Leiter Index Solutions Credit Suisse AM „Wir verzeichnen vermehrt Interesse von Family Offices“

Ist seit März 2010 Leiter Index Solutions bei Credit Suisse Asset Management Schweiz: Valerio Schmitz-Esser

Ist seit März 2010 Leiter Index Solutions bei Credit Suisse Asset Management Schweiz: Valerio Schmitz-Esser

private banking magazin: Viele Anleger sind sich der Unterschiede zwischen ETFs und Indexfonds nicht bewusst. Wo liegen die jeweiligen Vorteile?

Valerio Schmitz-Esser: Exchange Traded Funds, kurz ETFs, können während der Börsenzeiten jederzeit gekauft und verkauft werden. Das macht sie zu einem sehr flexiblen Instrument. Die hohe Flexibilität hat jedoch ihren Preis: Bei jeder ETF-Transaktion entstehen dem Anleger Kosten in Form von Kommissionen und Geld-Brief-Spannen. Zudem kann der ETF zu einem Aufschlag oder einem Abschlag gegenüber seinem inneren Wert handeln.  

Und das ist bei Indexfonds anders?

Schmitz-Esser: Genau. Indexfonds werden stets zu ihrem Nettoinventarwert abgerechnet. Die Berechnungsgrundlage des Nettoinventarwerts sind die Schlusskurse. Damit kann der Anleger jeden Tag zu Schlusskursen kaufen oder verkaufen. Er handelt damit stets in dem Moment, an dem die Börse die höchste Liquidität und die geringsten Handelskosten aufweist.  

Welche Zielgruppe wollen Sie mit ihren Indexfonds erreichen?

Schmitz-Esser: Credit Suisse verwaltet seit 23 Jahren indexierte Anlagen für institutionelle Anleger. Im vergangenen Jahr haben wir die meisten unserer Indexfonds auch für Privatanleger geöffnet, sodass nun jeder Anleger in sie investieren kann.

Welche Kundengruppen interessieren sich für das Angebot?

Schmitz-Esser: In letzter Zeit verzeichnen wir vermehrt Interesse von Family Offices an unseren Indexfonds. Viele Family Offices stehen derzeit in einem Transformationsprozess von einem Privatanleger mit sehr hohem Vermögen zu einem institutionellen Anleger mit ähnlichen Bedürfnissen wie Pensionskassen oder Versicherungen. Diesem Trend kommen wir mit unserer breiten Palette an indexierten Produkten entgegen.

Viele Anbieter arbeiten mit Wertpapierleihe, was ein gewisses Risiko bedeutet. Ist bei Ihrem Angebot Wertpapierverleih erlaubt?

Schmitz-Esser: Von den 78 Credit Suisse Index Funds tragen etwa die Hälfte den Namenszusatz „Blue“. Dieser Zusatz bedeutet, dass Wertpapierleihe ausgeschlossen ist. Über die letzten Jahre ist das Volumen der Wertpapierleihe im Verhältnis zum Fondsvermögen deutlich zurückgegangen. Für sinnvoll halten wir Wertpapierleihe nach wie vor bei sogenannten „Specials“, das sind Situationen, in denen Borger bereit sind, hohe Kommissionen fürs Ausleihen einzelner Titel zu bezahlen.

iShares, Lyxor oder db x-trackers sind mit zahlreichen Produkten am Markt. Was spricht für das Angebot der Credit Suisse?

Schmitz-Esser: Unsere Produkte richten sich nach den Anforderungen institutioneller Kunden. Dies bedeutet, dass wir in Produktentwicklung und Portfoliomanagement den Maßstäben der größten und anspruchsvollsten Kunden genügen müssen. Dazu zählen Steuereffizienz der Produkte, gezielte Mehrwertstrategien im Portfoliomanagement und höchste Kosteneffizienz.

Gibt es noch Lücken in Ihrem Angebot?

Schmitz-Esser: Mit rund 80 Indexfonds für Aktien und Renten bieten wir bereits eine sehr umfangreiche Produktpalette. Unter unseren Indexfonds finden Sie beispielsweise Fonds auf Emerging Markets, europäische Small Caps und verschiedene Faktorstrategien wie Fundamentalgewichtung und Minimumvarianz.

Sind in nächster Zeit weitere Produkte geplant?

Vor der Lancierung stehen Fonds auf drei weitere Indizes: Der MSCI World Factor Mix erlaubt die Anlage in eine diversifizierte Faktorstrategie mit den Komponenten Minimumvarianz, Value und Quality. Der MSCI Emerging Markets ESG Index berücksichtigt Umwelt, soziale Aspekte und gute Unternehmensführung bei der Auswahl eines globalen Portfolios für Schwellenländer. Mit einem Fonds auf den Barclays Corporate Bond High Yield Index machen wir das Segment der Hochzinsanleihen über einen Indexfonds investierbar.

 

Über den Interviewten:
Valerio Schmitz-Esser ist seit März 2010 Leiter Index Solutions bei Credit Suisse Asset Management Schweiz. Er arbeitet seit Oktober 2000 in dem Bereich und übernahm bereits im August 2002 die Co-Leitung des Teams „Research and Active Strategies“. Von März 2007 bis März 2010 führte er das Team „Client Solutions“ und war stellvertretender Leiter der „Quantitative Strategies Group“.