Roundtable „Infrastruktur ist kein Portfolio-Thema, es ist Wohlstandssicherung“

Von links nach rechts: Maurice Sinram, Sascha Hasterok, Tom Neugebauer, Robert Lemm, Patrick Maurenbrecher, Rebekka Haller

Von links nach rechts: Maurice Sinram von der Hypovereinsbank, Sascha Hasterok von Wellington Management, Tom Neugebauer von Atlas Infrastructure, Robert Lemm von Harrington Cooper AM, Patrick Maurenbrecher von Kontora und Rebekka Haller von M.M. Warburg & Co. Bildquelle: Swetlana Holz

private banking magazin: Warum Infrastruktur gerade jetzt? Was ist der Treiber – Rendite, Stabilität oder der Nachholbedarf?

Sascha Hasterok: Das ist eine Kombination aus vielen Dingen. Rendite ist immer das Endergebnis einer Gesamtentwicklung. Was sich aktuell verändert, sind die Voraussetzungen. Wir kommen raus aus der Denke: Der Strom kommt aus der Steckdose, die Straßen sind da. In einer bipolaren Welt, in die wir hineinkommen, ist es notwendig, dass Infrastruktur besser ausgebaut wird. Die asiatischen Länder machten die vergangenen 30 Jahre eigentlich nichts anderes – und sind heute bei den Energiekosten anders aufgestellt als wir. Hinzu kommt die Transformation der Wirt- schaft: Digitalisierung, Datencenter, Elektroautos, Wärmepumpen – all das führt dazu, dass der Engpass in erster Linie nicht das Geld ist, sondern die Umsetzbarkeit und die Geschwindigkeit. Wer heute einen Datencenter baut, braucht Strom heute und nicht in fünf Jahren, wie der aktuelle Genehmigungsprozess dauert.

Herr Sinram, ist Infrastruktur in Mode oder hat sie eine strategische Notwendigkeit?

Maurice Sinram: Strategisch kommt man nicht daran vorbei – aber das ist kein neuer Punkt. Infrastruktur war schon immer ein Stabilisator im Portfolio, so etwas wie ein Türöffner für breitere Allokationen. Was sich verändert hat: Die Chancen, die die Assetklasse bietet, halten das Investment zunehmend am Laufen. Dabei muss man aber wirklich trennen, was man meint: Kaufe ich ein klassisches Cashflow-Modell, das ich diskontieren kann – und das bei stark steigenden Zinsen auch ein Bewertungsproblem hat? Oder stehe ich vor einem strukturellen Wachstumsthema, das Infrastruktur grundlegend neu definiert? Wir müssen unterscheiden zwischen Core, Core-Plus und Value-Add, genau wie zwischen Greenfield und Brownfield. Die Frage, wo man im Investitionszyklus steht – in der Planungsphase oder als Käufer eines etablierten Cashflow-Assets –, ist entscheidend für das Risikoprofil.

Produktives Treffen: Malte Dreher (l.) und Lennard Klindworth (ohne Sakko), empfingen die Gäste in den Redaktionsräumen des private banking magazins in Hamburg. Quelle: Swetlana Holz

Das Sondervermögen soll die Infrastruktur Deutschlands modernisieren. Was würden Sie sich vom Regulator wünschen?

Sinram: Effizienz. Das Sondervermögen ist im Gesamtkontext der weltweiten Investitionsbedarfe vernachlässigbar – ein netter Anschub, der in die Umsetzung kommen muss. Allein in Deutsch- land werden bis 2045 rund 600 Milliarden Euro für den Netzausbau benötigt. Mario Draghis Studie aus 2023 sprach von 800 Milliarden Euro jährlich für die Wettbewerbsfähigkeit der EU, eine Studie des Bankenverbands von 1,4 Billionen Euro. Das deutsche Konjunkturpaket ist in diesem Kontext nicht das Entscheidende – was fehlt, ist strukturelle Umsetzungsgeschwindigkeit.

Rebekka Haller: Als das Paket angekündigt wurde, haben europäische Infrastrukturthemen am Aktienmarkt richtig angezogen. Das ist inzwischen etwas verpufft, weil klar wird: Wir sind nicht China, wo in einer Woche eine Autobahn gebaut werden kann. Der Vorlauf dauert hier sehr lang. Deswegen gehört Infrastruktur langfristig in jedes Portfolio – aber wir sind in einer Phase, in der das Thema auch gehypt ist. Erwartungen müssen gemanagt werden, zumindest was die kurzfristige Kursentwicklung betrifft.

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