Ralf Lochmüller von Lupus Alpha im Interview „Unabhängigkeit ist nicht verhandelbar“

Ralf Lochmüller

Ralf Lochmüller: „Unsere Unabhängigkeit ist die Basis von allem“ Bildquelle: Lupus Alpha

private banking magazin: Herr Lochmüller, Lupus Alpha wird 25 Jahre alt. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an dieses Jubiläum denken?

Ralf Lochmüller: 25 Jahre vergehen schnell, aber es waren auch 25 Jahre mit vielen Krisen an den Kapitalmärkten, die wir zu bestehen hatten. Ich empfinde Freude und Dankbarkeit – Freude darüber, dass wir ein tolles Team aufbauen konnten. Wir sind mit 19 Kolleginnen und Kollegen gestartet und haben heute 100 sehr engagierte Mitarbeiter. Und dankbar bin ich, dass wir diese Kapriolen an den Kapitalmärkten so gut haben meistern können.

Welchen Herausforderungen sind Sie bei der Gründung begegnet?

Lochmüller: Als wir vor 25 Jahren starteten, war der Markt eigentlich schon verteilt. Es gab bereits große deutsche Anbieter und ausländische Häuser mit hohem Momentum. Für uns war klar: Differenzierung funktioniert nur über Spezialisierung – dort, wo man absolute Experten braucht, um intelligente Portfolio-Bausteine für institutionelle Investoren zu liefern. Das waren anfangs Small Caps, später kamen Derivatestrategien, verbriefte Unternehmenskredite, sogenannte CLOs, und seit 2017 auch Wandelanleihen dazu. Über die Jahre sind wir so vom Einproduktanbieter zum Multispezialisten mit sechs Strategien gewachsen.

Wie entwickeln Sie neue Produkte?

Lochmüller: Wir haben dafür heute unser Produktentwicklungskomitee mit einem klar definierten Prozess. Das ist einmal der strategische Teil, wo wir Kundenbedürfnisse identifizieren und auch Kunden in den Prozess einbeziehen. Teilweise geht es um Verbesserungen bestehender Ansätze, manchmal aber auch um opportunistische Entscheidungen. Ein Beispiel: Vor zehn Jahren haben wir ein vierköpfiges CLO-Team mit jahrzehntelanger Erfahrung in diesem Spezialsegment an Bord genommen. Das war nicht das Ergebnis eines langen Strategieprozesses, sondern ergab sich über unser Netzwerk. Da wir das Know-how nicht selbst entwickeln konnten, war dies der richtige Weg. Heute ist dieses Spezialistenteam seit zehn Jahren sehr erfolgreich unterwegs und verantwortet über 4,5 Milliarden Euro an Kundengeldern in CLOs.

 

Wie hat sich die Nachfrage Ihrer institutionellen Kunden verändert?

Lochmüller: Die Bedürfnisse der Kunden sind heute ganz andere als noch zur Jahrtausendwende. Das liegt vor allem an der gestiegenen Nachfrage nach mehr Diversifikation. Investoren wollen weg von rein deutschen, festverzinslichen Anlagen hin zu einer deutlich internationaleren Ausrichtung und stärkeren Investments in Spezialthemen wie Alternatives. Dabei stehen häufig die Erzielung von Alpha sowie die Vereinnahmung nachhaltiger Risikoprämien im Fokus. Beispielsweise über Small und Mid Caps ebenso wie mit Aktien-Derivatestrategien. Diese genauere Sicht auf die verschiedenen Anlageklassen prägt heute die strategische Asset Allocation vieler Investoren.

80 Prozent Ihrer institutionellen Kunden kommen aus der betrieblichen Altersvorsorge. Warum dieser Fokus?

Lochmüller: Das ist ein natürliches Wachstumsfeld. Unsere Kunden sind die großen Kapitalsammelstellen der betrieblichen Altersversorgung. Für die Verwaltung dieser Gelder suchen diese Investoren nach Lösungen für ihre Asset Allocation, um sicherzustellen, dass die Pensionsgelder in 10, 20 oder 30 Jahren auch in ausreichender Höhe zur Verfügung stehen. Das eigentliche Problem liegt aber woanders. Heute haben etwa 55 Prozent der Menschen Anspruch auf eine Betriebsrente – das müssen wir auf 70 bis 80 Prozent ausweiten. Denn leider ist von der gesetzlichen Rente nichts Vernünftiges zu erwarten: Ende der 50er Jahre kamen auf einen Rentner sechs Beitragszahler, 2050 werden es nur noch 1,3 Zahler sein. Dieser demografische Wandel ist seit 60 Jahren bekannt, doch gehandelt wurde nicht. Die junge Generation wird das letztlich tragen müssen. Deshalb bleibt nur die Stärkung der zweiten und dritten Säule als Lösung.

