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Makro-Ausblick für 2017 von Michael Hasenstab Die Eurozone und Japan brauchen schwache Währungen

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Einzelne Währungen in Südamerika und Südostasien sind unterbewertet

Wir blicken positiv auf mehrere Engagements in lokalen Währungen in bestimmten Emerging Markets, die wir für unterbewertet halten, insbesondere Mexiko, Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Indonesien und Malaysia und andere Länder.

Konkret auf Mexiko bezogen würde eine Einschränkung des freien Handels den Warenaustausch mit den USA nicht zum Erliegen bringen; lediglich die Kosten würden steigen. Viele der größten US-Konzerne haben bedeutende Investitionen in Mexiko getätigt und die Produktion im südlichen Nachbarland ist fest in ihre Lieferketten eingebunden. Dies macht es für jede Regierung schwieriger, den Handel zwischen beiden Ländern signifikant zu senken, selbst durch die Erhebung von Zöllen. Die negativen Effekte von eventuellen Handelsbeschränkungen auf den mexikanischen Peso wurden unserer Meinung nach zu stark eingepreist. Sie entsprechen nicht dem Zeitwert, selbst wenn man eine Rückkehr zu den Bedingungen der Welthandelsorganisation unterstellen würde. Wir gehen von einer Erholung des Peso aus, wenn die mexikanische Zentralbank sich weiterhin für eine starke Landeswährung einsetzt und die Märkte sich wieder auf den zugrunde liegenden fairen Kurs besinnen.

Auch Indonesien ist ein solides Beispiel für die Stärke in bestimmten EM. Während die Rohstoffpreise einbrachen, die Handelsvolumina abnahmen und Chinas Wachstum sich verlangsamte, legte Indonesien noch 5 Prozent zu, bei einer ausgeglichenen Leistungsbilanz unter Berücksichtigung der ausländischen Direktinvestitionen.

Keine Bonitätsprobleme

Darüber hinaus waren 2016 massive Abwertungen bei EM-Währungen zu beobachten, jedoch hat es keine Bonitätsprobleme in Ländern wie Indonesien oder Malaysia gegeben. Vor zwanzig Jahren war es womöglich für viele dieser Länder schwieriger, einen Schock durch eine protektionistische Handelspolitik, durch fallende Rohstoffpreise und abwertenden Währungen gleichzeitig zu meistern. Heute jedoch befinden sich diese Länder in einer viel stärkeren Position, um mit dieser Art von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen im Welthandel fertig zu werden.

Sollte das Trans-Pazifische Partnerschaftsabkommen (TPP) nicht unterzeichnet werden, wäre dies für Länder wie Indonesien keine Katastrophe. Zweifellos wäre die Region nach unserer Meinung mit einem Handelsrahmen dieser Art stärker als ohne ihn, jedoch war Indonesien bereits ohne TPP stark und ist nicht auf verbesserte Handelsvereinbarungen angewiesen, um seine gute Entwicklung fortzusetzen. Die Märkte tendieren aus unserer Sicht dazu, auf den handelspolitischen Ton der Schlagzeilen zu achten, auch wenn die zugrundeliegenden Fundamentaldaten eine andere Geschichte erzählen.

Steigender Populismus und protektionistische Handelspolitik sind Risiken

Im neuen Jahr 2017 müssen insgesamt die Risiken eines steigenden Populismus in Europa und den USA sowie die potenziellen Folgen protektionistischer Handelspolitik im Auge behalten werden. Trotz steigender politischer Risiken in den Industrieländern gibt es zahlreiche überzeugende Gelegenheiten in bestimmten Emerging Markets, die uns für das kommende Jahr optimistisch stimmen. Ironischerweise haben sich mehrere lateinamerikanische Länder wie Brasilien, Argentinien und Kolumbien jüngst von früheren, gescheiterten populistischen Experimenten abgewendet und kehren derzeit zu einer eher orthodoxen Politik zurück. Sie sind der Marktwirtschaft und einer konservativen Haushaltspolitik zugeneigt, achten auf eine glaubhafte Geldpolitik, ein förderliches Geschäftsklima und einen am Export orientierten Handel.

Wir setzen nach wie vor lieber auf einige unterbewertete Chancen in auf lokale Währungen lautende Schwellenländer-Anleihen als auf viele überbewertete und niedrig rentierliche Titel aus den Industrieländern. Für 2017 hoffen wir, dass die mit Populismus experimentierenden  Industrieländer die negativen Folgen vermeiden können und stattdessen zu den Erfolgen einer eher orthodoxen Politik zurückfinden.