Wer nach den ertragsreichsten Anlagen der vergangenen Jahre sucht, landet schnell bei Kryptowährungen. Im September 2023, also vor knapp zwei Jahren, konnten Anleger einen Solana noch für rund 16,50 Euro kaufen. Bis Januar dieses Jahres kletterte der Kurs auf über 230 Euro. Einen Bitcoin gab es Anfang 2023 noch für unter 16.000 Euro. Unlängst erreichte er seinen historischen Höchststand bei knapp 106.000 Euro. In Dollar gerechnet überstieg er erstmals die Marke von 120.000 Dollar.
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Wer nach den ertragsreichsten Anlagen der vergangenen Jahre sucht, landet schnell bei Kryptowährungen. Im September 2023, also vor knapp zwei Jahren, konnten Anleger einen Solana noch für rund 16,50 Euro kaufen. Bis Januar dieses Jahres kletterte der Kurs auf über 230 Euro. Einen Bitcoin gab es Anfang 2023 noch für unter 16.000 Euro. Unlängst erreichte er seinen historischen Höchststand bei knapp 106.000 Euro. In Dollar gerechnet überstieg er erstmals die Marke von 120.000 Dollar.
Allerdings, und das mag überraschen, ist die reine Spekulation auf spektakuläre Kursgewinne längst nicht mehr der alleinige Grund, um Kryptowährungen dem Portfolio beizumischen. Laut einer Umfrage von Bitpanda Technology Solutions zusammen mit Zeb Consulting unter 10.000 Anlegern in 13 europäischen Ländern legen inzwischen 43 Prozent der befragten Investoren ihr Geld dort aus strategischen Gründen an – und zwar um an den langfristigen Wachstumssichten teilzuhaben und das Portfolio besser zu diversifizieren.
Wie sich eine kleine Beimischung von Bitcoin und Ethereum im Portfolio auswirkt, haben die Experten der Schweizer Privatbank Maerki Baumann nachgerechnet. Wer im Dezember 2019 jeweils ein Prozent seines breit diversifizierten Portfolios in Bitcoin und Ethereum investierte, kam bis Mitte 2025 auf eine Gesamtrendite von 35,95 Prozent. Ohne die Krypto-Beimischung lag die Rendite für den gleichen Zeitraum bei 24,23 Prozent. Doch wirklich überraschend ist der Blick auf die Volatilität: Sie beträgt beim Portfolio mit Kryptowährungen annualisiert 10,12 Prozent, ohne diese Beimischung sind es 9,79 Prozent – also unwesentlich weniger.
Bitcoin als Wertspeicher
„Das heißt, dass eine kleine Beimischung sorgfältig ausgewählter Krypto-Assets das Renditepotenzial deutlich steigern kann – und das, ohne die Volatilität und damit das Portfoliorisiko nennenswert zu erhöhen“, beschreibt Pascal Hügli, Crypto Investment Manager bei Maerki Baumann, das Ergebnis. Allerdings nur, wenn Anleger ein regelmäßiges Rebalancing durchführen, um die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklassen sicherzustellen. Doch ist das nicht der einzige strategische Grund für ein Investment. „Viele nutzen insbesondere den Bitcoin auch als Wertspeicher“, hat Carsten Mumm, Chefvolkswirt von Donner & Reuschel, festgestellt.
Der Gedanke dahinter: „Beim Fiat-Money, also bei US-Dollar oder Euro, ist eine gewisse Inflation und damit ein Kaufkraftverlust systemimmanent“, sagt der Experte. „Schließlich besteht in Zeiten hoher Inflation, steigender Staatsschulden und der aktuellen Diskussionen um die Unabhängigkeit der Geldpolitik die Gefahr, dass Staatsschulden monetarisiert werden.“ Dagegen sei die Anzahl der Bitcoins begrenzt. „Und wir haben ein technologisch abgesichertes Protokoll, das nicht von heute auf morgen verändert werden kann, und eben keine Zentralinstanz und damit kann der Bitcoin – ähnlich wie Gold – eine Funktion als langfristiger Wertspeicher einnehmen“, so Mumm.
Neben diesen strategischen Investitionsgründen sprechen die Wachstumsaussichten für ein Investment. Nachdem Anfang 2024 erstmals Bitcoin-ETFs in den USA zugelassen wurden, folgte zuletzt mit dem Genius Act ein weiterer Schritt in Richtung der Etablierung von Bitcoin & Co. als eigene Anlageklasse. Der Genius Act ist das erste umfassende Regelwerk in den USA für Stablecoins, also für Kryptowährungen, die an einen Vermögenswert wie den Dollar gekoppelt sind.
Das Gesetz verbessert laut der Bank Sarasin den Verbraucherschutz, soll die Rolle des US-Dollar als globale Reservewährung stärken und die USA zu einem globalen Zentrum für Innovationen im Bereich digitaler Vermögenswerte machen. In China werden ähnliche Schritte geprüft, während im Euroraum die MiCAR-Verordnung diesen Bereich regulieren.
