KPMG-Umfrage unter Europas Banken Immobilienfinanzierung steht weiter hoch im Kurs

Das KPMG Property Lending Barometer 2016

Das KPMG Property Lending Barometer 2016

Die Immobilieninvestitionen in Europa sind im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf insgesamt 107,5 Milliarden Euro gesunken – ein Rückgang um 30 Prozent. Mehr als ein Viertel (27,4 Prozent) beziehungsweise ein Fünftel (19,5 Prozent) des gesamten Transaktionsvolumens flossen dabei nach Großbritannien und Deutschland.



Beide Länder konnten damit ihre Ränge eins und zwei aus dem Vorjahr behaupten. Das ist ein Ergebnis des „Property Lending Barometer“, einer KPMG-Umfrage unter rund 100 Banken in 21 europäischen Ländern.

Zugleich sorgen laut Umfrage die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und das daraus resultierende negative Zinsumfeld dafür, dass rund 90 Prozent aller Banken in den führenden und etablierten Märkten Europas ihre Aktivitäten im Bereich der Immobilienfinanzierung im Vergleich zum Vorjahr mindestens konstant gehalten oder sogar ausgeweitet haben. Dabei liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Finanzierung von vermieteten Immobilien.

Nach Ansicht der befragten Banken beeinflusst  - neben den vorherrschenden makroökonomischen Bedingungen auf dem jeweiligen lokalen Markt - vor allem der Mangel an hochwertigen Immobilien die Qualität der Kreditportfolien ganz entscheidend. Diese könnte aufgrund des Mangels an sogenannten Core-Immobilien somit absehbar sinken.

Darüber hinaus sorgen anhaltende geopolitische Unsicherheiten und die möglicherweise daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen bei den Beteiligten laut Umfrage für einen zurückhaltenderen Ausblick als noch vor einem Jahr.



„Es ist sehr erfreulich, dass fast alle Banken in den Immobilienmärkten Europas ihre Immobilienfinanzierungen ausgeweitet haben. In den führenden und etablierten Immobilienmärkten besteht jedoch ein immer größer werdender Mangel an hochwertigen Immobilien. Daher kommt es darauf an, welche Risiken die Banken einzugehen bereit sind, etwa durch Projektentwicklungen, Finanzierungen an sogenannten B-Standorten oder Finanzierungen von weniger etablierten Nutzungsarten“, sagt Sven Andersen, Partner bei KPMG.



Den höchsten Anteil ausfallgefährdeter Immobilienkredite in den Portfolios der Banken auf den führenden Märkten Europas verzeichnen Immobilien in Spanien, gefolgt von Italien. In Spanien laufen nach Aussage der Banken rund sechzig Prozent aller Kredite Gefahr, auszufallen. Knapp ein Fünftel aller Kredite sehen die Befragten dabei sogar als „ernsthaft gefährdet“ an.

Der Anteil ausfallgefährdeter Kredite auf dem deutschen Immobilienmarkt beträgt hingegen nur rund sechs Prozent. Vergleichsweise hoch ist der Anteil gefährdeter Immobilienkredite auf den etablierten Märkten Slowakei (rund 25 Prozent) und Niederlande (rund 20 Prozent).

Die Mehrheit der befragten Banken geht davon aus, durch Restrukturierungen den größten Teil der ausfallgefährdeten Kredite – nämlich mehr als zwei Drittel - erfolgreich managen zu können. Am höchsten ist diese Quote in Belgien (rund 95 Prozent), gefolgt von Tschechien (rund 85 Prozent) und Schweden (rund 80 Prozent). Auch Deutschland liegt hier mit einer Quote von knapp 80 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Der Wettbewerb innerhalb der Kreditinstitute - aber auch zwischen Kreditinstituten und alternativen Kreditgebern – verschärft sich weiter. Dies ist insbesondere in den reiferen Märkten der Fall. In den führenden Märkten gaben die Befragten an, dass ihre größten Konkurrenten unter den alternativen Kreditgebern Private-Equity-Fonds und Debt Fonds seien. In den etablierten Märkten sind dies nach Angabe der Beteiligten nicht vor Ort ansässige Geschäftsbanken.



Wichtigste Kriterien für eine Finanzierung sind nach übereinstimmender Aussage der befragten Banken weiterhin ein solides Geschäftsmodell und die Qualität der Immobilie. Sowohl das Risikoprofil des jeweiligen Landes als auch die Reife des Immobilienmarktes haben Einfluss auf die Höhe der Marge.

Für projektierte Büroimmobilien in Deutschland oder Spanien liegt diese nach Angabe der Banken zwischen rund 1,5 und 3,0 Prozent, bei Bestandsimmobilien zwischen rund 1,2 und 3,2 Prozent. Unter allen Befragten verlangen Deutsche Banken dabei den geringsten Aufschlag.

„Insgesamt befindet sich der europäische Immobilienfinanzierungsmarkt weiterhin auf einem Pfad der Erholung. In fast allen untersuchten Ländern haben die Banken Ihre Geschäftsaktivitäten mindestens beibehalten oder sogar ausweitet. Dies gilt insbesondere für die Finanzierung von Bestandsimmobilien. Der Ausblick auf das Geschäftsklima wird von den Beteiligten jedoch verhaltener als noch vor einem Jahr beurteilt“, sagt Jürgen Paskert, Partner im Bereich Audit bei KPMG.