Themenreihe Family Offices, Teil III Managerselektion

Stefan Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter von Honestas Finanzmanagement

Stefan Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter von Honestas Finanzmanagement

Ob im Rahmen direkter Vermögensverwaltungsmandate oder innerhalb angebotener Fondslösungen: Die Auswahl des richtigen Vermögensverwalters gestaltet sich bei der Vielzahl von Anbietern zu einer schwierigen und anspruchsvollen Aufgabe. Professionelle Family Offices sind auf die systematische Managerselektion spezialisiert.
Die Grundlage eines prozessorientierten Selektionsverfahrens bildet die Definition des Anforderungsprofils anhand der strategischen Vermögensstruktur, der so genannten Asset Allokation. Eine detaillierte Spezifizierung ist unabdingbar, um eine zielgerichtete und effiziente Managersuche durchführen zu können.

Die Selektion erfolgt in vier Prozessstufen:

Vorauswahl
(Long List)

Kaufprüfung
(Short List)

Detailanalyse
(Swot)

Entscheidung
(Scoring und Mandatierung)

Eine entscheidende Erfolgsgröße für die Vorauswahl bildet eine Informationsübersicht der potenziellen Manager innerhalb der Häuser, das heißt der mit dem Prozess betrauten Personen und deren Fachkompetenz. Der Selektionsprozess stützt sich daher einerseits auf ein quantitatives Kriteriengerüst, welches in einer Managerdatenbank vorgehalten wird. Andererseits fließen qualitative Beurteilungen der einzelnen Manager sowie die Überprüfung der Kompatibilität der angebotenen Leistungen mit dem gesuchten Investitionsstil in die Prüfung mit ein.

Um die Leistungen und Kernkompetenzen der einzelnen Manager beziehungsweise deren Investmentprozesse adäquat verarbeiten zu können, werden die in der Datenbank verarbeiteten Informationen in einem systematischen Prozess objektiv verdichtet. Korrespondierend zur strategischen Allokation, bei der die zur Zielerreichung notwendigen Mandate definiert wurden, werden aus der Datenbank die Vermögensverwalter ausgewählt, die sich für eine weitergehende Analyse (Kaufprüfung) empfehlen.

Der Kaufprüfungsprozess stellt die strukturierte Befragung der Manager dar. Der Analyseschwerpunkt umfasst die Organisation des Portfoliomanagements sowie Funktionsweise und Durchführung des Risikocontrollings. Neben dem mandatspezifischen Fragebogen werden von den Vermögensverwaltern unter anderem eine detaillierte Beschreibung der Anlagestrategie, testierte historische Ergebnisse sowie eine aktuelle Referenzliste erwartet.

Bei der Analyse des Investmentprozesses werden die Portfoliokonstruktion, das Transaktions- sowie das Risikomanagement im Einzelnen analysiert und bewertet. Die Detailprüfung umfasst ergänzend die Konsistenzbeurteilung der erzielten und prognostizierten Performance im Einklang mit dem zur Verfügung gestellten Risikobudget. Die Stabilität und Kontinuität der Organisation als auch die Qualität des verantwortlichen Managers und seinem Team bilden ebenfalls unverzichtbare Beurteilungskriterien.

Darüber hinaus werden umfangreiche Analysen auf Basis der Renditezeitreihen des aktuellen Vergleichsmandats durchgeführt. Es erfolgt eine Konzentration auf die multivariaten Stilanalyse zu, durch deren Einsatz die Anlageergebnisse des Managers auf relevante Einflussgrößen reduziert werden. Dieser Prüfungsbaustein ist innerhalb des Selektionsprozesses unverzichtbar, da die historische Performanceleistung eines Managers durchaus zufällige oder systematische Wetten umfassen kann.

Dem Kaufprüfungsprozess schließt sich die Swot-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats, also Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren) an. Ziel ist es, auf Basis einer internen Stärken-Schwächen- und einer gleichzeitigen externen Chancen-Risiko-Analyse die Quellen des Erfolgs und die Wettbewerbsvorteile des Managers zu identifizieren. Der Sw-Teil befasst sich mit den internen Faktoren und identifiziert die Schlüsselfaktoren. Diese umfassen die Fähigkeiten und Ressourcen, über die der Manager verfügt beziehungsweise die er kontrollieren und einsetzen kann.

Der ot-Teil offenbart die Chancen und Risiken, die sich für den Vermögensverwalter aus den Trends und Veränderungen der Kapitalmärkte ergeben. Das sind all diejenigen, auf die der Manager selbst keinen direkten Einfluss ausüben kann. Das Ergebnis der Analyse spiegelt wider, inwieweit und auf welche Weise der Manager in der Lage ist, mit den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen auf zu erwartende externe Veränderungen an den Finanzmärkten zu reagieren.

Um eine objektive und im Querschnitt konsistente Bewertung der Informationen des Kaufprüfungsprozesses, der separaten Performance- und Stilanalysen sowie der Swot-Analyse sicherzustellen, wird abschließend ein Punktbewertungsverfahren durchgeführt. Aus dem Einsatz des Scoring-Modells resultiert eine systematische und neutrale Beurteilung des Vermögensverwalters anhand des mandatsspezifischen Kriterienkatalogs (Managerrating) und ermöglicht eine transparente Ergebniszusammenfassung des Selektionsprozesses.