Raus aus der Nische
Tatsächlich wird ein klarer regulatorischer Rahmen von vielen Marktteilnehmern als entscheidend erachtet, um die Akzeptanz von Kryptowährungen weiter zu steigern. All dies scheint dazu beizutragen, dass sich Kryptowährungen für Investoren zunehmend vom Nischenthema zum Mainstream entwickeln. „Sie haben sich als innovativer Bestandteil der digitalen Finanzwelt entwickelt und eröffnen neue Möglichkeiten für Investments“, meint Frederic Meyer, Blockchain-Experte beim Branchenverband Bitkom. Besonders technologieaffine Menschen und Anlegerinnen und Anleger, die Innovationen aktiv nutzen möchten, zeigen sich seiner Ansicht nach offen für diese neuen Formen der Geldanlage.
Das passt auch zu den Ergebnisse der Bitpanda-Umfrage: Demnach hat bereits jeder siebte Privatinvestor in Krypto-Assets investiert, also etwas mehr als 14 Prozent. Zugleich planen zwölf Prozent den Einstieg. Besonders interessant: Bei vermögenden Investoren liegt der Anteil derer, die bereits Krypto halten oder es vorhaben, laut der Umfrage sogar bei 50 Prozent. Das deckt sich mit der Beobachtung der Banken.
So sieht Daniel Sauerzapf von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe nicht nur ein allgemein steigendes Interesse. „Wir stellen auch fest, dass viele unserer Kunden bereits kleinere Investitionen getätigt haben“, sagt er. Und das scheint vor allem für jüngere Anleger, die NextGen, zu gelten. „Gerade für diese Kundengruppe spielt diese Überlegung eine immer größere Rolle“, so Sauerzapf. „Nach Aktien, Immobilien und Private Equity kommt für sie schon die Anlage in Kryptowährungen.“
Deutsche Banken noch im Wartemodus
Dennoch sind die Banken in dem Bereich – noch – zurückhaltend. Europäische Finanzinstitute, so eine weitere Erkenntnis der Bitpanda-Studie, unterschätzen die Nachfrage von Unternehmen und Privatanlegern nach Kryptowährungen. So gehen die befragten Finanzinstitute davon aus, dass nur 19 Prozent ihrer Kunden ein starkes Interesse an Kryptowährungen haben. Damit unterschätzen sie das tatsächliche Marktpotenzial bei Privatanlegern um mehr als 30 Prozent – eine erhebliche Diskrepanz und zugleich eine strategische Chance für Banken, die auf den Trend reagieren.
Doch noch steckt dieser Bereich hierzulande in den Kinderschuhen. Etliche Privatbanken gaben auf Anfrage an, im Private Banking noch keinen aktiven Beratungsansatz zu verfolgen. Das gilt zum Beispiel auch für Hauck Aufhäuser Lampe. „Damit Kryptowährungen zu einer eigenständigen Assetklasse werden, braucht es vor allem eine ausgereifte Infrastruktur und eine professionelle Verwahrung“, sagt Sauerzapf und meint weiter: „Kryptowährungen sind zudem noch sehr volatil. Aus diesen Gründen sind sie derzeit noch kein Bestandteil unserer Vermögensverwaltung.“
Auch bei Donner & Reuschel ist man zurückhaltend. „Das ist eine völlig neue Assetklasse mit eigenen Charakteristika und Chancen und Risiken“, sagt Mumm. „Das im Rahmen des bestehenden regulatorischen Rahmens sicher zu beraten, ist nicht ganz einfach. Deshalb ist Vorsicht bei der Auseinandersetzung mit dem Thema angebracht.“
Aspekt Sicherheit und Gesamtdepotüberblick
Jedoch ist in der Europäischen Union (EU) seit Anfang dieses Jahres die „Markets in Crypto-Assets Regulation“, kurz Micar genannt, in Kraft. Sie soll einen einheitlichen Regulierungsrahmen für Kryptowerte schaffen, den Anlegerschutz verbessern, die Stabilität des Finanzsystems gewährleisten und Innovationen in diesem Bereich fördern. „Man hat dabei grob gesagt die Mifid-Regelungen genommen und auf den Kryptobereich übertragen“, erklärt Philipp Hendel, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei DRRP Rechtsanwälte. „Und damit ist es ein sehr komplexes Thema, bei dem es – ähnlich wie bei Mifid – eine Vielzahl an Anforderungen an die Beratung von Kunden gibt.“
Nach Ansicht von Daniel Sauerzapf lässt Micar zum Beispiel wesentliche praktische Aspekte offen. „Konkret betrifft dies drei Bereiche: die erforderliche Blockchain-Technologie und die entsprechende Infrastruktur, neue Compliance-Anforderungen sowie das Risikomanagement einer hochvolatilen Assetklasse, die damit noch konträr zu den Grundprinzipien der Vermögensverwaltung ausgerichtet ist“, sagt er.
