private banking magazin: Herr Hammer, Künstliche Intelligenz ist das dominierende Thema in der Finanzbranche. Viele sehen darin eine Disruption, andere vor allem Hype. Wo steht das Private Banking beim Thema KI – und wo steht Netfonds?
Christian Hammer: Erste Kunden unserer Berater überprüfen ihre Performance bereits durch KI-Modelle und sprechen ihre Berater darauf an – da braucht man die richtigen Antworten. Wir befinden uns mitten im Übergang von der Erprobungsphase in die echte Wertschöpfung. Im Private Banking ging es historisch immer um Vertrauen, persönliche Nähe und maßgeschneiderte Lösungen. KI verändert dieses Paradigma nicht, aber sie verschiebt die Effizienzgrenze massiv. Über unsere Plattform Finfire integrieren wir KI-gestützte Prozesse dort, wo sie den Berater spürbar entlasten: bei der Datenanalyse, der Dokumentation, der Dokumentenverarbeitung und der Vorbereitung komplexer Kundenentscheidungen. Wer KI heute nur als Spielerei abtut, wird in drei bis fünf Jahren im Wettbewerb um anspruchsvolle Mandate das Nachsehen haben.
Das Private Banking lebt von der persönlichen Beziehung zwischen Berater und Mandant. Welcher Teil dieser Beziehung lässt sich überhaupt durch KI unterstützen, ohne dass die menschliche Note verloren geht?
Hammer: Künstliche Intelligenz soll und wird den Berater nicht ersetzen. Aber sie ersetzt die administrative Routine. Denken Sie an die Aufbereitung von Markt- und Portfoliodaten, Compliance-Anforderungen oder die zeitaufwendige Vorbereitung von Jahresgesprächen. Wenn ein Berater dank KI-Unterstützung statt zwei Stunden Vorbereitung nur noch 15 Minuten braucht und dabei tiefere Einblicke in die Depotstruktur erhält, gewinnt er wertvolle Zeit für das, was wirklich zählt: das persönliche Gespräch, das Verständnis für die Lebenssituation des Kunden und die Empathie. KI macht die Vorbereitung präziser und das Gespräch umfassender.
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private banking magazin: Herr Hammer, Künstliche Intelligenz ist das dominierende Thema in der Finanzbranche. Viele sehen darin eine Disruption, andere vor allem Hype. Wo steht das Private Banking beim Thema KI – und wo steht Netfonds?
Christian Hammer: Erste Kunden unserer Berater überprüfen ihre Performance bereits durch KI-Modelle und sprechen ihre Berater darauf an – da braucht man die richtigen Antworten. Wir befinden uns mitten im Übergang von der Erprobungsphase in die echte Wertschöpfung. Im Private Banking ging es historisch immer um Vertrauen, persönliche Nähe und maßgeschneiderte Lösungen. KI verändert dieses Paradigma nicht, aber sie verschiebt die Effizienzgrenze massiv. Über unsere Plattform Finfire integrieren wir KI-gestützte Prozesse dort, wo sie den Berater spürbar entlasten: bei der Datenanalyse, der Dokumentation, der Dokumentenverarbeitung und der Vorbereitung komplexer Kundenentscheidungen. Wer KI heute nur als Spielerei abtut, wird in drei bis fünf Jahren im Wettbewerb um anspruchsvolle Mandate das Nachsehen haben.
Das Private Banking lebt von der persönlichen Beziehung zwischen Berater und Mandant. Welcher Teil dieser Beziehung lässt sich überhaupt durch KI unterstützen, ohne dass die menschliche Note verloren geht?
Hammer: Künstliche Intelligenz soll und wird den Berater nicht ersetzen. Aber sie ersetzt die administrative Routine. Denken Sie an die Aufbereitung von Markt- und Portfoliodaten, Compliance-Anforderungen oder die zeitaufwendige Vorbereitung von Jahresgesprächen. Wenn ein Berater dank KI-Unterstützung statt zwei Stunden Vorbereitung nur noch 15 Minuten braucht und dabei tiefere Einblicke in die Depotstruktur erhält, gewinnt er wertvolle Zeit für das, was wirklich zählt: das persönliche Gespräch, das Verständnis für die Lebenssituation des Kunden und die Empathie. KI macht die Vorbereitung präziser und das Gespräch umfassender.
Welche konkreten KI-Anwendungsfälle sehen Sie derzeit bei den Partnern und Family Offices im Netfonds-Netzwerk?
