Mitgliederumfrage der DVFA Kryptowährungen als Geldanlage ungeeignet

Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Von Notenbanken unabhängige Kryptowährungen halten 64 Prozent der Teilnehmer einer DVFA-Umfrage für eine Fehlentwicklung. Foto: imago images / blickwinkel

Deutsche Finanzmarktspezialisten stehen Kryptowährungen offen gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) unter ihren Mitgliedern. Der Berufsverband hat seine Mitglieder befragt, wie sie zum Einsatz von Kryptowährungen und digitaler Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs) stehen.

Die Befragung lieferte laut DVFA ein geteiltes Bild, das einerseits von grundsätzlicher Offenheit für die neue digitale Technik und die sich bietenden Möglichkeiten zeuge, andererseits aber auch von Vorsicht vor allem hinsichtlich der Sicherheit und der Folgen. Wie der Verband mit Sitz in Frankfurt am Main berichtet, steht die Mehrheit der Befragten Kryptowährungen als Zahlungsmittel grundsätzlich skeptisch gegenüber. Nur jeder Fünfte (22 Prozent) hält sie nicht für geeignet, 38 Prozent für eher nicht, 13 Prozent nehmen eine neutrale Haltung ein. Noch deutlicher ist die Zurückhaltung hinsichtlich der Eignung von Kryptowährungen als Geldanlage. 35 Prozent halten sie nicht, 40 Prozent für eher nicht geeignet. 10 Prozent sind unentschlossen.

Im Rahmen der Umfrage konnten die Finanzprofis Kommentare abgeben. Die Anmerkungen verweisen laut DVFA immer wieder auf Sicherheitsbedenken („Hacking“), fehlende Kontrolle durch Zentralbanken und intrasparente oder fragwürdige Volatilität etlicher Kryptowährungen. Allerdings argumentierten die Finanzprofis auch, dass die betreffenden Währungen ein Baustein für die langfristige Geldanlage innerhalb eines Portfolios sein könnten.

Trotz Skepsis: Blockchain-Technik von großer Bedeutung

Danach gefragt, ob sie der Aussage zustimmten, dass die den meisten Kryptowährungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie zu den wichtigsten Entwicklungen der zurückliegenden 20 Jahre für das Finanzwesen zähle, stimmten 15 Prozent mit ja, 37 Prozent mit eher ja. Neutral stehen der Aussage 23 Prozent der Umfrageteilnehmer gegenüber. Mit eher nein stimmten 14 Prozent. 11 Prozent antworteten mit nein. Negativ kommentierten sie mehrfach den hohen Stromverbrauch der Blockchain-Technik. Außerdem wiesen sie auf Fragen des Datenschutzes hin sowie Möglichkeiten des Missbrauchs.

Eine Mehrheit von 62 Prozent der DVFA-Mitglieder betrachtet digitale Währungen der Zentralbanken als sinnvolle Entwicklung. Mehr als jeder dritte Akteur (38 Prozent) sieht in der Ausgabe von digitalen Währungen durch Zentralbanken eine Fehlentwicklung. Von Notenbanken unabhängige Kryptowährungen, wie etwa Facebooks Libra, halten umgekehrt 64 Prozent für eine Fehlentwicklung, während 36 Prozent darin eine sinnvolle Entwicklung sehen.

Digitalwährungen als Systemwechsel

In ihren Kommentaren argumentierten die Finanzprofis einerseits, dass die von Notenbanken begebenen digitalen Währungen der Einstieg in ein Vollgeld-System seien. Dessen Einführung bedürfe aber einer grundsätzlichen Diskussion und einer richtungsweisenden Entscheidung, weil sie einen Systemwechsel darstelle. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage gestellt nach der Notwendigkeit einer solchen zusätzlichen Währung neben dem schon vorhandenen Buchgeld (auch Giral- und Geschäftsbankengeld). 

Mehrfach äußerten die Befragten Bedenken, dass eine zusätzliche digitale Währung durch die Notenbanken die wichtige Geldmengenkontrolle erschwere. Mehrere DVFA-Mitglieder sehen die Unabhängigkeit einer Kryptowährung von Zentralbanken als wesentlich an und lehnen deshalb die Ausgabe von CBDCs durch Notenbanken ab.

Auch wurde gegen CBDCs argumentiert, weil die Einführung von digitalem Notenbank-Geld Bargeld weiter zurückdränge und die Kontrollierbarkeit der Bürger befördere. In eine andere Richtung weisen Kommentare, die die Stabilität der geldpolitischen Instrumente der Zentralbanken durch notenbankunabhängige Kryptowährungen gefährdet sehen.

Kaum eigene Investments in Krypotwährungen

Hinsichtlich ihrer persönlichen Investments in Kryptowährungen zeigten sich die DVFA-Mitglieder sehr zurückhaltend. Auf die Frage, ob sie bereits in Kryptowährungen investieren oder planen innerhalb der nächsten zwölf Monate in solche zu investieren, antworteten 68 Prozent mit nein, 10 Prozent mit eher nein, noch 7 Prozent standen der Frage neutral gegenüber. Bei lediglich 14 Prozent war die Antwort ja/eher ja.