private banking magazin: Warum Infrastruktur gerade jetzt? Was ist der Treiber – Rendite, Stabilität oder der Nachholbedarf?
Sascha Hasterok: Das ist eine Kombination aus vielen Dingen. Rendite ist immer das Endergebnis einer Gesamtentwicklung. Was sich aktuell verändert, sind die Voraussetzungen. Wir kommen raus aus der Denke: Der Strom kommt aus der Steckdose, die Straßen sind da. In einer bipolaren Welt, in die wir hineinkommen, ist es notwendig, dass Infrastruktur besser ausgebaut wird. Die asiatischen Länder machten die vergangenen 30 Jahre eigentlich nichts anderes – und sind heute bei den Energiekosten anders aufgestellt als wir. Hinzu kommt die Transformation der Wirt- schaft: Digitalisierung, Datencenter, Elektroautos, Wärmepumpen – all das führt dazu, dass der Engpass in erster Linie nicht das Geld ist, sondern die Umsetzbarkeit und die Geschwindigkeit. Wer heute einen Datencenter baut, braucht Strom heute und nicht in fünf Jahren, wie der aktuelle Genehmigungsprozess dauert.
Herr Sinram, ist Infrastruktur in Mode oder hat sie eine strategische Notwendigkeit?
Maurice Sinram: Strategisch kommt man nicht daran vorbei – aber das ist kein neuer Punkt. Infrastruktur war schon immer ein Stabilisator im Portfolio, so etwas wie ein Türöffner für breitere Allokationen. Was sich verändert hat: Die Chancen, die die Assetklasse bietet, halten das Investment zunehmend am Laufen. Dabei muss man aber wirklich trennen, was man meint: Kaufe ich ein klassisches Cashflow-Modell, das ich diskontieren kann – und das bei stark steigenden Zinsen auch ein Bewertungsproblem hat? Oder stehe ich vor einem strukturellen Wachstumsthema, das Infrastruktur grundlegend neu definiert? Wir müssen unterscheiden zwischen Core, Core-Plus und Value-Add, genau wie zwischen Greenfield und Brownfield. Die Frage, wo man im Investitionszyklus steht – in der Planungsphase oder als Käufer eines etablierten Cashflow-Assets –, ist entscheidend für das Risikoprofil.
Das Sondervermögen soll die Infrastruktur Deutschlands modernisieren. Was würden Sie sich vom Regulator wünschen?
Sinram: Effizienz. Das Sondervermögen ist im Gesamtkontext der weltweiten Investitionsbedarfe vernachlässigbar – ein netter Anschub, der in die Umsetzung kommen muss. Allein in Deutsch- land werden bis 2045 rund 600 Milliarden Euro für den Netzausbau benötigt. Mario Draghis Studie aus 2023 sprach von 800 Milliarden Euro jährlich für die Wettbewerbsfähigkeit der EU, eine Studie des Bankenverbands von 1,4 Billionen Euro. Das deutsche Konjunkturpaket ist in diesem Kontext nicht das Entscheidende – was fehlt, ist strukturelle Umsetzungsgeschwindigkeit.
Rebekka Haller: Als das Paket angekündigt wurde, haben europäische Infrastrukturthemen am Aktienmarkt richtig angezogen. Das ist inzwischen etwas verpufft, weil klar wird: Wir sind nicht China, wo in einer Woche eine Autobahn gebaut werden kann. Der Vorlauf dauert hier sehr lang. Deswegen gehört Infrastruktur langfristig in jedes Portfolio – aber wir sind in einer Phase, in der das Thema auch gehypt ist. Erwartungen müssen gemanagt werden, zumindest was die kurzfristige Kursentwicklung betrifft.
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private banking magazin: Warum Infrastruktur gerade jetzt? Was ist der Treiber – Rendite, Stabilität oder der Nachholbedarf?
Sascha Hasterok: Das ist eine Kombination aus vielen Dingen. Rendite ist immer das Endergebnis einer Gesamtentwicklung. Was sich aktuell verändert, sind die Voraussetzungen. Wir kommen raus aus der Denke: Der Strom kommt aus der Steckdose, die Straßen sind da. In einer bipolaren Welt, in die wir hineinkommen, ist es notwendig, dass Infrastruktur besser ausgebaut wird. Die asiatischen Länder machten die vergangenen 30 Jahre eigentlich nichts anderes – und sind heute bei den Energiekosten anders aufgestellt als wir. Hinzu kommt die Transformation der Wirt- schaft: Digitalisierung, Datencenter, Elektroautos, Wärmepumpen – all das führt dazu, dass der Engpass in erster Linie nicht das Geld ist, sondern die Umsetzbarkeit und die Geschwindigkeit. Wer heute einen Datencenter baut, braucht Strom heute und nicht in fünf Jahren, wie der aktuelle Genehmigungsprozess dauert.
Herr Sinram, ist Infrastruktur in Mode oder hat sie eine strategische Notwendigkeit?
