Nach sieben Jahren beim Hamburger Multi Family Office Kontora hat sich Henning Landsiedel mit fünf ehemaligen Kolleginnen und Kollegen selbstständig gemacht. Mit einem betreuten Vermögen von über einer Milliarde Euro und zwei Familienmandaten im Startportfolio will die Gruppe zeigen, dass inhabergeführte Strukturen im Private-Wealth-Segment Zukunft haben.
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Nach sieben Jahren beim Hamburger Multi Family Office Kontora hat sich Henning Landsiedel mit fünf ehemaligen Kolleginnen und Kollegen selbstständig gemacht. Mit einem betreuten Vermögen von über einer Milliarde Euro und zwei Familienmandaten im Startportfolio will die Gruppe zeigen, dass inhabergeführte Strukturen im Private-Wealth-Segment Zukunft haben.
private banking magazin: Glück auf zur Gründung eines neuen Family Offices in Hamburg. Schön, dass wir euren Start begleiten dürfen. Leg doch mal los.
Henning Landsiedel: Wir sind sechs ehemalige Kontora-Mitarbeiter – Jerome Roeschke, Beata Seweryn, Ferdinand Delius, Johannes Kiefer, Ole Oelbüttel und ich. Wir mussten entscheiden, ob wir im neuen Setup bei Kontora weitermachen oder etwas Eigenes gründen. Das Ergebnis spricht für sich: Wir haben in den vergangenen Jahren hervorragend zusammengearbeitet und wollen das nun in einer inhabergeführten, unabhängigen Struktur fortsetzen.
In welchem Spannungsfeld wart ihr, seit klar wurde, dass Kontora internationalisiert wird?
Landsiedel: Ich war früh eingebunden und wusste schnell, dass das neue Setup für mich nichts sein würde. Das habe ich kommuniziert. Natürlich war das nicht einfach, aber es ist im guten Miteinander auseinandergegangen – wir haben zu lange gut zusammengearbeitet, um jetzt schlecht übereinander zu reden.
Ihr sechs habt gekündigt? Wie ging es dann weiter?
Landsiedel: Ja. Und seit Anfang Oktober sind wir gemeinsam aktiv. Zwei Familien, die von meinem Weggang erfahren hatten, wollten wieder ein inhabergeführtes, lokales Family Office. Seitdem betreuen wir diese beiden Familien operativ. Parallel bauen wir eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) auf. Mit dieser wollen wir für zwei Bankmandate das Immobilienmanagement professionalisieren. So kombinieren wir das klassische Family-Office-Geschäft mit einer KVG, die als verlängerter Arm für institutionelle Investoren oder größere Family Offices agiert und diese unterstützen kann.
Was hat dich an der Internationalisierung gestört?
Landsiedel: Zum einen persönlich: Ich hätte gern als Partner weitergemacht, das war vorgesehen – bis klar wurde, dass der vollständige Verkauf das verhindert. Zum anderen verändert sich mit der Internationalisierung das Geschäftsmodell. Mich interessiert das Modell, bei dem Geschäftsführung und Gesellschafter identisch sind. Diese Unmittelbarkeit und Unabhängigkeit wollten wir wieder herstellen.
Du kennst den Druck im Geschäft – Margenerosion, Regulierung, steigende Kosten. Hast du nicht auch Respekt vor dem, was ihr jetzt aufbaut?
Landsiedel: Natürlich braucht man eine gewisse Größe. Wir starten mit rund 1,25 Milliarden Euro Assets under Management, das trägt den Apparat gut. Wir halten die Struktur schlank und digital, die Kundenbeziehung aber individuell. Prozesse wie Reporting oder Administration wollen wir skalieren und professionalisieren, ohne Nähe zu verlieren.
Die DNA von Kontora liegt im illiquiden Bereich. Gilt das auch für euch?
Landsiedel: Wir decken die gesamte Asset-Klassen-Breite ab, haben aber naturgemäß einen Hang zu Immobilien, weil Ole Oelbüttel dort große Erfahrung mitbringt. Daneben investieren wir in Private Equity, Private Debt und begleiten auch liquide Themen. Unser Ziel ist eine ganzheitliche Betreuung der Vermögen.
