Zwischen Vertrauen und Volatilität Wie Krypto-ETPs die Ansprüche institutioneller Investoren erfüllen

Dirk Heß (links) von Nxt Assets und Florian Marty von Vontobel

Dirk Heß (links) von NXT Assets und Florian Marty von Vontobel erklären, wie das Vertrauen institutioneller Anleger in Kryptowährungen wachsen kann. Bildquelle: NXT Assets, Vontobel

Vertrauen ist das Fundament jeder Geldanlage – erst recht, wenn es um digitale Assets geht, die für viele Anleger noch abstrakt sind.

Während institutionelle Kunden insbesondere bei regulatorischen Fragen spürbar höhere Anforderungen an Finanzprodukte haben als Privatanleger, so sind ihre Ansprüche bei den „Softskills“ wie Vertrauen identisch. Ob institutioneller Investor, Family Office oder Privatanleger: Am Ende entscheidet immer die Glaubwürdigkeit – des Produkts, des Anbieters, der Partner.

Wie Marken Vertrauen schaffen 

Seit über zwei Jahrzehnten führt das Institut Dialego im Auftrag von Readers Digest die Trusted-Brand-Studie durch. Die Studie gilt als eine der größten Verbraucherstudien in Deutschland. Die Befragten nennen dabei ohne Vorgabe die Marken, denen sie am meisten vertrauen. Die Ergebnisse zeigen immer wieder drei Kernpunkte:

  • Markenvertrauen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
  • Gerade in unsicheren Zeiten suchen Menschen nach vertrauenswürdigen Marken.
  • Vertrauen entsteht durch Qualität, Transparenz und den Umgang einer Marke mit ihren Kunden.

Ohne Vertrauen keine Investition 

Beim Vertrieb von Finanzprodukten an Endkunden (B2B2C), muss ein Produkt sogar zwei Hürden beim Vertrauen überwinden: Zuerst, wenn es von den Produktverantwortlichen für die Vertriebs-Whitelist freigegeben wird, und anschließend noch einmal beim Verkauf an den Endkunden. 

Das Thema Vertrauen ist dabei umso wichtiger, wenn es sich um ein neues und eher risikobehaftetes Asset handelt. Kryptowährungen sind volatil. Anleger legen daher besonderen Wert darauf, dass keine zusätzlichen Risiken durch die technische Umsetzung oder die Abwicklung ihrer Investments entstehen.

Joint Venture: Wenn bekannte Marken Vertrauen übertragen

Gerade neue Anbieter im Finanzmarkt müssen Glaubwürdigkeit zunächst aufbauen und aktiv vermitteln. Dabei helfen kann ein Joint Venture mit etablierten Partnern.

Denn wer sich im institutionellen Umfeld bewegt, weiß: Vertrauen ist übertragbar. Besteht bereits ein Vertrauensverhältnis zu Partnern oder Gesellschaftern, kann sich dieses auf neue Marktteilnehmer übertragen – sei es bei Investoren, Aufsichtsbehörden oder anderen Stakeholdern.

Im Kontext digitaler Vermögenswerte wie Krypto-ETPs gilt das umso mehr. Denn hier sind regulatorische Konformität, technologische Infrastruktur und Marktkompetenz auf höchstem Niveau erforderlich – das ist besonders für junge Anbieter herausfordernd.

Netzwerke erleichtern Marktzugang 

Ein Joint Venture mit renommierten Finanzinstitutionen kann diese Hürde entschärfen. Es signalisiert Stabilität, professionelle Governance und vorhandene Expertise in zentralen Bereichen wie Verwahrung, Abwicklung und Marktinfrastruktur.

Hinzu kommen entscheidende Netzwerkzugänge – etwa zu Börsen, Vertriebspartnern oder institutionellen Investoren. Sie machen den Unterschied, ob ein neues Produkt lediglich verfügbar ist oder auch Vertrauen und Marktzugang gewinnt.

Das Spannungsverhältnis zwischen Innovation und Stabilität 

Eine Innovation, abgeleitet aus dem lateinischen Verb „innovare“ („erneuern“ oder „verändern“), geht immer mit einer gewissen Unsicherheit einher. Das muss sie auch, denn wenn es schon belastbare Erfahrungen und damit Sicherheit gäbe, wäre es keine „Neuerung“ mehr. 

Und obwohl Sicherheit bei der Veranlagung von Vermögenswerten häufig der wichtigste Aspekt ist, hat sich das Beimischen von Innovationen oftmals als durchaus lukrativ erwiesen. Ein Beispiel dafür sind die heutigen Magnificent Seven, deren Erfolg auf der Basis von (Produkt-) Innovationen entstanden ist. 

Micar und DLT-Gesetz: Regulierung stärkt Vertrauen 

Mit Unsicherheit behaftet ist auch der Bitcoin – trotz und auch wegen seiner Performance von 50.000 Prozent in den letzten zehn Jahren.

