private banking magazin: Herr Paxmann, Ihr Aufgaben- und Verantwortungsbereich bei der LBBW beinhaltet alles, was mit Digitalisierung zu tun hat. Wie sieht ihre Arbeit konkret aus?
Stephan Paxmann: In erster Linie geht es darum, dass wir die unterschiedlichsten digitalen Ideen in der Bank platzieren und so aufsetzen, dass sie dieser und ihren Kunden so mittelfristig einen Mehrwert für uns oder unsere Kunden verschaffen. Zunächst müssen wir uns dafür zu den Ideen eine Meinung bilden, dann geht es darum, Ideen in der Bank zu integrieren, zu verankern und umzusetzen. Eine der Herausforderungen dabei ist es, Trends, Wettbewerb und Regulatorik im Auge zu behalten. Ich sage gerne: Das ist ein Wasserfall an Informationen und aus diesem versuchen wir zu trinken. Das ist nicht einfach. Wer aus einem Wasserfall trinken möchte, kann dabei schnell ertrinken. Wir wollen aber lediglich unseren Durst löschen. Dafür ist es wichtig, dass wir die bereits genannten Themen sehr systematisch angehen.
Wie sieht das konkret in der Umsetzung aus?
Paxmann: Wir müssen uns so weit strukturieren, dass wir mit einzelnen Paketen arbeiten können. Uns interessieren Themen, die Relevanz für die LBBW und ihre Kunden haben. Diese Themen zu finden, das ist meine Aufgabe. Haben wir ein Thema identifiziert, muss dieses in eine relevante, monetarisierbare Idee für die Bank übersetzt werden. Nur weil etwas neu ist und gerade gehypt wird, muss es noch lange nicht interessant für die LBBW sein.
Wie machen Sie eine solche Idee relevant und greifbar für ihren Arbeitgeber?
Paxmann: Wir diskutieren und skizzieren Anwendungsfälle einer Idee und leiten daraus die Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf die LBBW ab. Wenn es ein spannender Ansatz ist, gehen wir in einen Innovation-Sprint in unserem LBBW Incubator, um dort mit Prototypen die Idee noch konkreter zu validieren. Wir müssen aus Projekten konkrete Entwicklungen ableiten, die wir entweder auf den Markt bringen, oder intern nutzen können.
Haben sie für beide Wege jeweils ein Beispiel?
Paxmann: Wir haben beispielsweise Alternative Assets als frühe Idee am Markt gesehen und diese dann in einer 12-wöchtigen Incubationphase intern wie extern verprobt. Neben dem Lerneffekt haben wir vor allem ein belastbares Modell ableiten können, was wir dann konkret mit den Fachbereichen diskutiert und entschieden haben. Aber auch interne Ideen haben wir über diesen Ansatz mit den KollegInnen verprobt und mittlerweile ein Angebot für unser Privatkundensegment abgeleitet.
Unterm Strich, welche Themen sind derzeit die wichtigsten für Sie, aus welchen Gründen?
Paxmann: Unsere Themen sind volatil, die entwickeln und verändern sich regelmäßig. Im vergangenen Jahr haben wir Digital Assets aufgenommen. Alles, was in dem Bereich der Krypto-Thematiken, digitalen Zentralbankwährungen, elektronischen Wertpapieren oder Tokenisierung liegt, wollen wir verstehen, um mitreden zu können. Beispielsweise Krypto ist da, ist Realität - aber noch nicht da, wo es mal sein wird und wir wollen das Ziel mit definieren.
Wie sieht die von Ihnen erwähnte Struktur aus?
Paxmann: Wir haben eine Digital Assets Landkarte erstellt, in der wir erstmal alle möglichen Klassen abgebildet und beschrieben haben, so dass jeder versteht, was sich dahinter verbirgt. Und dann haben wir in diversen Dimensionen Anwendungsfälle von heute und der Zukunft zu den Assetklassen einsortiert. Jede dieser Anwendungen hat wiederum regulatorische Anforderungen, die erfüllt sein müssen, bevor ein Angebot dazu existieren kann. Und last but not least ging es um die technische Infrastruktur, die für eine Umsetzung der jeweiligen Klassen benötigt wird. Mit dieser „Landkarte“ ist das Navigieren deutlich einfacher und transparenter geworden und bildet nun die Absprungbasis für die Digital Assets Governance der Bank.
Was ist noch spannend?
Paxmann: Am ganz anderen Ende des Zeithorizonts: Das Metaverse. Wie sollen wir als Bank uns in Bezug auf virtuelle Geschäftsmodelle positionieren? Brauche ich beispielsweise im Metaverse eine Filiale für Privatkunden, obwohl in die reale Filiale schon niemand mehr kommt? Oder muss ich nicht vielmehr das Metaverse für Unternehmenskunden anschauen und Finanzangebote im Industrial Metaverse angehen? Und wie können virtuelle Modelle die Zusammenarbeit oder das Recruiting unterstützen? Was ist das Konzept hinter dem Metaverse und wie kann ich darüber Kunden erreichen?
Wie sieht es mit Open Finance aus?
Paxmann: Wir als Bank können sehr viel allein. Aber in einer sich derart schnell entwickelnden Welt werden wir nicht alles auf Solo-Pfaden machen können. Niemand kann allen Entwicklungen hinterherrennen und sie selber abbilden. Wir müssen in ein modulares Kooperationsmodell gehen, in dem wir eigene wie auch externe Services, Prozesse oder auch Produkte für Lösungen nutzen. Wichtig dabei ist vor allem, dass wir neben der technischen Ermöglichung via API-Anbindungen auch das organisatorische, rechtliche und regulatorische sowie kommerzielle Onboarding ausbauen und standardisieren.