Lupus Alpha Investment Fokus 2025 „Europäische Performance muss besser sein als internationale“
Maximilian Biagosch: „Europa darf nicht überregulieren.“
Maximilian Biagosch gehörte im Anschluss die Bühne. Seit 2015 ist er globaler Leiter Real Assets und Leiter Europa (Global Head of Real Assets & Head of Europe) von CPP Investments. Der kanadische Pensionsfonds ist knapp 400 Milliarden Euro schwer. 1997 gegründet, wurde 2006 der Wechsel von einem passiven zu einem aktiven Management vollzogen, um laut Biagosch resilienter aufgesetellt zu sein – auch im Hinblick auf die Umkehr der Demografie-Pyramide.
Das Alleinstellungsmerkmal des Fonds ist dabei laut Biagosch, dass die Verantwortlichen ein reines Investment-Mandat haben. „Wir bauen keine Infrastruktur und stopfen keine Haushaltslöcher, sind organisiert als privates Unternehmen und haben noch keine laufenden Verbindlichkeiten“, sagt Biagosch, der darauf verweisst, dass sie zudem von einem von privatem Aufsichtsrat überwacht werden, in dem keine Politiker sitzen.
„Können wir kein Alpha mehr generieren, werden wir wider passiv investieren“
All das begünstige, dass man nah dran sei an Erfüllung des Generationenvertrags aus den 90er Jahren, als Kanada in der Krise war und Politiker entschieden, dass es ein langfristiges Projekt brauche, dass geschützt von der Politik funktionieren müsse. Generationenvertrag heiße in Kanada: Steuern werden gezahlt, aber nur ausbezahlt an zukünftige Generationen, für Biagosch ist der CPP das beste Model der Welt. Sicher auch, weil „die politische Unabhängigkeit in Verfassung verankert ist“, so Biagosch der weiß: „Können wir kein Alpha mehr generieren, werden wir wider passiv investieren. Wir müssen uns jeden Tag beweisen.“ Für ihn seien Kanadier eher Risikoavers. Dennoch wurde für den Fonds erkannt, dass nur Risiko bezahlt wird, in erster Linie Volatilitätsrisiko.
Biagosch und seine Kollegen legen über 50 Prozent in illiquide Anlagen an, davon einen überschaubaren Teil in Kanada: „Die Globale Aufstellung ist gut für Resilienz, macht Anpassungsfähig. Dazu stllen wir uns lokal auf und verlassen uns ein Stück weit auf unsere strukturellen Vorteile und unsere Größe.“
In Deutschland und Europa gefalle Biagosch die Komplexität – Struktur, Sprache und Rechtssystem inbegriffen – die Mitbewerber abschrecken würde: „Uns nicht. Wir wollen mit den besten lokalen Partnern zusammenarbeiten. Europa hat strukturelle schwächen, aber bietet guten Value, dank der Komplexität.“, sagt Biagosch. Er betont aber auch: „Europäische Performance muss besser sein als internationale, weil wir für Komplexität bezahlt werden müssen.“ Sein Appell: „Europa darf nicht überregulieren. “
Auf die Frage, was Deutschland tun kann, sagt Biagosch: „Ein Kapitalpool muss geschaffen werden, der im internationalen harten Markt Chancen hat. Erstmal kostet das. Der CPP beschäftige beispielsweise allein 20 Mitarbeiter für Cybersecurity. Unterm Strich würden den Fonds drei Dinge erfolgreich machen: Kapital, Talent, Reputation.
Beim Punkt Talent ist für Biagosch das Fehlen von großes Egos wichtig, gepaart mit einer dynamischen Anpassungsfähigkeit.
Zu diesen Punkten gab Biagosch weiter Einblicke:
- Weitsicht: Es braucht einen klaren Plan für ein vernünftiges Zielportfolio, an dem ständig weiter gearbeitet und sich neu erfinden wird.
- Zukunftstechnologien: GenAI ist wichtig und war keine Bubble. Wer das denkt, wir laut Biagosch böse erwachen.
- Big Tech: Die Magnificent 7 sind wichtig für Investoren und vielleicht sogar noch unterbewertet, wenn es unter Trump weniger Regulatorik gibt.
- China: Reduzieren aber nicht abwenden – laut Biagosch schwerer investierbar als vor 5 bis 10 Jahren, biete aber trotzdem Chancen und Südostasien ist allgemein spannend.
- Nachhaltigkeit: Wegen des reinen Investment-Mandats hat der CPP keine verbindlichen Ziele. „Wir brauchen Flexibilität, müssen uns keine Targets erfinden.“ Globale Klimaresilienz sei aber auch aus Gründen der Rendite wichtig, da Klimarisiken kosten. Die
ESG-Regulatorik hält Biagosch für „inkonsestent unvergleichbar und viel zu teuer“. In seinen Augen brauche es globale Standards für echte Risiken. Nach dem Sieg von Donald Trump sieht Briagosch auch in den USA keine totale Abwende von erneuerbaren Energien geben. - Asset Management: Der CPP arbeitet in allen aktiven Strategien mit Partnern zusammen: „Private Equity können wir direkt und machen das manchmal, aber wir wissen was Partner an Wissen, Expertise und Dealpipeline haben.“
In 5 bis 8 Jahren rechnet Biagosch damit, dass der Fonds die Größe von einer Billione Kanadischer Dollar erreicht haben wird, was umgerechnet rund 670 Milliarden Euro sind.