Lunis-Chef im Gespräch „Einige Vermögensverwalter haben den Absprung verpasst“

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Schreibt Lunis denn schwarze Zahlen?

Brandt: Es war von Beginn an das Ziel, dass wir es schaffen, im zweiten vollen Geschäftsjahr 2019 mindestens eine schwarze Null zu schreiben. Ich bin zuversichtlich, dass wir das erreichen. Das ist in einer Aufbauphase, in der wir Mitarbeiter eingestellt und dieses Jahr noch einen Standort eröffnet haben, ein sehr ambitioniertes Ziel. Dennoch trauen wir uns das zu und sind auf einem sehr guten Weg.

Margendruck verspüren Sie nicht?

Brandt: Doch, wir verspüren schon Margendruck. Wir bemerken, dass im Markt sehr hart um Neukunden gekämpft wird. Viele versuchen, unsere Kunden mit günstigeren Konditionen zu locken, wobei Vermögensverwalter größtenteils ein ähnliches Verständnis einer fairen Bepreisung haben. Wir müssen letztlich auch angemessen verdienen, wenn wir profitabel sein wollen. Mit Dumping-Preisen funktioniert das nicht. Die Leistung, die wir versprechen und individuell gewähren wollen, hat eben ihren Preis. Es gibt aber Anbieter, die unbedingt den Kunden gewinnen wollen – und das zu Preisen, bei denen fraglich ist, wie man ein Haus profitabel gestalten möchte.

Mit welchem Angebot unterscheidet sich Lunis bei Produkten vom Wettbewerb?

Brandt: Private Equity ist sicher die Anlageklasse, in der wir uns am meisten von sehr vielen anderen Anbietern unterscheiden. Wir haben über die verschiedenen Häuser hinweg 20 Jahre Erfahrung. Nur weil man das Unternehmen wechselt, endet ja nicht die persönliche Beziehung zu den Beteiligungsgesellschaften. In der Private-Equity-Branche geht es noch persönlicher zu als im Private Banking. Es ist über die Jahre hinweg gelungen, unsere Kontakte zu den Beteiligungsgesellschaften nachhaltig zu festigen. Ich bin sicher, dass manche Kunden nur zu uns gekommen sind, weil wir Zugang zu solchen Fonds haben.

Poolen Sie Ihre Kunden?

Brandt: Genau das tun wir. Das beginnt mit Tickets ab einer Größe von 200.000 Euro oder umgerechnet ab 250.000 bis 300.000 US-Dollar. Das Geld wird dann beim Treuhänder gebündelt, einem Wirtschaftsprüfer in München. Damit hat der Private-Equity- Fonds nur einen Investor. Wir begleiten das Ganze inhaltlich, die Interessen der Kunden, was die Fonds angeht, Jahreskonferenzen, Quartalsberichte oder Kontakte zu den Fondsmanagern. Die Anlageklasse ist aufsichtsrechtlich komplex und sehr zeit- und arbeitsintensiv. Das macht es aber wieder einzigartig, weil sich da nun mal nicht jeder Anbieter herantraut.

Erschreckend wenige, könnte man sagen.

Brandt: Ich will mir nicht anmaßen, das über andere zu sagen. Allemal würde ich aber formulieren, dass wir einen Erfahrungshorizont von 20 Jahren in der Private- Equity-Branche haben, der nicht so eben mal aufzuholen ist. Die erfolgreichen Private- Equity-Fonds können sich heute aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten. Wir machen keine Blind-Pool-Fonds, und wir machen grundsätzlich keine Private- Equity-Dachfonds, sondern wir bieten den direkten Zugang in einzelne Themenstellungen, Finanzierungsphasen, Sektoren oder Regionen. Der Kunde kann dann auswählen, welche von den Strategien am besten zu ihm passt.



Über den Interviewten:
Andreas Brandt ist Vorstandsvorsitzender und Gründungspartner der Lunis Vermögensmanagement. Zuvor war er von 2011 bis April 2017 Generalbevollmächtigter der Bank J. Safra Sarasin in Deutschland, davor Vorstandsvorsitzender der Credit Suisse (Deutschland).