Anfangs war ich ehrlich gesagt skeptisch, ob sich Bitcoin in ein traditionelles Anlageportfolio einfügen könnte, denn die hohe Volatilität schien ein großes Hindernis zu sein. Dennoch wies Bitcoin viele grundlegende Merkmale eines Wertspeichers auf – wenn auch als aufstrebende Anlage mit einer einzigartigen Wachstumskomponente.
Vor fünf Jahren, als ich mit den ersten Kundengesprächen begann, interessierten sich die meisten noch hauptsächlich für Bitcoin im Rahmen ihrer privaten Konten. Nur wenige hatten sich intensiv mit Bewertungsfragen beschäftigt.
Viele Treffen fanden nicht einmal in Büros statt – lieber traf man sich auf einen Kaffee, möglicherweise aus Sorge, es könne unprofessionell wirken, sich mit jemandem aus der Bitcoin-Welt zu unterhalten. Mit Zahlen und Fakten versuchten wir unsere Gesprächspartner zu überzeugen.
Bitcoin kann die Effizienz eines Portfolios deutlich steigern
Bitcoin hat in der Vergangenheit starke Renditen erzielt – bei einem besseren risikoadjustierten Profil als die meisten traditionellen Anlageklassen. Ein Beispiel: Schon eine Bitcoin-Beimischung von nur vier Prozent in einem klassischen 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen – bei regelmäßiger Neugewichtung – kann die jährliche Rendite von neun Prozent auf zwölf Prozent erhöhen und die Sharpe-Ratio von 0,42 auf 1 verbessern. Das ist ein deutlicher Sprung.
Gründe für die Verbesserung der Sharpe-Ratio:
- Hohe risikoadjustierte Renditen: Seit 2017 hat Bitcoin rund 72 Prozent jährliche Rendite erzielt – mit einer Sharpe-Ratio nahe 1. Das ist etwa doppelt so viel wie bei Aktien.
- Geringe Korrelation: Bitcoin bewegt sich nicht im Gleichschritt mit den traditionellen Märkten – und kann dadurch das Gesamtrisiko im Portfolio senken.
- Asymmetrisches Aufwärtspotenzial: Bitcoin weist oft erhebliche Gewinnchancen auf, ohne dass das Verlustrisiko im selben Maß steigt.
- Volatilitätskontrolle durch Rebalancing: Ja, Bitcoin ist volatil – aber durch regelmäßiges Rebalancing lässt sich diese Schwankung abfedern, während man dennoch von den langfristigen Gewinnen profitiert.
Trotz seiner Schwankungen kann Bitcoin also – richtig eingesetzt – die Performance eines klassischen Portfolios verbessern.
Bitcoin kann Marktturbulenzen abfedern
Ein wichtiges Argument, das wir stets vortragen ist, Bitcoin kann ein Portfolio optimal ergänzen und als durchaus volatiles Asset Marktschwankungen ausgleichen.
Dies wegen einer entscheidenden Eigenschaft: Es verhält sich anders als traditionelle Anlageklassen. Die Renditen von Bitcoin weisen eine geringe Korrelation mit Aktien, Anleihen und anderen gängigen Portfolio-Bestandteilen auf. Das bedeutet, Bitcoin kann als Absicherung dienen und dabei helfen, Marktturbulenzen abzufedern.
Die Korrelation von Bitcoin mit traditionellen Anlagen wie Aktien und Anleihen ist konstant niedrig – typischerweise zwischen 0 und 0,2. Das heißt: Bitcoin ist weitgehend unkorreliert und entwickelt sich oft unabhängig vom breiten Markt.
Verglichen mit anderen Diversifikatoren wie Gold, Immobilienfonds (REITs) oder Rohstoffen hat Bitcoin sogar stärkere Renditen und Diversifikationseffekte geliefert – selbst bei geringen Allokationen.
Die Diversifikationsvorteile sind konsistent. Rückrechnungen zeigen, dass Bitcoin die Portfolioleistung selbst dann verbessert, wenn man zum Höchststand einsteigt – vorausgesetzt, man gewichtet regelmäßig neu.
Stimmungsbild der Branche – Diversifikation wichtiger als Spekulation
Neben den Eigenschaften von Bitcoin in Portfolios sind Investoren aber gleichzeitig daran interessiert zu erfahren, wie sich andere Player am Markt verhalten. Da wir keine konkreten Informationen weitergeben konnten, entwickelten wir unsere eigene Erhebung unter Fondsmanagern für digitale Vermögenswerte.
Seit ihrer Einführung im Jahr 2021 liefert diese vierteljährliche Umfrage wertvolle Einblicke in Stimmungswandel, Portfolioallokationen, Risikowahrnehmung und Wachstumserwartungen.
