Korruptionsskandal Private Banker von Isabel dos Santos tot aufgefunden

Isabel dos Santos: Das älteste Kind des ehemaligen angolanischen Langzeitpräsidenten soll durch Korruption und Vetternwirtschaft ein Milliardenvermögen angehäuft haben.

Isabel dos Santos: Das älteste Kind des ehemaligen angolanischen Langzeitpräsidenten soll durch Korruption und Vetternwirtschaft ein Milliardenvermögen angehäuft haben. Foto: Getty Images

Im Korruptionsskandal um die als reichste Frau Afrikas bekannte Isabel dos Santos gibt es einen Toten: Nuno Ribeiro da Cunha, als Private-Banking-Direktor der portugiesischen Bank Eurobic zuständig für dos Santos’ Vermögen, wurde am Mittwoch tot in der Garage seines Wohnhauses in Portugals Hauptstadt Lissabon aufgefunden. Das berichtet die „Financial Times“. Für die örtliche Polizei deutet demnach alles auf Selbstmord durch Erhängen des 45-Jährigen hin, ein Tötungsdelikt sei jedoch nicht ausgeschlossen.

Wenige Stunden vor dem Leichenfund hatte die angolanische Justiz gegen dos Santos, Ribeiro da Cunha und Weitere Anklage wegen Veruntreuung und Geldwäsche erhoben. Der Vorwurf: Die 46-Jährige soll als ältestes Kind des ehemaligen angolanischen Langzeitpräsidenten José Eduardo dos Santos durch Korruption und Vetternwirtschaft ein Milliardenvermögen angehäuft haben. Ein Großteil der unterschlagenen Gelder stammt demnach aus ihrer Zeit als Chefin von Sonangol, der staatlichen Ölgesellschaft Angolas.

Die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatten rund 715.000 durchgesickerte E-Mails, Verträge und Konteninformationen, die einer Plattform zum Schutz von Whistleblowern in Afrika zugespielt worden waren. Nachdem dos Santos der Forderung der angolanischen Staatsanwaltschaft, 1 Milliarde US-Dollar an staatlichen Geldern zurückzuzahlen, nicht nachgekommen war, hatte die Regierung des südafrikanischen Staates ihr Vermögen kürzlich eingefroren. Sollte dos Santos nicht freiwillig für eine Befragung zur Verfügung stehen, sei ein internationaler Haftbefehl möglich, so Angolas Generalstaatsanwalt Helder Pitta Gros.

Dos Santos bestreitet die Vorwürfe und stellt sie als politisch motiviert dar. Unterdessen steht ihr Anteil an der Bank Eurobic von 42,5 Prozent Berichten zufolge zum Verkauf. Ihr Konto bei dem Institut war bereits Ende 2017 kurz nach ihrer Absetzung als Sonangol-Chefin leergeräumt worden: Rund 52 Millionen Euro flossen damals innerhalb von Stunden auf ein Offshore-Konto.