Brief von Larry Fink „Der russische Einmarsch hat der Globalisierung ein Ende gesetzt“

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Doch der Angriffskrieg Russlands markiert für Fink eine Zeitenwende. Er glaube nach wie vor an die Vorteile der Globalisierung und die Macht der globalen Kapitalmärkte, beispielsweise Ländern bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung voranzutreiben und damit Menschen zu finanziellem Wohlstand zu verhelfen. „Doch der russische Einmarsch in der Ukraine hat der Globalisierung, die wir in den letzten drei Jahrzehnten erlebt haben, ein Ende gesetzt.“

Es ist unmöglich, genau vorherzusagen, welchen Weg dieser Krieg nehmen wird, so Fink. Deshalb konzentriere Blackrock sich darauf, die direkten und indirekten Auswirkungen der Krise zu beobachten und mit den Kunden zusammenzuarbeiten, um zu verstehen, wie man sich in diesem neuen Anlageumfeld zurechtfindet. „Wir legen großen Wert auf Widerstandsfähigkeit. Wir haben sowohl eine Anlageplattform als auch eine Geschäftsstrategie aufgebaut, die angesichts von Unsicherheiten widerstandsfähig sind. Resilienz bedeutet nicht nur, einen plötzlichen Schock an den Märkten zu überstehen, sondern auch, langfristige strukturelle Veränderungen zu verstehen und anzugehen."

Auch zur Inflation äußert Fink sich: „Die Zentralbanken müssen sich entscheiden, ob sie mit einer höheren Inflation leben, oder die Wirtschaftstätigkeit und die Beschäftigung bremsen wollen, um die Inflation rasch zu senken.“ Dem Thema Kryptowährungen gegenüber zeigt er sich offener als in der Vergangenheit: „Ein globales digitales Zahlungssystem, das sorgfältig konzipiert ist, kann die Abwicklung internationaler Transaktionen verbessern und gleichzeitig das Risiko von Geldwäsche und Korruption verringern.“


Die Energiewende könne in seinen Augen nur funktionieren, wenn sie fair und gerecht ist. „Wichtig ist, dass sie nicht über Nacht oder in einer geraden Linie erfolgen wird. Sie erfordert, dass wir den Energiemix von braun über hellbraun und hellgrün auf grün umstellen.“ Der Krieg, so Fink, würde die Energiewende sogar noch beschleunigen: „Deutschland zum Beispiel plant, die Nutzung erneuerbarer Energien zu beschleunigen und bis 2035 einen Anteil von 100 Prozent sauberer Energie zu erreichen - 15 Jahre früher als vor dem Krieg. Länder, die nicht über eigene Energiequellen verfügen, werden mehr denn je gezwungen sein, diese zu finanzieren und zu entwickeln - was für viele Länder bedeuten wird, in Wind- und Solarenergie zu investieren.“

Bislang hat sich die staatliche Planung laut Fink global jedoch nur auf das Angebot konzentriert, ohne die Nachfrage zu berücksichtigen. „Wir brauchen eine Politik, die den Energiebedarf der Welt ganzheitlicher und langfristiger angeht.“