Liquid Alternatives „Illiquiditätsprämie ist überwertet“

David Saunders, Fondsmanager des Franklin K2 Alternative Strategies Fund | © Franklin Templeton

David Saunders, Fondsmanager des Franklin K2 Alternative Strategies Fund Foto: Franklin Templeton

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Herr Saunders, Sie halten die Kritik an Liquid Alternatives für weitgehend unbegründet. Bevor wir näher darauf eingehen, erklären Sie bitte, wie Sie Liquid Alternatives definieren.

David Saunders: Einige legen den Begriff sehr weit aus und verstehen unter Liquid Alternatives zum Beispiel auch reine Long-Strategien mit REITs- oder Rohstoffbeimischung. Wir haben eine sehr viel strengere Definition. Wir verstehen darunter nur Fonds, die sich auf spezifische Alternative Strategien konzentrieren, wie Event Driven, Global Macro, Long Short Equity oder Relative Value. Sie nutzen eine Vielzahl von Vermögensklassen, Handelstechniken, Shorting und Hebel, um bessere Risiko-Ertrags-Profile zu erzielen. Zu den Liquid Alternatives zählen wir auch nur die Investmentfonds, die von Anlageexperten mit Erfahrung im realen Hedgefondshandel verwaltet werden.

Kritiker behaupten, dass liquide alternative Anlagen im Ucits-Mantel angeblich einen Ertragsnachteil gegenüber klassischen Hedgefonds haben, da sie nicht in längerfristige Anlagen investieren können.

Ja, man spricht hier auch von der Illiquiditätsprämie. Sie bezieht sich darauf, dass herkömmliche Hedgefonds Kapital länger binden können und daher auch in länger laufende Vermögenswerte investieren können, was ein besseres Ertragsprofil ermöglichen kann. Tatsächlich deutet unsere empirische Untersuchung der Performance und der Zusammensetzung von liquiden und weniger liquiden Fonds jedoch darauf hin, dass dieser Illiquiditätsaufschlag überbewertet ist.

Inwiefern?

Wir haben die Performance einer Gruppe von alternativen Investmentfonds, die unsere Definition erfüllen und einen Multi-Manager- und Multi-Strategie-Ansatz haben, mit der Performance des HFRX Global Hedge Fund Index verglichen. Im Ein-, Drei- und Fünf-Jahres-Zeitraum sind die Liquid Alternatives sogar besser. Zugegebenermaßen könnten längere Zeiträume andere Ergebnisse liefern. Bestünde jedoch eine konsistente Performance-Belastung für die liquiden Fonds aufgrund des entgangenen Illiquiditätsaufschlags, würden wir erwarten, dass man in den analysierten Daten Hinweise darauf finden könnte.

Als illiquide gelten Anlagen, die man nicht innerhalb von sieben Tagen veräußern kann. Investieren die meisten Hedgefonds überhaupt in solche Anlagen?

Einige Fonds, zum Beispiel solche, die sich auf notleidende Kredite konzentrieren, tendieren zu weniger liquiden Anlagen. Die Mehrheit der von uns beobachteten Hedgefondsmanager hingegen handelt die meiste Zeit mit äußerst liquiden Positionen. Auch aus diesem Grund dürfte die Illiquiditätsprämie in der Praxis begrenzt sein. Eine Analyse von 85 Long-Short-Aktienfonds hat zum Beispiel gezeigt, dass knapp zwei Drittel der Gesamtpositionen innerhalb von fünf Tagen liquidiert werden können.

Ein weiterer Kritikpunkt an den alternativen Investmentfonds ist die zweitklassige Managerqualität. Wer mit seinen Hedgefonds im privaten Bereich erfolgreich ist, muss nicht noch ein Mandat in einem Multi-Manager-Investmentfonds annehmen, so die Annahme.

Das halten wir für falsch. Informationen von Morningstar unterstützen unsere Einschätzung. Demnach partizipieren etablierte Hedgefonds-Häuser wie Wellington Management, AQR Capital Management, Loomis Sayles und einige mehr an liquiden alternativen Fondsstrukturen.

Und was ist der Anreiz für solche Manager, als Subberater bei Investmentfonds mitzumachen?

Manager können so ihre Anlegerbasis diversifizieren und auch Zuflüsse aus dem Privatkundengeschäft generieren. Viele Hedgefondsmanager haben gerade erst begonnen, das Potenzial der Liquid Alternatives zu erkennen. Diese können sie grundsätzlich auf die gleiche Weise verwalten wie ihre bestehenden, herkömmlichen Produkte. Sie müssen dazu nur zum Teil andere Mittel einsetzen. Das allgemeine Verständnis der Öffentlichkeit und der Hedgefondsbranche für die liquiden Produkte und ihre Regeln entwickelt sich ständig weiter. Manager, die den Vorteil dieser Strukturen erkennen, nutzen sie gern. Zudem ist ein Subberatungsmandat vor allem für kleine Manager mit einem verwalteten Vermögen von unter 500 Millionen Dollar attraktiv, da es ihnen Zugang zu schwer zugänglichen Assets eröffnen kann.

Und was halten Sie von der Aussage, dass Liquid Alternatives nur eine beschränkte Auswahl an Handelsstrategien nutzen kann?

Auch diese Kritik halten wir für übertrieben. Sie bezieht sich vor allem auf die falsche Annahme, dass die regulierten Produkte keine Hebel nutzen dürfen. Tatsächlich können sie aber über verschiedene Vehikel beschränkte Hebel einsetzen. So können die liquiden Fonds ähnliche Handelsstrategien mit ähnlichen Resultaten wie klassische Hedgefonds nutzen und tun dies auch.  Darüber hinaus deuten unsere Analysen darauf hin, dass Hedgefonds viel weniger Hebel einsetzen als allgemein vermutet. Die bereits angesprochenen 85 Long-Short-Aktienmanager haben beispielsweise nur einen durchschnittlichen Hebelfaktor von 1,6.

Liquid Alternatives unterscheiden sich also gar nicht so stark von klassischen Hedgefonds?

Es gibt nach wie vor Unterschiede, die man beobachten und analysieren muss. Es ist aber ebenso wichtig, Tatsachen von reinen Eindrücken zu unterscheiden. Unserer Meinung nach verfügen Liquid Alternatives über das Potenzial, Anlegern erheblichen Wert zu bieten – für sich alleine oder als Teil eines Portfolios mit traditionellen Anlagen.