Dazu kommt, dass es bis zum 31. Dezember dieses Jahres nur für diejenigen, die bereits vor dem Inkrafttreten der Micar zu Kryptowerten beraten haben, eine Übergangsfrist gibt, in der die Erlaubnis zur Krypto-Beratung vereinfacht beantragt werden kann und in der bis dahin noch die Mifid-Erlaubnis auch für die Krypto-Beratung genügt.
Komplexe Regulierung und mangelnde technische Voraussetzung
Dies und die Komplexität sind nach Ansicht von Philipp Hendel die Gründe, warum die Beratung zu Kryptowährungen im Private Banking hierzulande noch kaum vorhanden ist. Dazu kommt das Infrastrukturthema. „Um einen sicheren Ablauf, vom Erwerb bis zur Verwahrung, zu gewährleisten, braucht es auch eine Vielzahl technischer Voraussetzungen“, sagt der Experte weiter. „Auch das braucht seine Zeit.“ Und letztlich ist damit ein enormer zeitlicher und finanzieller Aufwand verbunden. „Jedes Finanzinstitut muss also kritisch prüfen, ob sich das unter dem Strich auszahlt, also ob es genug Interesse von Seiten der eigenen Klientel gibt.“
Private-Banking-Kunden, die dennoch direkt in Bitcoin oder andere Kryptowährungen investieren wollen, kommen also in den meisten Fällen um ein Wallet bei einem externen Anbieter nicht herum. Dabei hätte der Erwerb und die Verwahrung von Kryptowährungen bei einer Bank erhebliche Vorteile.
Zum einen entfällt bei der Verwahrung von Kryptowährungen bei einer Bank für den Kunden die komplexe und oft risikobehaftete Aufgabe, die Zugangsdaten zu einem Wallet selbst zu verwalten. Tatsächlich haben viele Beispiele gezeigt, dass ein Wallet bei einer Kryptobörse gewissen Risiken unterliegt – vom Verlust der Zugangsdaten bis hin zum Betrug. Außerdem können die bei der Bank gehaltenen Kryptowährungen nahtlos in der Portfolioübersicht angezeigt werden, was eine – im Private Banking in der Regel wünschenswerte – ganzheitliche Sicht auf die Vermögenswerte ermöglicht.
Alternative Anlagemöglichkeiten für Private-Banking-Kunden
Die Schweizer Banken scheinen hier etwas weiter zu sein. Bei Maerki Baumann zum Beispiel hat man auf den steigenden Bedarf reagiert und verschiedene Möglichkeiten geschaffen, in Bitcoin und Co. zu investieren. Für Kunden aus Deutschland, die aus regulatorischen Gründen in der Schweiz keine Direktanlagen in digitale Vermögenswerte tätigen dürfen, gibt es dort zwei Alternativen. „Zum einen haben wir das Archip Crypto Certificate geschaffen, das von uns verwaltet wird“, erklärt Hügli, „und mit dem man an der Kursentwicklung von Krypto-Anlagen wie Bitcoin oder Ethereum teilhaben kann, ohne direkt zu investieren.“
Zum andern können deutsche Kunden in das Strategiemodul Plus investieren. „Dieses folgt der strategischen und taktischen Vermögensallokation der Bank unter Einbeziehung von Krypto-Assets – ebenfalls ohne Direktanlagen – und erlaubt es, das Rendite-Risiko-Profil der Anlagestrategie laufend zu optimieren“, so Hügli weiter. Die beste Alternative für die meisten Private-Banking-Kunden hierzulande dürfte ein Investment über einen Exchange Traded Commodity (ETC) auf Bitcoin & Co. derzeit sein. „Denn da es Finanzinstrumente sind, fallen sie nicht unter Micar“, informiert Hendel. Zwar ist dies kein direktes Investment, zumindest aber ist damit eine Darstellung des Gesamtportfolios inklusive Kryptowährungen möglich.
Angesichts der skizzierten Aussichten für Kryptowährungen, der Vorteile einer strategischen Beimischung und der Verwahrung bei der eigenen Bank, müssen sich die Kreditinstitute hierzulande dieser neuen Anlageklasse dringend weiter öffnen. Deshalb erscheint eine stärkere Integration von Kryptowährungen in die strategische Beratung im Private Banking entscheidend. „Ohne Frage halten wir es perspektivisch für eine Vermögensverwaltung für wichtig, die Entwicklung zu beobachten und auf Chancen zu prüfen“, so das Fazit von Daniel Sauerzapf.
Über den Autor:
Gerd Hübner bildet zusammen mit Heino Reents und Dirk Wohleb ein Autorenteam für das private banking magazin. Hübner ist seit 1998 als freier Finanzjournalist für diverse Zeitungen, Zeitschriften sowie Online-Medien in Deutschland tätig und arbeitet zudem als Investment Writer für Banken, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften.