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Neues Bewertungsmodell Wie Investoren die Kreislaufwirtschaft bewerten können

Hauptsitz von Umicore im belgischen Antwerpen

Hauptsitz von Umicore im belgischen Antwerpen: Das Unternehmen setzt sich für Kreislaufwirtschaft ein, welche den Bedarf an neuen natürlichen Ressourcen auf ein Minimum reduziert. Foto: Imago Images / Belga

In diesem Jahr „feierte“ die Erde den Earth Overshoot Day am 28. Juli. Unsere Wirtschaft verbrauchte also allein in den ersten sieben Monaten so viel von unseren weltweiten natürlichen Ressourcen wie in einem ganzen Jahr wieder aufgefüllt werden kann. Dieses Datum tritt jedes Jahr früher ein. Bis 2050 werden wir drei Erden pro Jahr verbrauchen. Höchste Zeit, diesen Trend zu stoppen. Als eine schlagkräftige Bremse hierfür gilt die Kreislaufwirtschaft.

David Czupryna

Die heutige globale Wirtschaft folgt weitgehend einem linearen Prozess: Nehmen, herstellen, nutzen, wegwerfen. In der Kreislaufwirtschaft hingegen wird der Bedarf an neuen natürlichen Ressourcen auf ein Minimum reduziert und nicht biologisch abbaubare Abfälle beseitigt. Ihr Ziel ist es, Güter zu regenerieren, anstatt sie wegzuwerfen, sie wiederzuverwenden, aufzuarbeiten, zu recyceln und zu teilen. Eine zirkuläre Wirtschaft hat neben der Minderung des Ressourcenverbrauchs und dem Abbau der Müllberge einen weiteren Nebeneffekt: Sie hilft CO2-Einsparziele zu erreichen, insbesondere in den großen Bereichen Wohnen, Verkehr sowie Nahrung und Landwirtschaft.

Für Anleger bietet die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft enorme Chancen. Allerdings ist die Kreislaufwirtschaft in der Praxis ziemlich komplex. Es gibt nach wie vor keine allgemeingültige Definition, und daher fehlt es auch an allgemein anerkannten Leitlinien. Es existieren zwar bereits erste Rahmenwerke, etwa von der Ellen MacArthur Foundation oder dem World Business Council for Sustainable Development. Beide bieten Unternehmen eine Messung ihrer Zirkularität an. Die Modelle wurden aber zur Verbesserung des eigenen zirkulären Wirtschaftens gestaltet, nicht für Investitionszwecke.

Neues Modell soll Anlageentscheidungen unterstützen

Hier will Candriam für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen und hat mit Rückgriff auf öffentlich zugängliche Informationen einen eigenen Rahmen für zirkuläre Anlagen entwickelt. Unser Ziel ist es, ein umfassendes Modell zu bieten, das es Anlegern ermöglicht, das Engagement eines Unternehmens in einer stärker auf Kreislaufprozesse ausgerichteten Wirtschaft zu quantifizieren und zu unterstützen.

Bastien Dublanc

Wir sind überzeugt, dass Anlagen in kreislauforientierte Unternehmen einen auf unterschiedlichen Messgrößen beruhenden, aber einen durch eine einzige Zahl ausgedrückten Wert (Score) erfordern. Ein Grund dafür ist, die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen innerhalb ihrer Sektoren und sektorübergreifend zu ermöglichen. Ein weiterer Grund ist die Überwindung einiger Probleme bei der Datenqualität. Unsere Beurteilung der Zirkularität ähnelt einer polizeilichen Ermittlung, bei der eine Reihe kleinerer Beweisstücke zu einem stimmigen Bild der Realität zusammengefügt werden. Unser Ziel ist es daher, Belege aus den Aktivitäten des Unternehmens, seinen historischen Leistungen und seinen Verpflichtungen zu sammeln und diese Elemente durch unsere eigene Bewertung der Referenzen zur Zirkularität zu ergänzen.

Für die Bewertung werden Unternehmen nicht Sektoren zugeordnet, sondern sechs zirkulären Wertschöpfungsketten: Wohnungsbau/Infrastruktur, Mobilität, Lebensmittel, Produkte/ Verbrauchsgüter, Gesundheitswesen und Kommunikation/IT. Die Unternehmen werden dann anhand einer Reihe von Kriterien in drei großen Bereichen bewertet, deren Ergebnisse im Gesamt-Score zusammengefasst werden. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 10.

 

Ergebnisse, Engagement und Dynamik

Den Kern des Rahmens zur Kreislaufwirtschaft von Candriam bilden die zirkulären Ergebnisse. Sie fließen zu 60 Prozent in die Gesamtbewertung ein, da sie für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft besonders wichtig sind. Weniger Verbrauch, Rückgewinnung, längere Nutzung und gemeinsame Nutzung spielen hier eine zentrale Rolle. Jedes Unternehmen muss unabhängig von seinem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu mindestens einem dieser vier zirkulären Ergebnisse beitragen.

Zu 20 Prozent beeinflusst das zirkuläre Engagement den Gesamt-Score. Wir ermitteln das Engagement durch Berücksichtigung der Unternehmensstrategie, des Investitions- und Ressourceneinsatzes und des Fokus beziehungsweise der Kommunikation des Managements.

Die restlichen 20 Prozent liefert die zirkuläre Dynamik. Sie schafft einen Zusammenhang zwischen den historischen Ergebnissen, der Strategie und den künftigen Fortschritten des Unternehmens im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Um eine dynamische Sichtweise zu schaffen, beurteilen wir, wie glaubwürdig und ambitioniert die kreislauforientierten Verpflichtungen des Unternehmens sind und ob die jüngsten Leistungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft ein gutes Zeichen für die Zukunft sind.

Unser investitionsorientiertes Rahmenwerk sowie die Bewertung von Unternehmen in Form einer einzigen Zahl sollen es Anlegern ermöglichen, Entscheidungen über die Allokation ihres Kapitals zu treffen, die den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft fördern.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Über die Autoren:

David Czupryna ist als leitender Fondsmanager der Kreislaufwirtschafts-Strategie Candriam Equities Circular Economy bei Candriam tätig. Czupryna hat als Head of ESG Development maßgeblich zur Entwicklung neuer thematischer Anlagestrategien bei Candriam beigetragen. Bevor er 2018 zu Candriam kam, war er bei Sycomore Asset Management unter Vertrag, wo er sich um den Ausbau der ESG-Strategien in deutschsprachigen Ländern kümmerte.

Bastien Dublanc verwaltet als Co-Fondsmanager den Fonds Candriam Sustainable Equity Circular Economy.