private banking magazin: Herr Buchwald, Herr Maurenbrecher – fast ein Jahr ist seit dem Zusammenschluss mit Alti Tiedemann Global vergangen: Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung?
Stephan Buchwald: Für uns war die Hauptfrage: Erleben wir aktuell einen echten Strukturwandel im Multi-Family-Office-Markt? Diese Frage haben wir mit Ja beantwortet.
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private banking magazin: Herr Buchwald, Herr Maurenbrecher – fast ein Jahr ist seit dem Zusammenschluss mit Alti Tiedemann Global vergangen: Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung?
Stephan Buchwald: Für uns war die Hauptfrage: Erleben wir aktuell einen echten Strukturwandel im Multi-Family-Office-Markt? Diese Frage haben wir mit Ja beantwortet.
Wir sehen wirklich große Veränderungen. Vermögen werden größer, internationaler und komplexer. Gleichzeitig wechseln gerade enorme Vermögen die Generation – der „große Vermögenstransfer“ läuft. Das verändert die Erwartungen, Entscheidungswege und Themen. Es geht um Renditen, Überblick, Kontrolle, Sinn und Stabilität über Jahrzehnte hinweg, in einer sich rasant neu aufstellenden Welt.
International investieren wir für unsere Mandantinnen und Mandanten schon lange. Mittlerweile sind auch über die Hälfte unserer Familien sogenannte Cross-border Families, das heißt mindestens ein Familienmitglied lebt nicht in Deutschland. Also haben wir uns breiter aufgestellt, um den Bedürfnissen global agierender Familien gerecht zu werden. Die Kombination aus lokaler Verankerung und internationaler Leistungsfähigkeit ist heute entscheidend.
Patrick Maurenbrecher: Vor diesem Hintergrund ist klar: Die professionelle Steuerung großer Vermögen ist komplexer geworden – geopolitisch, regulatorisch, technologisch. Exzellenz kann man nur noch gewährleisten, wenn man Zugang zu globalen Märkten, Daten und Spezialisten hat. Genau das war der Grund für diesen Schritt.
private banking magazin: War der Zusammenschluss mit Alti Tiedemann Global ein Bruch mit dem bisherigen Kontora-Weg?
Buchwald: Nein, ganz im Gegenteil. Für uns war es die konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir seit Jahren aufgebaut haben. Den konsequenten Anspruch auf Qualitätsführerschaft. Wir wollten mehr Größe im Investmentbereich, ohne unsere persönliche Kultur, Unabhängigkeit und Nähe zu den Mandantinnen und Mandanten zu verlieren. Genau das macht diesen Schritt für uns stimmig.
Maurenbrecher: Und aus Investmentperspektive war es die einzig logische Antwort auf die zunehmende Globalisierung im Bereich Private Markets. Wir investieren als Teil eines weltweiten Netzwerks mit rund 80 Milliarden US-Dollar, bleiben aber als Geschäftsführer vollständig entscheidungsfähig und für unseren Standort unternehmerisch verantwortlich. Das ist ein enormer Vorteil – für uns, für unsere Teams und vor allem für unsere Mandantschaft.
private banking magazin: Ihr neues Leitmotiv: „Trust locally. Perform globally.“ Was bedeutet das operativ?
Maurenbrecher: Unsere Mandantinnen und Mandanten arbeiten weiterhin mit denselben Ansprechpartnern in Hamburg. Aber im Investmentbereich nutzen wir noch mehr Research, größere Plattformen und Managernetzwerke in den USA, Europa, dem Nahen Osten und Asien. Das öffnet Türen, die vorher verschlossen waren und sichert für die Mandanten Konditionenvorteile, die allein unerreichbar gewesen wären.
Buchwald: Und wir teilen mit unseren Kolleginnen und Kollegen von Alti Tiedemann Global dieselben Werte. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen unternehmerisch geprägten Verbund, getragen von ehemaligen Unternehmerinnen und Unternehmern – nicht um eine klassische Konzernstruktur. Diese kulturelle Passung war zentral für unsere Entscheidung. Wir wollten ein globales Spezialisten-Ökosystem, das unsere Unabhängigkeit stärkt.
private banking magazin: Wie sehen Sie die Entwicklung im europäischen Family-Office-Markt?
