Und was ist bei Nicht-Standard-ETFs zu tun?
In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Fondsanbieter ihr Angebot an ETFs auf Nicht-Standard-Indizes oder sogar aktive Strategien ausgebaut. Auch wenn diese Entwicklung aus Rendite-Risiko-Gesichtspunkten sehr zu begrüßen ist, macht sie ETFs schwerer vergleichbar. Die gute Nachricht ist, dass das Total-Cost-of-Ownership-Konzept unabhängig vom Inhalt eines ETFs gültig bleibt. Anleger müssen sich nun aber zusätzlich in die Details der Methodologie einarbeiten, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Häufig ist zu beobachten, dass Investoren ihre Anlageentscheidung im Wesentlichen auf die historische Kursentwicklung oder die historische Tracking Differenz gegenüber einer Standardbenchmark stützen. Auch wenn dieses Vorgehen nachvollziehbar ist, kann das Kleingedruckte der Compliance-Abteilungen hilfreich sein: Es handelt sich um eine reine Vergangenheitsbetrachtung. In die Zukunft gerichtet sollten sich Anleger stets die Frage stellen, inwieweit sie die Werttreiber einer Strategie verstehen und diese mit ihrer individuellen Markteinschätzung übereinstimmen. Eine Frage, die nur derjenige beantworten kann, der im Detail nachvollzieht, wie eine Strategie aufgebaut ist.
Eine weitere Auffälligkeit im Entscheidungsprozess vieler Investoren besteht darin, dass sie Nicht-Standard-ETFs häufig isoliert betrachten und Korrelationen nicht ausreichend berücksichtigen. Zahlreiche Strategien haben für sich alleine genommen höhere Risiken. Wenn gleichzeitig jedoch eine geringe oder sogar negative Korrelation zu anderen Portfoliobausteinen besteht, können sie aus Sicht des Gesamtportfolios dennoch helfen, das Risiko zu verringern. Nachfolgend ein Beispiel für ein bestehendes Rentenportfolio, dem ein ETF auf Banken-Nachranganleihen (AT1) hinzugefügt wird. Die Korrelation zwischen dem Rentenportfolio und dem AT1-ETF ist leicht negativ und liegt im Betrachtungszeitraum bei -0,04.
Quelle: Invesco
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich ein detaillierter Vergleich unterschiedlicher ETFs – sowohl bei Smart Beta als auch bei Standardindizes – lohnen kann. Wer sich am Total-Cost-of-Ownership-Konzept orientiert, stellt sicher, dass die gesamten Kosten der Investition in die Anlageentscheidung einfließen. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach synthetischen ETFs neu. Denn sie können dazu beitragen, dass die Rendite zum Teil signifikant steigt. Das betrifft sowohl die Halte- als auch die Implementierungskosten. Anleger sollten im Auswahlprozess auch die Korrelationen berücksichtigen, also die Auswirkung einzelner Strategien auf das Gesamtportfolio.
Über den Autor:
Michael Huber arbeitet für die Fondsgesellschaft Invesco. Er leitet am Standort München das institutionelle ETF-Geschäft in der DACH-Region. In Hubers Verantwortungsbereich fallen außerdem institutionelle ETF-Kunden in Mittel- und Osteuropa.
