Rund um den im Jahr 2008 ins Leben gerufenen Bitcoin ranken sich viele Mythen und Geschichten. Zum Beispiel die um den Gründer Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute nicht endgültig geklärt ist. Oder der Pizza-Deal, als ein Programmierer 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen zahlte – heute hat das einen Gegenwert von 810 Millionen Dollar. Es waren wohl die teuersten Pizzen aller Zeiten. Oder natürlich die spektakuläre Wertentwicklung. Vor zehn Jahren gab es einen Bitcoin noch für rund 530 Dollar, heute steht der Kurs 152mal so hoch.
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Rund um den im Jahr 2008 ins Leben gerufenen Bitcoin ranken sich viele Mythen und Geschichten. Zum Beispiel die um den Gründer Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute nicht endgültig geklärt ist. Oder der Pizza-Deal, als ein Programmierer 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen zahlte – heute hat das einen Gegenwert von 810 Millionen Dollar. Es waren wohl die teuersten Pizzen aller Zeiten. Oder natürlich die spektakuläre Wertentwicklung. Vor zehn Jahren gab es einen Bitcoin noch für rund 530 Dollar, heute steht der Kurs 152mal so hoch.
Und vielleicht auch bemerkenswert: Ursprünglich wurde der Bitcoin als alternatives Zahlungsmittel konzipiert. Hier hat er sich allerdings noch nicht durchsetzen können. Laut einer Umfrage von Bearing Point haben zwar mehr als 90 Prozent der Bundesbürger schon einmal vom Bitcoin gehört, bezahlen würden damit aber nur rund 15 Prozent der Befragten.
Dafür halten laut der Bearing-Point-Umfrage fast 30 Prozent Kryptowährungen für eine geeignete Anlageform. Und tatsächlich scheint das Interesse der Anleger zuzunehmen. Laut den Consumer Insights des Statistikportals Statista haben inzwischen 14 bis 16 Prozent der befragten Erwachsenen hierzulande schon einmal in eine Kryptowährung investiert. Bis vor Kurzem waren es noch elf bis 13 Prozent.
Buy-and-hold bei Kryptowährungen beliebt
Allerdings gibt es Unterschiede nach den Generationen: Laut einer aktuellen Anlagerstudie von Gothaer legen 19 Prozent der unter 30-jährigen ihr Geld in Bitcoin und Co. an. Bei den über 60-Jährigen sind es lediglich zwei Prozent. Noch interessanter: Auch wenn dieser Anlageklasse ein gewisser Zockerruf anhaftet, gemäß dem Crypto Survey 2025 von PwC verfolgen 50 Prozent der Anleger mit Bitcoin und Co. eine Buy-and-hold-Strategie. Etwa 37 Prozent wollen damit Day Trading betreiben und 27 Prozent nannten sogar das Staking, also die Entlohnung für den Verleih einer gehaltenen Kryptowährung, als die Anlagestrategie hinter ihrem Investment.
„Tatsächlich nimmt der Einfluss der Anleger, die in Bitcoin investieren und ihn langfristig halten, zu, was zu einer geringeren impliziten Volatilität führt“, sagt Jannick Broering von der Digital Asset Boutique Teroxx. Das wiederum macht die noch jungen Anlageklasse auch zunehmend für institutionelle Anleger interessant. Ein Meilenstein für den Bitcoin war dabei auch die Zulassung der ersten Exchange Traded Funds (ETFs) Anfang 2024.
„Dieser Schritt der US-Börsenaufsicht SEC hat geholfen, Krypto-Assets in den Mainstream zu tragen und dazu geführt, dass gerade auch institutionelle Investoren eingestiegen sind“, erklärt Jonathan Osswald, Analyst bei der DZ Bank. Heute verwalten die damals eingeführten Exchange Traded Funds auf den Bitcoin US-Medien zufolge rund 100 Milliarden Dollar. Ebenfalls wichtig, für die Etablierung von Bitcoin und Co. ist auch ein verbindlicher Rechtsrahmen, der in Europa mit der Mica-Verordnung geschaffen wurde.
Renditechance als wichtigstes Investmentmotiv
Das wichtigste Motiv, warum immer mehr Anleger Kryptowährungen auf dem Schirm haben und dort investieren wollen, ist dabei gut nachvollziehbar: die Renditechance. „Viele Kunden“, stellt Ortay Gelen von der Axia Asset Management fest, „haben die Entwicklung des Bitcoin in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren verfolgt und möchten zumindest einen kleinen Teil dieser Dynamik nicht mehr verpassen.“
Ähnlich sieht das Analyst Osswald: „Die Angst etwas zu verpassen, die FOMO oder die Fear of missing out, ist groß.“ Immerhin liegt der Bitcoin auf Sicht von drei Jahren, trotz des starken Kursrückgangs im vergangenen Jahr, noch mit über 170 Prozent im Plus. Und auch zuletzt hat er sich während des Iran-Kriegs gut gehalten.