In der Europäischen Union (EU) und in der Schweiz wurden zuletzt einige der Unsicherheiten im Krypto-Bereich durch die gesetzgebenden Organe gemindert oder ganz beseitigt. Durch Micar (Markets in Crypto-Assets Regulation, EU) und dem DLT-Gesetz (Distributed-Ledger-Technologie-Gesetz, Schweiz) ist ein Regulierungsrahmen entstanden, der zugleich Finanzstabilität und Anlegerschutz gewährleistet. 

Der Anleger hat dadurch nun die Sicherheit, dass bei zugelassenen und fortwährend geprüften Instituten vergleichbare Maßstäbe bei der operativen Sicherheit angesetzt werden, wie bei klassischen Finanzinstituten auch. 

Wie ETPs Investoren den Zugang zu Bitcoin und Co. ermöglichen 

Durch den hybriden Ansatz eines „klassischen“ börsengehandelten Wertpapiers – etwa eines physisch hinterlegten ETPs auf Bitcoin – erhält der Anleger einerseits die Transparenz und die im Prospekt festgelegten Rechte eines Wertpapiers. Andererseits sorgen regulierte Institute für die sichere Verwahrung und reibungslose Abwicklung im Hintergrund.

Die Praxis zeigt: Die innovativsten Produkte und Ideen stammen oft von kleinen, aber agilen Unternehmen. Ein Beispiel ist die Crypto Finance AG, die als Start-up ein sicheres und reguliertes Angebot zur Verwahrung und zum Handel mit Kryptowährungen aufgebaut hat und später von der Deutschen Börse übernommen und in die Deutsche Börse Gruppe eingegliedert wurde. 

Innovation durch Übernahmen von Start-ups 

Solche Unternehmensstrukturen können für beide Seiten von Vorteil sein: Während etablierte Finanzinstitute den Zugang zu Infrastruktur und Kundengruppen bieten, fließt technologische Innovationskraft und Marktnähe von den jüngeren Unternehmen ein.

 Diese Kombination aus regulatorischer Konformität, robuster technischer Infrastruktur und operativer Expertise schafft Vertrauen – insbesondere bei institutionellen Investoren. 

Skalierbarkeit ist kein Zufall: Was den Marktzugang institutionell macht

Der in den USA zugelassene iShares Bitcoin Trust (Ibit) von BlackRock hat in den ersten 341 Handelstagen seit seinem Debüt den Wert von 70 Milliarden US-Dollar erreicht. Das ist – mit deutlichem Abstand – der schnellste Vermögensanstieg eines ETFs. 

Zum Vergleich: Der bisherige Rekordhalter, der Gold-ETF GLD von State Street, benötigte dafür 1691 Tage.

Dieses außergewöhnliche Wachstum ist vor allem auf die starke Nachfrage institutioneller Investoren zurückzuführen – und es gelingt nur, wenn die zugrunde liegende Infrastruktur skalierbar und professionell genug ist, um große Volumina zuverlässig abzuwickeln.

Was institutionelle Investoren brauchen 

Neben regulatorischer Konformität und robuster Sicherheitsarchitektur zählen hierzu vor allem Liquidität, Transparenz, stabile Preisstellung sowie eine operative Umgebung, die auch in angespannten Marktphasen verlässlich funktioniert.

 

Institutionelle Kunden erwarten, dass Orders reibungslos ausgeführt werden – vollständig, fristgerecht und marktgerecht. Verzögerungen oder Ausfälle sind nicht akzeptabel. 

Entscheidend ist dabei die Qualität des Market Makings: Nur wenn erfahrene Akteure stabile Preise stellen, Spreads eng bleiben und Volumina auch bei geringer Marktliquidität umsetzbar sind, entsteht das Vertrauen, das für den Einstieg institutioneller Investoren notwendig ist.

Persönliche Betreuung wird häufig unterschätzt 

Ein häufig unterschätzter, aber entscheidender Baustein ist die persönliche Betreuung: Institutionelle Investoren erwarten den direkten Zugang zu fachkundigen Ansprechpartnern – nicht nur bei Fragen zur Handelsabwicklung, sondern auch zur Produktstruktur oder zu regulatorischen Aspekten. Es reicht nicht, ein institutionelles Produkt aufzusetzen – auch die gesamte Abwicklung und Kommunikation muss diesen Standard erfüllen.

Das Beispiel Krypto ETPs zeigt, dass sich die theoretischen Anforderungen an Transparenz, Vertrauen und betriebliche Stabilität sehr wohl mit digitalen Assets vereinen lassen. 

Was zählt: Stabilität in der Innovation

Krypto-ETPs bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Vertrauen, Volatilität und technischer Komplexität. Institutionelle Investoren verlangen nicht nur regulatorische Konformität, sondern auch skalierbare Infrastrukturen, transparente Abwicklung und persönliche Betreuung.

 Der Aufbau von Vertrauen beginnt dabei lange vor der ersten Order – durch Partnerwahl, Verwahrstruktur und Governance. In einem Markt, der Innovation mit Stabilität verbinden muss, werden genau diese Qualitäten zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Über die Gastautoren:

Dirk Heß ist Geschäftsführer von NXT Assets, einem Anbieter von Bitcoin- und Ethereum-ETPs. 

Florian Marty ist Leiter Blockchain-Lösungen (Head Blockchain Solutions) bei Vontobel.

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