Seid ihr unter einem Haftungsdach?
Landsiedel: Nein. Durch die KVG, die wir erwerben, ist dies nicht notwendig. Zudem ermöglicht es uns, externen Kosten gering zu halten, sodass wir unsere Dienstleistungen kompetitiv anbieten können. Aus Governance-Gesichtspunkten ist es unverzichtbar: Wir stehen in der Verantwortung – ohne Wenn und Aber.
Warum eine eigene KVG?
Landsiedel: Weil wir Regulierung als Chance sehen. Wer sie einmal gemeistert hat, profitiert davon. Wir haben die Personen und Lizenzen dafür. Außerdem interpretieren wir regulatorische Themen anders als große Häuser. Bei Kontora kam zum Beispiel das erste geschlossene Sondervermögen Deutschlands aus meiner Feder – diese Gestaltungsfreiheit wollen wir fortführen.
Wir wollen auch anderen Family Offices und institutionellen Anlegern helfen, etwa bei der Strukturierung, dem Investment-Zugang oder beim Reporting. Immer wenn Investementvehikel unter das Investmentsteuergesetz fallen sollen, wird eine Fondsstruktur spannend – und genau das können wir bieten: passgenaue Lösungen, die sich individuell und nahtlos integrieren.
Sind alle Kolleginnen und Kollegen jetzt auf der Partner- und Gesellschafterebene?
Landsiedel: Ja, wir sind sechs Partner. Hinzu kommt eine Angestellte im Vermögenscontrolling, Zum Start sind wir also sieben Personen und werden zum Jahreswechsel noch einen Kollegen für die KVG dazu gewinnen.
Und die sechs Gesellschafter – seid ihr gleichberechtigt beteiligt?
Landsiedel: Nein, die Beteiligungen sind unterschiedlich. Den größten Anteil halte ich, danach folgen Jerome Roeschke und Ole Oelbüttel, die übrigen Partner haben geringere Anteile.
Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?
Landsiedel: Ferdinand Delius verantwortet die Mandantenberatung, Beata Seweryn das Reporting, Jerome Roeschke das Fonds- und Portfoliomanagement, Ole Oelbüttel das Investmentmanagement und Johannes Kiefer das Risikomanagement. So schaffen wir klare Zuständigkeiten und kurze Wege. Alle Personen standen langjährig bereits in diesen Aufgabenbereichen in der fachlichen und disziplinarischen Verantwortung und haben gemeinsam interdisziplinär gearbeitet.
Viele Family Offices kämpfen mit Ertrags- und Kostendruck. Du sprachst vom „gemütlichen Segelboot“. Ist es wirklich so gemütlich?
Landsiedel: Gemütlich insofern, als dass wir keinen externen Druck haben. Unser Setup erlaubt uns, ohne Eigentümerzwang zu agieren. Wir rechnen bereits im zweiten Jahr mit einem positiven Ergebnis – für ein Start-up im Family-Office-Bereich stark. Wachstum ja, aber organisch.
Und jetzt werdet ihr zu sechst erstmals Unternehmer. Wie viel Respekt steckt darin – und wie viel Romantik? Steht ihr freitags schon zusammen in der Küche und kocht?
Landsiedel: (lacht) Noch nicht jeden Freitag, aber tatsächlich kochen wir gelegentlich zusammen. Wir kennen uns seit Jahren, haben in verschiedenen Konstellationen gearbeitet. Trotzdem ist das jetzt ein neues Kapitel, kein „Weiter so“. Es fühlt sich befreiend an – keine Hierarchien, keine endlosen Abstimmungen. Natürlich steckt da auch Romantik drin, aber genau das ist Teil unseres Antriebs: Begeisterung, Eigenverantwortung, Unabhängigkeit.
Ist man da auch demütiger, weil man jetzt alles selbst verantwortet?
Landsiedel: Ja, aber es fühlt sich richtig an. Wir handeln schon lange unternehmerisch, jetzt tun wir es konsequent. Wir treffen Entscheidungen gemeinsam – mit Blick auf Mandanten, Banken und uns selbst. Unser Anspruch: Dienstleistungen auf höchstem Niveau und ein Arbeitsumfeld, das zu uns passt.