Ein weiteres wichtiges Argument für eine Beimischung von Kryptowährungen: Diversifikation. „Gerade nach dem Schock der Zinsnormalisierung im Jahr 2022, als Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck gerieten, suchen viele Anleger nach Anlageklassen mit echter Dekorrelation“, hat Gelen beobachtet.
„Kryptowährungen – allen voran Bitcoin – weisen langfristig eine geringe Korrelation zu klassischen Assetklassen auf, auch wenn diese in Stressphasen kurzfristig ansteigen kann“, erklärt Broering. Tatsächlich ist die langfristige Korrelation des Bitcoin zu Aktien und Anleihen ist in der Tat überraschend gering. „Seit 2015 liegt sie gegenüber Aktien bei 36 Prozent und gegenüber Anleihen bei 14 Prozent.“
Renditesteigerung bei kaum veränderter Portfoliostruktur
Aufgrund der gleichzeitig sehr guten Wertentwicklung der führenden Kryptowährung kann eine kleine Beimischung das Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios verbessern. Konkret: Eine Beimischung des Bitcoin von fünf Prozent zu einem 70/30-Portfolio führte zwischen Mitte 2015 und Mitte 2025 zwar laut der Berechnung von Teroxx zu einer leicht erhöhten Volatilität des Portfolios um etwas mehr als einen Prozentpunkt pro Jahr insgesamt.
Jedoch verbesserte sich die Rendite von 6,9 auf 10,7 Prozent pro Jahr. „Das heißt, dass eine solche Allokation die jährliche Rendite um fast 400 Basispunkte erhöhte, während die Struktur des Portfolios weitgehend unverändert bleibt“, erklärt Broering. „Der maximale Drawdown stieg nur geringfügig an, während sich die Sharpe-Ratio verbesserte.“
Allerdings funktioniert dies nur, wenn man immer wieder ein Rebalancing des Portfolios durchführt. Denn wenn die Beimischung höher ist, braucht man stärkere Nerven, weil die Volatilität stärker auf das Portfolio durchschlägt. Eine Allokation von zehn Prozent bedeutete laut Teroxx zwar eine Rendite von fast 14,5 Prozent pro Jahr, die Volatilität lag dann jedoch bei 14,3 Prozent und der Maximum Drawdown betrug 27 Prozent.
Ein weiteres Motiv, das zumindest für den Bitcoin gilt, ist nach Ansicht von Carsten Mumm, Chefvolkswirt von Donner & Reuschel die Werthaltigkeit. „Ich gehe davon aus, dass die Anzahl derjenigen, die von einer steigenden Nachfrage bei begrenztem Angebot und damit von früher oder später weiter steigenden Preisen ausgehen, noch zunehmen dürfte“, sagt er mit Blick auf die begrenzte Anzahl an Bitcoins auf 21 Millionen Stück.
Sorge um die Stabilität von Papiergeld
Doch ist die Werthaltigkeit ein Argument, das über die bloße Teilhabe an der Wertentwicklung hinausgeht. „Wer lediglich dem Kurs folgen möchte, dem genügt ein Investment über ein Zertifikat oder einen Exchange Traded Commodity“, erklärt Osswald. Es gibt aber ein Motiv, das die Nachfrage nach echten Bitcoins antreibt: die Finanzautonomie.
„Bitcoin ist digitales, weltweit einsetzbares Geld, das nicht zensiert werden kann“, so der DZ-Bank-Analyst. Ähnliche Motive stellen auch andere Experten fest. „Vermögendere Kunden sehen Bitcoin als digitales Gold, als Absicherung gegen fiskalische Exzesse, Währungsentwertung und die langfristige Erosion der Kaufkraft von Fiat Money“, sagt Gelen.
Diese Beobachtung bestätigt auch Broering. „Ich erlebe es durchaus, dass sich vermögende Kunden aufgrund von Inflation und des unlimitierten Gelddruckens Sorgen um die Werthaltigkeit von Fiat-Währungen machen“, sagt er.
