Und darauf dann eine saubere Governance aufsetzen. Und das nicht in einem halben oder gar ganzem Jahr, sondern in der Ambition innerhalb von 40 Tagen. Direktbanken oder digitale Vermögensverwalter – die in Konkurrenz zu uns stehen - sind alle nach dem Prinzip Open Finance gestaltet. Unsere IT entwickelt sich dort noch stärker hin. Und auch die Fachbereiche müssen noch stärker diese modularen Möglichkeiten bei der Produktentwicklung nutzen.
Und künstliche Intelligenz…
Paxmann: Ein weiteres großes Thema, verbunden mit Data Analytics, um saubere Datenstrukturen zu haben. Dazu kommt insbesondere generative KI. Das Spannende bei dieser ist, dass wir damit das Thema der unstrukturierten Daten angehen können. Das schafft Optionen, die bis vor einem guten Jahr noch niemand in der Wirtschaft wirklich auf dem Schirm hatte. Aber mit generativer KI können wir, ohne über die ganze KI-Welt und neuronale Netze zu sprechen, wirklich konkrete Anwendungen kreieren! Es geht zunächst um die Schaffung von Effizienz, dann um die Ermöglichung neuer Services und zukünftig auch um den gezielten Einsatz bei vertrieblichen Themen und innovativer Kundenbetreuung. .
Die LBBW will auch Geld verdienen, welche Produkte sind dazu konkret in Planung?
Paxmann: Grundsätzlich wollen wir jede Innovation zu einer konkreten Lösung mit einem echten Beitrag voranbringen. Das ist sowohl bei Beispiel Digital Assets und den notwendigen Infrastruktur- und Anwendungslösungen der Fall. Aber auch die Nutzung von generativen KI-Lösungen zielt nicht nur auf Arbeitseffizienz ab, sondern eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten. Wenn wir darüber hinaus mit unserem neuen Open Finance-Ansatz stärker in die Kooperation mit externen Dienstleistern und Fintechs gehen, ist es das Ziel, Effizienz- und Ertragsquellen zu erschliessen.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Innovative Infrastrukturen sind erstmal ein Invest, nicht immer gleich profitabel, sondern eher ein Kostenfaktor, ein Cost-Case. Aber die darauf aufbauenden Gebrauchsmöglichkeiten müssen als Gewinnbringer, als Profit Cases aufgebaut werden. Dabei ist Profit nicht immer gleich Geld. Es kann auch nicht monetär sein und auf andere Ziele einzahlen.
War der Crash der Krypto-Börse FTX eine Art reinigendes Gewitter, also hilfreich für die Branche?
Paxmann: Zunächst gab es einen Dämpfer, nicht nur FTX ist in den USA untergegangen. Aber es hat auch – und das ist positiv – den Blick darauf geschärft, was in diesem Themenumfeld gemacht werden muss. Nicht Kryptos sind Problem und Risiko, sondern ein unter- und falsch reguliertes Umfeld, zumindest in der USA. Und die Krisen sind nicht durch die Krypos an sich, sondern vielmehr durch Fehlverhalten der verantwortlichen Personen entstanden. Hierzulande lässt die Regulatorik das nicht zu. Deshalb kann ich heute sagen, dass die Pleiten in den USA ein Push für regulierte und seriöse Institutionen wie die LBBW waren. Wir könnten Services und Produkte für Digital Assets. als Kryptos, Token, Stablecoins und weitere in einem sicheren, regulierten Rahmen anbieten, auch wenn wir nicht auf jedes Digital Assets-Thema aufspringen. Und ich sage ganz klar: Ich liebe die Regulatorik. Sie ist ein ganz wichtiges Element für uns. Natürlich finde ich sie auch manchmal anstrengend, aber sie schafft Vertrauen, was gerade im Umgang mit Kunden eine der wichtigsten Währungen ist.
Haben Sie weitere Wünsche an den Regulator, oder Verbesserungsvorschläge?
Paxmann: Betrachtet man Regulatorik insgesamt, kann man – was die neuen Themen wie Cloud-Technologie-Kryptos, Open Finance, KI und weitere angeht – sagen, dass wir uns alle damit beschäftigen müssen. Das ist für alle neuen Themen auch immer wieder ein Neustart beim Wissensaufbau. Wir können nicht erwarten, dass der Regulator sofort weiß, wie alles funktioniert. Er entwickelt sich parallel mit uns - den Banken - mit.