Leistungsbilanzen auf solider Grundlage Schwellenländer-Anfälligkeit wird überbewertet

IWF-Chefin Christine Lagarde mit indonesischen Staatsministern bei einem Wirtschaftsführertreffen auf Bali: Viele Schwellenländer glänzen mit besonnener Fiskalpolitik und hohem Zinsniveau. | © Getty Images

IWF-Chefin Christine Lagarde mit indonesischen Staatsministern bei einem Wirtschaftsführertreffen auf Bali: Viele Schwellenländer glänzen mit besonnener Fiskalpolitik und hohem Zinsniveau. Foto: Getty Images

Michael Hasenstab, Chef der Templeton Global Macro Group

Ganz gleich, ob man sich die Zahlen des Institute for Supply Management ansieht oder die Arbeitsmarktdaten – die US-Konjunktur bleibt weiterhin stark. Sogar die vorsichtige US-Notenbank beginnt ihre Haltung zu revidieren und räumt ein, dass die Wirtschaft gerade dynamisch wächst und Vollbeschäftigung herrscht. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich auch die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt robust. Infolgedessen beginnen die Staatsanleihen eine größere Spanne zu zeigen, wobei es hier gerade einen ziemlich großen Sprung gab.

Aufgrund steigender Renditen auf US-Staatsanleihen hat der US-Dollar gegenüber den G10-Währungen aufgewertet. Interessant dabei: Gegenüber Schwellenmärkten mit ordentlichen Fundamentaldaten, etwa Brasilien, hat sich der US-Dollar leicht abgeschwächt. Wir gehen daher davon aus, dass bei moderat steigenden US-Renditen – nicht so sehr, dass sie eine Rezession auslösen, vielmehr bei lediglich moderaten Renditesteigerungen – der US-Dollar gegenüber dem Euro, Yen oder Australischem Dollar aufwertet, also gegenüber Währungen, deren Entwicklung von einer sehr lockeren Geldpolitik bestimmt wird.

Schwellenländer ziehen weiterhin Kapital an

Das weiterhin gute konjunkturelle Umfeld, von den Notenbanken weltweit im Gleichgewicht gehalten, dürfte den Schwellenländern zugutekommen und sowohl deren Nachfrage als auch deren Exporte steigern. Weil Schwellenländer vergleichsweise hohe Zinsen haben, dürften sie aufgrund der Zinsdifferenz gegenüber den Developed Markets nach wie vor Kapital anziehen.

Allerdings leiden einige Schwellenländer wie Indien und Indonesien derzeit unter einer Überreaktion der Märkte. Doch meiner Ansicht nach wird ihre Anfälligkeit gegenüber dem Ölpreis und etwas höheren Renditen bei US-Staatanleihen überbewertet. Ihre Leistungsbilanzen stehen auf solider Grundlage. Ihre Fiskalpolitik ist recht besonnen – im Falle Indonesiens seit fast zehn Jahren. Indien und Indonesien haben keine hohe Staatsverschuldung. Vor allem haben diese beiden Länder und andere Schwellenmärkte auf die Abwertung ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar ohne Verschuldung, Nachhaltigkeitsprobleme und Zahlungsausfälle bei Unternehmen reagiert. Mit den Abverkäufen der vergangenen Monate hat der Markt überreagiert.

Argentinien auf gutem Weg

Das gilt auch für Argentinien: Unseres Erachtens werden alle politischen Entscheidungen richtig getroffen – und das sagen nicht nur wir vom privatwirtschaftlichen Sektor. Das IWF-Paket in Höhe von fast 57 Milliarden US-Dollar ist eine enorme Bestätigung dafür, dass hier die richtige Politik betrieben wird. Der IWF unterschreibt nicht einfach so ein Projekt von fast 60 Milliarden US-Dollar, ohne überzeugt zu sein, dass die Geldempfänger die richtige Politik zur Haushaltskonsolidierung verfolgen.

Fundamentaldaten stützen Kurse

Anleger in den Schwellenmärkten sollten wissen. Wenn man einen Zeithorizont von drei Monaten hat, ist eine Anlage in den Schwellenländern sehr schwierig. Wenn man jedoch über einen Zeithorizont von mehreren Jahren verfügt, kann man sich Panikverkäufe, die jeder fundamentaler Grundlage entbehren, zunutze machen. Seit dem „Drosselungskoller“ im Jahr 2013 haben sich etwa ein halbes Dutzend dieser Abverkäufe in den Schwellenmärkten ereignet – und so gut wie jedes Mal kam es zu einer sofortigen Erholung. Der Abverkauf vom August ist noch nicht komplett wettgemacht, aber wir sehen keinen Grund, warum das nicht passieren sollte: Die Fundamentaldaten sprechen sämtlich dafür.