periode eine negative Performance gezeigt hat. Auch wenn sich der Fonds eine gewisse Zeit unterdurchschnittlich entwickeln kann, ändert es nichts daran, dass ein nachhaltiges Gewinnwachstum verbunden mit einer hohen Rendite auf das eingesetzte Kapital und einem hohen Maß an Transparenz zu überdurchschnittlichen Anlageerträgen führt. Und das bei gleichzeitig unterdurchschnittlichem Risiko. Kein europäischer Aktienfonds hat über fünf Jahre und mehr ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als der Comgest Growth Europe Opportunities.
Hinweis der Redaktion: Bei dem Artikel handelt es sich um keine Anlageempfehlung. Stattdessen soll er Anhaltspunkte liefern, wie man bei einer Fondsanalyse methodisch vorgehen kann und einzelne Aspekte beleuchten. Eine umfassende und sorgfältige Beratung beziehungsweise Anlageempfehlung kann der Artikel nicht ersetzen.
Über den Autor:
Magnus Graf von Schlieffen ist geschäftsführender Gesellschafter des Family Office Breidenbach von Schlieffen & Co., das er zusammen mit Marc Breidenbach 2013 gründete. Zuvor leitete er das Family Office der Berenberg Bank und verantwortete das Aktiengeschäft der Bank of America Merrill Lynch in Frankfurt.