„Unabhängigkeit und Eigenständigkeit sind unsere DNA – das ist nicht verhandelbar“ 

Stichwort Konsolidierung in der Branche: Wollen Sie, und wenn ja, wie wollen Sie eigenständig bleiben?

Lochmüller: Unsere Unabhängigkeit ist die Basis von allem. Ich habe Lupus Alpha mit vier Partnern gegründet, nachdem wir von dem anglo-amerikanischen Asset Manager Invesco kamen. Unabhängigkeit und Eigenständigkeit sind unsere DNA – das ist nicht verhandelbar. Unsere Unabhängigkeit ermöglicht es uns ganz auf die Bedürfnisse unserer Kunden auszurichten, ohne Rücksicht auf Konzerninteressen nehmen zu müssen. Angebote von Private Equity, einen Spezialisten wie uns zu kaufen, waren für uns nie eine Option.

Wie begegnen Sie dem War for Talents?

Lochmüller: Als Asset Manager stehen wir im War for Talents gegenüber anderen Branchen, wie etwa der Technologie-Branche. Was uns hilft, wir vertreten eine Branche, für die man ohne schlechtes Gewissen arbeiten kann. Wir sind verantwortlich für die Rentengelder von morgen. Das erleichtert die Personalsuche, denn das Thema Purpose ist wichtig. Zweitens verknüpfen wir uns mit Universitäten, sind auf Messen präsent und vergeben viele Studentenpraktika. Wenn ein Praktikant weggeht, soll er oder sie uns eine neue Empfehlung aus ihrem Netzwerk geben– das ist unser Ansatz. Daraus hat sich über die Jahre ein großes Netzwerk entwickelt, sodass wir kein Problem haben, Stellen mit attraktiven Kandidaten zu besetzen. Drittens geben wir jungen Talenten schon früh Freiheiten und Verantwortung. Wir haben flache Hierarchien, das ist ein Vorteil gegenüber größeren Häusern.

„Kapitalmärkte sind ein System aus Chaos, menschlichem Handeln und Emotionen“  

Welche Rolle spielt KI bei Lupus Alpha?

Lochmüller: KI bringt unglaubliche Effizienzsteigerungen mit sich. Wir haben bereits konkrete Anwendungen: eine Wissensdatenbank über ChatGPT, die interne Dokumente screent, KI-gestützte Datenanalysen im Small-Cap-Bereich bis hin zum Einsatz bei Volatilitätsschätzungen.

Wird KI den Fondsmanager ersetzen?

Lochmüller: Das glauben wir nicht. KI ist gut bei Mustererkennung, aber die Kapitalmärkte sind ein System aus Chaos, menschlichem Handeln und Emotionen. Das alleine über KI zu prognostizieren, wird nicht möglich sein.

Wie sehen Sie das Interesse institutioneller Investoren an Krypto-Assets?

Lochmüller: Das Interesse steigt unzweifelhaft, aber bis auf wenige Ausnahmen wird noch nicht wirklich investiert. Das liegt zum Teil an der restriktiven Regulierung. Es gibt bereits Spezial-AIFs, wo bis zu 25 Prozent in Krypto-Assets investiert werden können, bei Publikumsfonds ist das noch nicht möglich. Die Regulierung wird sich nach vorne hin ausweiten, aber aktuell sehen wir höchstens vereinzelte Anlagen unserer institutionellen Kunden.

 

Sie sind ein großer Fan des Endowment-Ansatzes. Was fasziniert Sie daran?

Lochmüller: David Swensen, der ehemalige CIO der Yale Foundation, ist für mich eine absolute Legende des Investierens – er steht für mich auf derselben Stufe wie Warren Buffett. Buffett kennt jeder, Swensen kennt kaum jemand außerhalb der Asset-Management-Branche.  2004 hat er auf unserer Investmentkonferenz gesprochen, erstmals in Deutschland. Swensen hat das Endowment Management beeinflusst, wie kein anderer. Heute arbeiten viele seiner Schüler in den Stiftungen führender amerikanischer Universitäten.

Wie blicken Sie auf den politischen Druck, der nun auf solche Endowments ausgeübt wird?

Lochmüller: Die Gefahr ist groß, dass die klugen Köpfe, die es braucht, um solche Endowments erfolgreich zu managen, sich zurückziehen oder nur noch anonym tätig sind. Das wäre nicht gut. Swensen hat viel über seinen Ansatz publiziert, Papers geschrieben, war in Universitäten und auf Podien präsent. Er hat dieses Wissen weitergegeben und damit eine ganze Generation von Investoren geprägt.


Über den Interviewten:

Ralf Lochmüller ist Gründungspartner, CEO und Managing Partner von Lupus alpha Asset Management mit Sitz in Frankfurt am Main. Er gründete den unabhängigen Vermögensverwalter im Jahr 2000 gemeinsam mit vier weiteren Partnern. Zuvor war Lochmüller zwölf Jahre lang bei der anglo-amerikanischen Investmentgesellschaft Invesco tätig.

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