Hammer: Die KI unterstützt datenschutzkonform bei der Erstellung von Schriftstücken und E-Mails – passgenau zugeschnitten auf die jeweilige Kundensituation. Das reicht von der hochgradig personalisierten Einzelkundenansprache bis hin zum individuellen Massenversand, bei dem jeder Kunde eine auf seine Anlagestruktur und Lebenssituation abgestimmte Botschaft erhält. Ergänzt wird das durch den Beratungsalltag selbst: Die automatische Aufzeichnung und Strukturierung von Kundengesprächen spart Zeit und sorgt für Rechtssicherheit.
Daraus leitet die KI die Aufgabenverwaltung ab – von Folgeaktivitäten über die Wiedervorlage bis zur Vorbereitung künftiger Gespräche. Einen großen Mehrwert schafft das Auswerten der oft komplexen Kundendaten: Die KI fügt Informationen aus unterschiedlichsten Quellen in Sekundenschnelle zu einer klaren Gesamtübersicht zusammen. Berater sehen sofort, wo Handlungsbedarf, Potenziale oder Risiken liegen. Wichtig ist dabei die richtige Infrastruktur und der Einsatz umfangreicher eigener Datenquellen, damit ein stabiles Ergebnis entsteht und es nicht zu Halluzinationen kommt.
Gerade im Wealth Management und Private Banking spielen Datenschutz, Berufsgeheimnis und Compliance eine herausragende Rolle. Wie bewältigt Netfonds das Spannungsfeld zwischen Innovation und Regulierung?
Hammer: Das ist die Gretchenfrage. Ein Berater kann nicht einfach Daten seiner vermögenden Kunden in öffentliche KI-Modelle einspeisen. Als Netfonds-Gruppe ist es unsere Pflicht, eine sichere und DSGVO-konforme Infrastruktur zu bieten. Wir setzen auf geschlossene Systemarchitekturen und europäische Server-Infrastrukturen. Die KI arbeitet innerhalb unserer geschützten Plattform finfire, und die Berater können hier sicher mit Kundendaten arbeiten. Es hat uns zwei Jahre gekostet, diese Systemarchitektur cloudbasiert aufzubauen. Damit stellen wir sicher, dass die Datenhoheit lückenlos bei den Beratern und ihren Kunden bleibt. Innovation darf niemals auf Kosten der Sicherheit gehen - erst recht nicht im Private Banking.
Netfonds versteht sich als Technologie- und Abwicklungspartner für unabhängige Vermögensverwalter und Berater. Wie unterscheidet sich Ihr Plattformansatz von dem klassischer Großbanken?
Hammer: Großbanken kämpfen häufig mit starren Legacy-Systemen und Silodenken. Wir bieten ein offenes Ökosystem. Unabhängige Berater wollen und müssen agil agieren. Mit finfire geben wir ihnen ein Werkzeug an die Hand, das die Konsolidierung über verschiedene Depotbanken hinweg erlaubt, Prozesse automatisiert und nun Schritt für Schritt mit KI-Komponenten angereichert wird. Wir nehmen dem Berater die Komplexität der Abwicklung und Regulierung ab.
Blicken wir drei bis fünf Jahre voraus: Wie wird sich das Berufsbild des Private Bankers durch den technologischen Wandel verändern?
Hammer: Die reine Datenanalyse und die Standard-Allokation werden vollständig digitalisiert sein. Der Mehrwert des Beraters liegt künftig in der strategischen Sparringspartnerschaft, der emotionalen Führung in volatilen Marktphasen und der komplexen Strukturierung – Stichwort Nachfolgeplanung, Family-Office-Dienstleistungen und Stiftungsvermögen. Die Formel lautet: High-Tech für die Prozesse, High-Touch für die Kundenbeziehung.
Über den Interviewten
Christian Hammer ist seit Januar 2026 im Vorstand von Netfonds. Zuvor war er über zwei Jahrzehnte für die Konzerntochter NFS Netfonds Financial Service tätig – seit 2012 als Geschäftsführer, davor als Bereichsleiter Investment und Vertriebsleiter.
Über Netfonds
Netfonds betreibt unter der Marke Finfire eine cloudbasierte Plattform für Administration, Beratung und Regulierung, die sich an Vermögensverwalter, Finanzberater, Fondsgesellschaften und Spezialbanken richtet. Zum 31. Dezember 2025 wurden über Finfire rund 31,5 Milliarden Euro administriert, davon etwa 5 Milliarden Euro als eigenes verwaltetes Vermögen in Vermögensverwaltung und Fondsmanagement. Der Brutto-Konzernumsatz stieg 2025 um gut 16 Prozent auf 275,9 Millionen Euro. Die im Freiverkehr (m:access, Börse München) notierte Gesellschaft wird derzeit vom Finanzinvestor Warburg Pincus übernommen; im Zuge des für Ende 2026 geplanten Vollzugs soll die Aktie vom Handel genommen werden.