Die Zahl der Umfrageteilnehmer seit 2021 schwankte zwischen 27 und 77, wobei das vertretene Vermögen zwischen 285 Milliarden und 999 Milliarden US-Dollar lag. Die letzte Umfrage ergab 28 Rückmeldungen, die ein Vermögen von 478 Milliarden US-Dollar repräsentieren.
In den ersten Umfragen gab es zwar mehr Rückmeldungen, jedoch mit geringeren Gesamtvermögen – inzwischen haben wir einen festen Kern von Kunden, der regelmäßig teilnimmt und damit zu konsistenteren Ergebnissen beiträgt.
Boost durch Bitcoin-Spotfonds
Ein besonders aufschlussreiches Ergebnis zeigte sich Anfang 2024: Zum ersten Mal war „Diversifikation“ der am häufigsten genannte Grund für Investitionen in digitale Vermögenswerte – noch vor „Spekulation“. Dies fiel mit der Einführung von börsengehandelten Bitcoin-Spotfonds in den Vereinigten Staaten zusammen – ein bedeutender politischer und regulatorischer Meilenstein für diese Anlageklasse.
Die Einführung von spotbasierten Bitcoin-ETFs brachte die dringend benötigte Glaubwürdigkeit und das grüne Licht für viele Investoren. Mit der größten Regierung und Aufsichtsbehörde der Welt, die Bitcoin faktisch als eine legitime Anlageform anerkennt, fühlten sich Investoren nicht länger stigmatisiert, das Thema in ihren Investmentausschüssen anzusprechen.
Seitdem ist Diversifikation zum Hauptmotiv für ein Investment geworden – neben dem Wunsch, an der Entwicklung der Distributed-Ledger-Technologie teilzuhaben.
Spekulation wird immer unbedeutender
Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Spekulation als Investitionsgrund weiter ab. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Spekulation der Haupttreiber sei, rangiert dieser Grund inzwischen meist nur noch auf Platz drei oder vier – oft hinter Kundennachfrage, Diversifikation und dem Wunsch nach Blockchain-Exponierung.
Die Umfrage zeigt außerdem, dass Investoren ihre Engagements im digitalen Bereich schrittweise ausweiten. Das liegt auch daran, dass Bitcoin die Sharpe-Ratios verbessern kann, insbesondere bei regelmäßig rebalancierten und diversifizierten Portfolios.
Auch wenn die durchschnittlichen Allokationen weiterhin niedrig sind, beobachten wir seit 2021 einen Anstieg von etwa 0,5 Prozent auf über 1,5 Prozent. Die Allokationen variieren stark und hängen meist von der Flexibilität des jeweiligen Anlagemandats ab.
Family Offices und Hedgefonds haben in der Regel die höchsten Engagements, während Vermögensverwalter und institutionelle Investoren nach wie vor vorsichtiger agieren und oft deutlich kleinere Positionen halten.
Zwei von drei Investoren sind inzwischen in digitale Vermögenswerte investiert
Anfang 2025 ist das institutionelle Engagement in Kryptowährungen deutlich gewachsen. Eine aktuelle Umfrage von EY-Parthenon zeigt, dass 68 Prozent der institutionellen Investoren in digitale Vermögenswerte investiert haben – 37 Prozent davon mit direktem Engagement in Spot-Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum.
Daten aus 13f-Meldungen belegen jedoch, dass die große Mehrheit der größeren Investoren bislang nicht investiert ist. Das deutet darauf hin, dass Kryptowährungen nach wie vor überwiegend in der Hand von Privatanlegern sind.
Konferenzraum statt Café, Karrierechance statt Karriereende
Aber dennoch: Heute sieht die Landschaft völlig anders aus. Die Gespräche finden mittlerweile in Büros und Konferenzräumen statt – meist mit Chief Investment Officers und Portfoliomanagern, nicht nur mit neugierigen Nachwuchskräften.
Einige derjenigen, die das Thema früher als beruflichen Selbstmord bezeichneten, fragen nun nach Jobs in der Branche. Auch Investoren am unteren Ende des Risikospektrums – darunter Pensionsfonds – beginnen, erste Positionen aufzubauen.
Kurz gesagt: Bitcoin ist längst mehr als nur ein spekulatives Asset – es entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Diversifikator für ernstzunehmende Portfolios.
Über den Gastautor:
James Butterfill ist Head of Research beim Kryptovermögensverwalter Coinshares. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung in den Bereichen Portfoliomanagement, Investmentbanking und Vermögensverwaltung.
