Kristina Hooper, Invesco „Die USA werden den Handelskonflikt verlieren“

Kristina Hooper, Investmentstrategin bei Invesco: „Beim Handelskonflikt hoffe ich auf das Beste, bereite mich aber auf das Schlimmste vor.“ | © Invesco Asset Management

Kristina Hooper, Investmentstrategin bei Invesco: „Beim Handelskonflikt hoffe ich auf das Beste, bereite mich aber auf das Schlimmste vor.“ Foto: Invesco Asset Management

Schon die liberalen Ökonomen Adam Smith und David Ricardo wussten: Der Freihandel bedeutet eine Win-win-Situation, der Handelskrieg hingegen Lose-lose. Trotzdem gehen zahlreiche Beobachter davon aus, dass die USA den fortdauernden Konflikt mit China gewinnen könnten. Meines Erachtens wird es jedoch im Grunde keinen Sieger geben. Im Zeitalter der Globalisierung verlieren bei einem Handelskrieg alle Teilnehmer – und die Folgen sind bereits auf beiden Seiten zu spüren. Anfang Januar wurden bereits enttäuschende Konjunkturdaten für China veröffentlicht: Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im Dezember unter die kritische Schwelle von 50 Punkten gefallen.

Peking in der Defensive

Noch hat China den Handelskonflikt jedoch nicht ganz verloren. Präsident Xi Jinping hat in seiner Neujahrsrede versprochen, weiterhin Impulse in Form von Steuer- und Gebührensenkungen zu geben. Zudem lockerte die People‘s Bank of China (PBOC) die Vergabekriterien für Kredite an kleine Unternehmen.

US-Unternehmen unter Druck

Auch in den USA sind die Folgen des Handelskonflikts zu spüren. Apple schrieb kürzlich in einer Gewinnwarnung, die Absätze von iPhones seien gesunken. Grund dafür sei eine geringere Nachfrage in China infolge des Handelskonflikts. In diesem Zusammenhang äußerte Kevin Hassett, Vorsitzender des Council of Economic Advisers für die US-Regierung, die Entwicklungen bei Apple seien erst der Anfang.  Zahlreiche andere US-Unternehmen würden aufgrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China und dessen Auswirkungen auf die chinesische Nachfrage mit ähnlichem Gegenwind zu kämpfen haben.

Soja-Bauern in den USA – weitere Leidtragende im Handelsstreit

Landwirte aus den USA zieht der Handelskonflikt in Mitleidenschaft, da China Sojabohnen und andere Lebensmittel aus anderen Ländern importiert – auch wenn sie Unterstützung von der US-Regierung erhalten und China im Dezember zusagte, wieder Sojabohnen aus den USA zu importieren.

Die Lage für die Landwirte dürfte sich weiter verschärfen, da die Transpazifische Partnerschaft (TPP) ohne die USA weiter vertieft wird. Weil sich die USA aus diesem Abkommen ausgeklinkt haben, werden US-Güter für die elf Mitglieder der TPP – darunter Japan und Kanada – uninteressanter, zumal die TPP-Mitglieder ihre gegenseitigen Zölle gesenkt haben. Dies erschwert US-Produzenten von Agrarprodukten den Marktzugang.

Starke Signale vom US-Arbeitsmarkt

Trotzdem ist die US-Wirtschaft weiterhin in einer sehr guten Verfassung. Dies schlug sich in der vergangenen Woche im Arbeitsmarktbericht für Dezember nieder, der über den Erwartungen lag: Außerhalb des Agrarsektors wurden mehr als 300.000 neue Stellen geschaffen, und das Lohnwachstum fiel mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat kräftig aus.

Die Beschäftigungszahlen sind jedoch ein Koinzidenzindikator. Das heißt, sie beschreiben den augenblicklichen Zustand der Wirtschaft und enthalten keine Hinweise für das künftige Wachstum. Frühindikatoren wie der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe hingegen schwächeln.

Neue Gespräche zwischen den USA und China

Mit Blick auf die handelspolitischen Gespräche zwischen den USA und China hoffe ich daher auf das Beste, bereite mich aber auf das Schlimmste vor. Die jüngsten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zur Beschleunigung der Konjunktur deuten eher darauf hin, dass eine längere Auseinandersetzung bevorsteht: Wie Xi in seiner Ansprache erläuterte, wird China weiterhin an Reformen und einer Öffnung seiner Märkte arbeiten – allerdings nach einem eigenen Zeitplan und eigenen Präferenzen.

Und China hat im Gegensatz zu den USA einen langen Atem; Xi ist Präsident auf Lebenszeit, wohingegen Donald Trump in nicht einmal zwei Jahren um seine Wiederwahl kämpfen muss. Es sieht daher eher danach aus, dass die USA letztendlich die weiße Flagge im Handelskonflikt schwenken müssen. Fraglich ist nur, wie lange der Konflikt dauert und wie hoch die Schäden sind.