Maurice Sinram: Strategisch kommt man nicht daran vorbei – aber das ist kein neuer Punkt. Infrastruktur war schon immer ein Stabilisator im Portfolio, so etwas wie ein Türöffner für breitere Allokationen. Was sich verändert hat: Die Chancen, die die Assetklasse bietet, halten das Investment zunehmend am Laufen. Dabei muss man aber wirklich trennen, was man meint: Kaufe ich ein klassisches Cashflow-Modell, das ich diskontieren kann – und das bei stark steigenden Zinsen auch ein Bewertungsproblem hat? Oder stehe ich vor einem strukturellen Wachstumsthema, das Infrastruktur grundlegend neu definiert? Wir müssen unterscheiden zwischen Core, Core-Plus und Value-Add, genau wie zwischen Greenfield und Brownfield. Die Frage, wo man im Investitionszyklus steht – in der Planungsphase oder als Käufer eines etablierten Cashflow-Assets –, ist entscheidend für das Risikoprofil.
Das Sondervermögen soll die Infrastruktur Deutschlands modernisieren. Was würden Sie sich vom Regulator wünschen?
Sinram: Effizienz. Das Sondervermögen ist im Gesamtkontext der weltweiten Investitionsbedarfe vernachlässigbar – ein netter Anschub, der in die Umsetzung kommen muss. Allein in Deutsch- land werden bis 2045 rund 600 Milliarden Euro für den Netzausbau benötigt. Mario Draghis Studie aus 2023 sprach von 800 Milliarden Euro jährlich für die Wettbewerbsfähigkeit der EU, eine Studie des Bankenverbands von 1,4 Billionen Euro. Das deutsche Konjunkturpaket ist in diesem Kontext nicht das Entscheidende – was fehlt, ist strukturelle Umsetzungsgeschwindigkeit.
Rebekka Haller: Als das Paket angekündigt wurde, haben europäische Infrastrukturthemen am Aktienmarkt richtig angezogen. Das ist inzwischen etwas verpufft, weil klar wird: Wir sind nicht China, wo in einer Woche eine Autobahn gebaut werden kann. Der Vorlauf dauert hier sehr lang. Deswegen gehört Infrastruktur langfristig in jedes Portfolio – aber wir sind in einer Phase, in der das Thema auch gehypt ist. Erwartungen müssen gemanagt werden, zumindest was die kurzfristige Kursentwicklung betrifft.
Frau Haller, braucht ein Infrastrukturprodukt heute zwingend eine KI- oder Energiewende-Geschichte, um beim Kunden zu landen – oder reicht die klassische Cashflow-Logik noch?
Haller: Die Cashflow-Logik reicht – sie muss nur klar formuliert sein. Ich bin kein Fan davon, einen Fonds allein wegen des Zeitgeists zu kaufen. Das Problem ist: Viele Produkte verkaufen gerade beides gleichzeitig – stabile Cashflows und Wachstumsfantasie. Das ist selten ehrlich. Entscheidend ist die dahinterliegende Geschichte, und die darf auch langweiliger sein als das, was gerade in den Schlagzeilen steht.
Herr Maurenbrecher, Kontora arbeitet nach dem Endowment-Modell. Wie veränderte sich der Stellenwert von Infrastruktur in Ihren Mandantenportfolios über die Jahre?
Patrick Maurenbrecher: Vor zehn Jahren war Infrastruktur für uns eine langweilige Geschichte: 15 Jahre gebunden für fünf Prozent IRR. Wir glauben daran, dass solche stabilitätsorientierten In- vestments gebraucht werden – aber das war nicht attraktiv. Ab etwa 2020 gab es plötzlich andere Infrastrukturgeschichten als Mautstraßen und Flughäfen. Das war der Moment, wo wir das Thema ernst genommen haben – oft mit der Idee, laufende Renditen zu erwirtschaften, statt nur auf den Exit zu warten. Glasfaserkabel, Datencenter – wir haben dort 2020 erstmals investiert, als das KI-Thema noch gar nicht existierte. Das ist für uns inzwischen Windfall Profit in vielen Mandantenportfolios. Vor einigen Monaten kam ein Asset Manager mit einem reinen Datencenter-Fonds – die Renditeerwartungen waren schon deutlich bescheidener, weil jetzt jeder draufspringt. Was wir als Multi-Family-Office versuchen: Themen finden, die noch nicht gehypt sind. Wenn die Geschichte gut klingt, aber die Rendite ausgepreist ist, ist das kein gutes Investment.
Was spricht für Listed Infrastructure, was für Private?
Robert Lemm: Bei Listed Infrastructure hat man zunächst den einfachen Zugang: täglich handelbar, transparent, liquide. Was manchmal falsch verstanden wird: Nur weil ein Asset liquide ist, kauft man nicht schlechtere Assets. Ein Listed Manager, der Research und Due Diligence betreibt, findet dieselbe Asset-Qualität wie im privaten Markt. Hinzu kommt, dass die Volatilität am Aktienmarkt Chancen schafft. Wer langfristige Cashflow-Modelle hat, kann antizyklisch handeln – in Stressphasen einsteigen, wenn Qualitätsunternehmen überverkauft sind, und in Übertreibungsphasen Gewinne mitnehmen und umschichten. Das ist im privaten Markt, wo man langfristig gebunden ist, nicht möglich. Viele unserer Investoren halten beides – und das macht Sinn.