Buchwald: Familienvermögen werden internationaler, komplexer und generationsübergreifender. Die Next Gen wächst im Ausland auf, Vermögen wird global allokiert, Strukturen müssen länderübergreifend funktionieren. Gleichzeitig steigt die Regulierung immens.
Maurenbrecher: Und: Private Markets sind inzwischen ein Einladungsgeschäft. Die Manager suchen sich ihre Investoren aus. Wer global mitspielt, ist am Tisch – wer lokal agiert, steht auf der Warteliste. Für unsere Mandantschaft wollten wir die bestmöglichen Zugänge sichern.
private banking magazin: Welche Rolle spielt Alti Tiedemann Global in diesem neuen Marktbild?
Maurenbrecher: Alti Tiedemann Global ist kein zentralistischer Konzern – sondern geprägt durch einen globalen Verbund aus starken lokalen Unternehmern. Diese Form ist neu: global vernetzt, lokal geführt. Und sie passt perfekt zum Bedarf moderner Familien.
Buchwald: Genau. Die Zukunft gehört Modellen, die globale Leistungsfähigkeit und lokale Verantwortung kombinieren. Unternehmerfamilien wollen Nähe, aber sie brauchen Zugang. Diese Dualität können wir heute erfüllen – und das auf Weltklasse-Niveau.
private banking magazin: Was hat sich in der Praxis seit dem Zusammenschluss gezeigt?
Buchwald: Erstens: Die Mandantenbeziehung bleibt unverändert persönlich. Das war für viele eine nachvollziehbare Sorge – und diese konnten wir inzwischen erfolgreich beseitigen. Zweitens: Die internationalen Möglichkeiten sind deutlich schneller Realität geworden, als wir ursprünglich erwartet hatten. Dabei waren es vielfach unsere Mandantinnen und Mandanten selbst, die als fordernde Treiber aufgetreten sind. Während wir zunächst einen vorsichtigen, schrittweisen Ausbau vorgesehen hatten, kamen sehr schnell konkrete Anfragen.
Dazu zählen etwa der Austausch mit internationalen Unternehmerfamilien – ein erster sichtbarer Schritt war die Teilnahme an unserem diesjährigen Family Retreat auf Sardinien. Hinzu kommt das große Interesse an neuen Beratungsangeboten in Singapur und der Schweiz sowie der gezielte Einbezug von Spezialisten aus den USA, etwa beim Aufsetzen von Impact-Investing-Strukturen. Hier profitieren wir erheblich von deren jahrzehntelanger Erfahrung.
Maurenbrecher: Darüber hinaus ist die Einkaufsmacht des Verbunds erheblich. Wenn Alti Tiedemann Global, die Allianz als Teilhaber und wir gemeinsam auftreten, können wir institutionelle Konditionen verhandeln, die für einzelne Häuser nicht erreichbar wären. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Geschwindigkeit: Für die Umsetzung haben wir gerade einmal vier Monate benötigt.
private banking magazin: Welche Vorteile ergeben sich konkret noch für Unternehmerfamilien?
Maurenbrecher: Wir haben unsere Fähigkeiten im Gesamtvermögensmanagement nochmal deutlich ausgebaut. Mandanten erhalten Zugang zu globalen Top-Managern, Strategien und Innovationsfeldern – zu Konditionen, die sonst nur institutionelle Investoren sehen. Private Markets, Impact, Real Assets, Co-Investments – das Spektrum ist sehr breit.
Und sie bekommen eine Begleitung, die der Realität ihres Lebens entspricht: international, mehrdimensional, familien- und unternehmergeprägt. Wir strukturieren Vermögen heute über Ländergrenzen hinweg – und verbinden sie mit familiären Rollen, Werten und Zukunftsbildern.
private banking magazin: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?
Buchwald: Ich wünsche mir vor allem, dass in der deutschen Family-Office-Community weniger Folklore getanzt und geglaubt wird, wir wüssten besser als der Rest der Welt, wie ein Family Office „zu sein hat“. Wir bei Kontora orientieren uns ausschließlich an den Bedürfnissen der Vermögensträger und wir haben keine Angst davor, das Erfolgssystem Family Office auch unternehmerisch immer wieder neu zu denken.
Maurenbrecher: Und dass unsere Mandanten spüren: Das hier ist ein Aufbruch, bei dem auf bereits hohem Niveau immer noch mehr geht – für sie, für uns und für die ganze Branche.