Dazu kommt noch ein Argument, weshalb manche Anleger den direkten Zugang zu Bitcoin oder Ether über regulierte Verwahrdienstleister oder spezialisierte Krypto-Broker gegenüber indirekten Vehikeln wie ETCs oder Aktien von Kryptounternehmen bevorzugen: „Der Kunde partizipiert unmittelbar an der Wertentwicklung des Basiswerts, ohne Emittentenrisiken oder konstruktionsbedingte Tracking-Differenzen in Kauf nehmen zu müssen“, so Gelen.
Direkter Zugang über Banken weiter schwierig
Anderen Bitcoin-Investoren geht es vor allem darum, das mal auszuprobieren und zu schauen, was dabei rauskommt. „Da sind Überlegungen zur Kursentwicklung gar nicht so entscheidend“, sagt Broering, „sondern es geht vielmehr darum, mitreden zu können.“ Das geht aber nur, wenn man direkt investiert. Jedoch bietet kaum eine Bank in Deutschland bislang direkte Investments in den Bitcoin oder eine andere Kryptowährung an.
Zumindest geplant ist dies bei den Sparkassen. Hier soll es, etwa ab Herbst, ein allgemeines Krypto-Angebot für Selbstentscheider geben. Das heißt, alle Kunden der Sparkassengruppe sollen dann über die Sparkassen-App direkten Zugang zu einer Auswahl an Kryptowährungen erhalten. Schon etwas weiter sind die Volks- und Raiffeisenbanken. Seit Anfang Mai bietet die erste Volksbank den Handel mit Kryptowährungen für Selbstentscheider an. Weitere Banken der genossenschaftlichen Finanzgruppe sollen bald folgen.
Wer bei seiner Bank keinen direkten Zugang zu Kryptowährungen hat, der muss zu einer Kryptobörse. Dabei gibt es allerdings einen Nachteil: Verliert jemand seinen Private Key, dann können die Bitcoins für immer verloren sein.
Unwahrscheinlich? Zwar gibt es keine genauen Zahlen, aber Schätzungen gehen von drei bis vier Millionen verlorenen Bitcoins aus, manche auch von fünf bis sechs Millionen, weil Nutzer ihre privaten Schlüssel vergessen oder die Festplatte weggeworfen haben, wie James Howells, bei dem es um 7.500 Bitcoins ging – heute ein Gegenwert von rund 612 Millionen Dollar. „Bei der Bank haben Kunden den Vorteil, dass sie bei Problemen mit dem Zugang ihre Wallet wiederherstellen können. Dieser Service existiert bei selbstverwalteten Kryptowerten nicht“, sagt Osswald.
Externe Dienstleister als Alternative
Eine andere Alternative sind Dienstleister wie Teroxx. „Da wir nach Micar lizenziert sind, können wir vermögende private Kunden sowie institutionelle Anleger bei der Anlage in digitale Vermögenswerte beraten“, erläutert Broering. „Kunden können dabei direkt zu uns kommen, wir arbeiten aber auch mit Vermögensverwaltern zusammen.“
Dabei geht es nicht nur um den Zugang zu Kryptowährungen, sondern vielmehr darum, vermögenden Privatkunden Expertise im Bereich der Kryptowährungen und der digitalen Assets insgesamt zur Verfügung zu stellen. „Das heißt, wir beraten hinsichtlich der Unterthemen im Bereich der digitalen Assets, wie man Kryptowährungen sinnvoll nutzen und strukturieren kann, um sie in ein Portfolio einzubauen“, sagt Broering. Dabei kann es sowohl um Buy-and-Hold-Ansätze wie auch um das Trading mit Kryptowährungen gehen.
Allerdings ist in diesem Fall wie auch bei einem direkten Investment über eine Kryptobörse der Effekt, den eine Beimischung von Kryptowährungen auf das Portfolio insgesamt hat, nicht direkt sichtbar. Zwar gibt es Apps, die das Gesamtportfolio erfassen, doch steht dieser Bereich noch ganz am Anfang.
Das heißt, auch wenn das Interesse der Anleger an Kryptowährungen vorhanden ist und – aus den unterschiedlichsten Gründen heraus – zunimmt, an der direkten Integration ins Portfolio hapert es noch. Hier müssen Investoren noch Geduld aufbringen. Denn früher oder später werden auch die ersten Privatbanken hierzulande direkte Investitionen in Bitcoin und Co. ermöglichen.
Über den Autor:
Gerd Hübner bildet zusammen mit Heino Reents und Dirk Wohleb ein Autorenteam für das private banking magazin. Hübner ist seit 1998 als freier Finanzjournalist für diverse Zeitungen, Zeitschriften sowie Online-Medien in Deutschland tätig und arbeitet zudem als Investment Writer für Banken, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften.