Kam nie die Überlegung, sich einem größeren Haus anzuschließen – etwa LGT?
Landsiedel: Wir haben über Joint Ventures gesprochen, uns aber dagegen entschieden. Unser Fokus liegt auf Kapitalverwaltung, Regulierung, Investmentzugang und Reporting – da sind wir stark. Unser Sweet Spot ist die Unabhängigkeit.
Was nimmst du aus deiner Zeit bei Kontora mit?
Landsiedel: Kontora war für uns alle lange einer der besten Orte zum Arbeiten – wegen der Menschen, der Kultur, des Anspruchs. Diese Haltung nehmen wir mit: Unabhängigkeit, Neugier, Exzellenz im Detail.
Kannst du den Verkauf nachvollziehen?
Landsiedel: In Teilen. Solche Entscheidungen sind komplex. Ich verstehe die strategischen Gründe, aber viele fragten sich: „Bin ich in der neuen Struktur noch dabei?“ Das hat manche, auch uns, zum eigenen Schritt bewegt.
Wofür soll das neue Family Office stehen?
Landsiedel: Für Unabhängigkeit, Inhabergeführtsein und höchste Qualität. Wir wollen Vermögensträger umfassend begleiten – von der Strukturierung bis zum Reporting, als Vollmandat oder bei einzelnen Themen.
Wie siehst du den Markt und den Wettbewerb?
Landsiedel: Der Markt verändert sich. Neben klassischen Häusern entstehen viele neue Family Offices, oft für junge Unternehmer. Die Boomer-Generation übergibt, die nächste bringt eigene Vorstellungen mit. Wachstum entsteht über Beziehungen, Vertrauen und Zeit, nicht über Masse.
Macht es die aktuelle Bankenlandschaft Unternehmern wie euch leichter?
Landsiedel: Family Offices sind keine Banken. Natürlich braucht man Banken als Partner für Transaktionen oder Verwahrung, aber sie ticken anders. Banken denken in Quartalen, wir in Generationen. Diese langfristige Perspektive ist unser Vorteil.
Statements der Gesellschafter zur Gründung von Landsiedel & Partner:
Henning Landsiedel, CEO: „Durch die Unabhängigkeit können wir unser Handeln vollständig auf die Interessen der Mandanten fokussieren. Mit einem interdisziplinären Team von ausgewiesenen Experten verfolgen wir das Ziel, die Inhaber komplexer Vermögen mit höchstem Qualitätsanspruch zu unterstützen.“
Ferdinand Delius, Geschäftsführer Family Office: „Jeder Mandant und jedes Vermögen ist individuell. Unser Ziel ist es, diese Individualität in der strategischen Beratung zum Vorteil der Mandanten zu nutzen.“
Ole Oelbüttel, Partner & Investment Management: „Aus den umfangreichen Erfahrungen im Immobilien- und Beteiligungsmanagement können wir passgenau die Bedürfnisse unserer Mandanten selbst auf Einzelinvestitionsebene verfolgen.“
Beata Seweryn, Partnerin & Director Reporting & Controlling: „Qualitätsführerschaft im Reporting & Controlling erreichen wir durch fachliche Expertise, digitale Prozesse und die Nähe zu den Mandanten. Kurzum: Wir tun, was wir lieben, und wir lieben, was wir tun.“
Johannes Kiefer, Partner & Director Risikomanagement: „Jeder Fachbereich wird bei uns durch einen ausgewiesenen Experten eigenverantwortlich geführt. Durch unser vertrauensvolles Teamgefüge sind wir die Problemlöser für unsere Mandanten in allen Belangen ihres Vermögens.“
Jerome Roeschke, Geschäftsführer Fonds & Portfolio Management: „Um individuellen Bedürfnissen von Vermögensträgern nachzukommen, benötigt es Kompetenz, Handlungsschnelligkeit und Präzision.“
Zur Person:
Henning Landsiedel ist Gründer des Multi Family Office Landsiedel & Partner mit Sitz in Hamburg. Landsiedel war zuvor seit Juli 2020 Geschäftsführer Portfoliomanagement der Kontora Kapitalverwaltung (KVG).
