Interview mit Stephan Paxmann, Leiter Digitalisierung und Innovation der LBBW „Die Pleiten in den USA gaben einen Push für regulierte und seriöse Institutionen“

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Das Wichtige dabei ist ein offener Austausch, der Innovationen nicht frühzeitig abwürgt. Wir müssen Risikoappetit und saubere Regulatorik unter einen Hut bekommen. Die Mica-Verordnung ist dabei ein wichtiger Schritt für die Zukunft bei Digital Assets. Denn damit sind wir in Europa regulatorisch besser aufgestellt, als die USA und schaffen ein sicheres Fundament für Produkte und Dienstleistungen mit Digital Assets. 

Die LBBW ist aber auch in den USA und Asien aktiv…

Paxmann: Natürlich denken wir auch international. Die Basis wollen wir aber in unserem Heimat- unserem Zentralmarkt schaffen. Wir müssen unsere Hausaufgaben hier sauber erledigen, auch um verlässliche Produkte anbieten zu können. Und dann schauen wir auf andere Länder und Regularien, weil wir auch dort bestmöglich unsere Kunden begleiten möchten. Derzeit ist – in meinen Augen – die Regulatorik zumindest für Digital Assets in Deutschland weiter als in den USA.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie und aus welchen Bereichen kommen diese?

Paxmann: Zahlen und Größen sind irrelevant für mich. Mir geht es um Leistungsfähigkeit, die ich benötige, um Themen sauber abarbeiten zu können. Dafür stellen wir externe Expertinnen ein und rekrutieren genauso auch aus der LBBW. Man findet nicht mal eben so 10 bis 20 gute Mitarbeitende, die beispielsweise auf Kryptos spezialisiert sind und im akzeptablen Gehaltsrahmen arbeiten wollen. Wir suchen vielmehr gezielt Experten, brauchen Qualität und keine Quantität. Ich will Ergebnisse und nicht nur bunte Folien in die Luft malen. Dazu arbeiten wir beispielsweise mit allen Fach- und Funktionsbereichen schon frühzeitig bei neuen Themen zusammen.

 

Wir sind keine Blackbox, die Innovationen ausschüttet. Jede in der LBBW, die will und kann, kann sich informieren und mitmachen. Legal, Compliance, Kapitalanlage, Wealth Management, Datenschutz, IT sowieso, alle können und sollen ihr Wissen einbringen, auch weil innovative und digitale Themen alle Bereiche betreffen. Digital Assets beispielsweise betreffen den Kapitalmarkt, das Privatkundengeschäft und Unternehmenskunden. Und selbstverständlich auch Compliance, Recht, IT, Operations und HR!

Haben Sie einen Masterplan, welche Produkte beispielsweise ein Kunde aus dem Private Banking in fünf Jahren bei der LBBW bekommen kann?

Paxmann: Im Wealth Management haben wir bereits verschiedene Apps für Research-Daten, Wertpapierinformationen und Online-Trading. Dazu haben wir eine Vermögensverwaltungs-App, mit der in das eigene Mandat digital reingeschaut werden kann. Sehr kurzfristig bieten wir auch eine digitale Vermögensverwaltung an, die das Thema Self-Service verbessern wird und das Angebot der LBBW und BW-Bank nochmal deutlich erweitert. Dazu wollen wir natürlich auch im Private Banking generative KI verwenden, um beispielsweise bessere Analysen anbieten zu können.

Im Private Banking gilt der persönliche Kontakt als sehr wichtig, graben Sie ihren Kollegen in diesem Bereich nicht das Wasser ab?

Paxmann: Nein, es ist genau anders herum. Die Themen kommen aus den Fachbereichen, wie dem Private Banking und Wealth Management. Denn in den vielen Kundensituationen wird schnell klar, daß ein Kunde unseres Private Bankings zwar weiterhin einen persönlichen Berater und maßgeschneiderte Lösungen nutzen will, aber er fordert auch digitale Tools, die ihn mit seinem Vermögen verbinden, möchte online aktiv sein, handeln, Analysen lesen und sofort reagieren können. Genau das möchten wir zukünftig in einem Gesamtblick für unsere Kunden anbieten.

Inwieweit macht ihr Unterschiede zwischen Retail, Private Banking und institutionellem Geschäft?

Paxmann: Natürlich gestaltet sich die Regulatorik unterschiedlich für Privat- und institutionelle Kunden. Das muss Berücksichtigung finden. Und auch die Betreuungsintensität ist zwischen Retail und Private Banking und wiederum zum institutionellen Investor eine andere. Das drückt sich auch in unterschiedlichen Produktfunktionalitäten aus. Aber in der Erwartungshaltung zu innovativen und digitalen Lösungen unterscheiden sich die Anforderungen aller Kunden im Grundsatz nicht. Durch die Erfahrungen im privaten Umfeld, beispielsweise im Ecommerce, impliziere ich eine Erwartung auch an die digitalen Finanzdienstleistungen, egal ob ich sie privat oder geschäftlich nutze. Und die sollte bestmöglich erfüllt werden.

Wie schäzten Sie KI ein und sollten Grenzen gesetzt werden?

Paxmann: Wir müssen zwischen strukturierten Daten, also Deep Learning und neuronalen Netze sowie unstrukturierten Daten, die von generativer KI genutzt werden können, unterscheiden. Letzteres bringt die Chance, wesentlich einfacher mit Daten umgehen zu können, ohne erst technische Infrastrukturen mit viel Aufwand aufbauen zu müssen.

 

Das es jetzt Stimmen gibt, die den Stop der Weiterentwicklung fordern, kann ich nachvollziehen, ich glaube jedoch nicht, dass es einen Pausenknopf gibt. Wir müssen vielmehr für uns schauen, welche Anwendungsfälle wir mit der generativen KI umsetzen können, beispielsweise um den Fachkräftemangel entgegen zu wirken, oder um Regulatorik und Reporting effizient anzugehen. Zudem müssen wir von der einfachen Anwendbarkeit von Lösungen wie Chat GPT oder Bard profitieren.

Inwiefern?

Paxmann: Wir haben einen frühen Proof of Concept mit unseren Kollegen vom Research durchgeführt und geschaut, inwiefern eine Geschäftsberichtsanalyse mit generativer KI (GenKI) schneller und verlässlich durchgeführt werden kann, als wenn es manuell recherchiert wird.  Natürlich haben wir die durch GenKI erstellten Informationen im Nachgang genauestens manuell auf Richtigkeit kontrolliert und teils korrigiert – aber dennoch nur ein Fünftel der Zeit benötigt! Also schon eine erheblicher Effizienzsteigerung.