Konsolidierung und Blockchain Wohin sich Deutschlands Banken 2026 entwickeln

Frankfurter Bankenskyline: Was Deutschlands Bankensektor in diesem Jahr erwartet.

Die Frankfurter Skyline bei Sonnenaufgang: Deutschlands Banken müssen 2026 ihre Hausaufgaben machen, damit das Licht für sie nicht ausgeht. Bildquelle: Imago/Imagebroker

Deutschland, Europas größter Bankenmarkt, entwickelte sich in den letzten zehn Jahren rückläufig. Während die Zahl der Institute um 28 Prozent sank, stieg die durchschnittliche Bilanzsumme pro Jahr lediglich um 3,3 Prozent. Das geht aus einer Studie von Deloitte unter der Leitung von Partner Hans-Martin Kraus hervor.

Die Analysten prognostizieren steigende Erträge durch Kreditwachstum und Nichtzinseinkommen, etwa aus Provisionen und Gebühren. Organisches Wachstum wird jedoch nicht der alleinige Treiber auf dem deutschen Bankenmarkt sein. Konsolidierungsdruck und blockchaingetriebene Produkte dürften die Bankenlandschaft 2026 prägen.  

 

Der Markt ordnet sich neu, mit weniger Geldhäusern

Die über Jahrzehnte gewachsenen IT-Strukturen müssen in das Zeitalter der künstlichen Intelligenz überführt werden. Zukunftsfähige Banken werden ihre Daten vereinheitlichen, strukturieren und verschiedene Plattformen integrieren müssen. IT-Fachkräfte sind rar. Konsolidierung ermöglicht es Banken, diese Kosten und Aufgaben gemeinsam zu stemmen.

Umsätze sollen durch das vergrößerte Portfolio fusionierter Geldhäuser und durch regionalen Marktzugang steigen. Privatbanken wird geraten, sich auf wertstarke Portfolios zu konzentrieren und selektiv zuzukaufen. Die Analysten von Deloitte prognostizieren einen Rückgang der Anzahl privater Geldhäuser in Deutschland.

Die Deloitte-Analysten raten Landesbanken, Altportfolios konsequent abzubauen und gezielt Kooperationen einzugehen. Regionalbanken, wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken, sollten ihre IT-Infrastruktur modernisieren und digitale Kompetenzen ausbauen. Zudem sehen die Deloitte-Experten weitere Zusammenschlüsse auf die Regionalbanken zukommen.

Firmenkunden verlieren Vorbehalte bei Stablecoins

Die Blockchain wird auch für Unternehmen bedeutender. Annähernd einer von vier leitenden Finanzvorständen erwartet, Bitcoin-Produkte in den nächsten zwei Jahren als Zahlungsmethode oder Unternehmensinvestition zu nutzen. Dies zeigt eine Deloitte-Befragung in den USA.

Der Besitzer von einem Eurobetrag auf der Stablecoin kann ihn zum Beispiel überweisen oder per Karte zahlen. „Die Transaktion erfolgt sofort, grenzüberschreitend und nahezu kostenfrei“, sagt Simon Seiter, Finanzvorstand von Allunity. Das Joint Venture der DWS brachte vergangenen Sommer den ersten deutschen Stablecoin auf den Markt.

Seiter prognostiziert, dass auch Firmen dem schnellen und günstigen Bezahlen über Stablecoins nicht widerstehen können. Banken verlieren dadurch klassische Gebühren, darunter Überweisungsgebühren, Interbanken-Kosten (Interchange), Derivatsgebühren aus Auslandsüberweisungen (FX-Margen) und SEPA-Entgelte.

Neue Bankenerträge durch tokenisierte Depots 

Tokenisierte Depots sind ein digitales Finanzprodukt, an denen Banken durch Verwahrgebühren für digitale Schlüssel oder die Umwandlung klassischer Anlagevehikel direkt partizipieren können. Über die digitalen Depots kann der Anleger Zukäufe direkt abwickeln.

„Auch tokenisierte Depots können mit Stablecoins bezahlt werden“, erklärt Simon.  „Wenn die Banken sich nicht mit verändern, verlieren Sie Teile der sich verändernden Wertschöpfungskette“, sagt er.

Banken können in verschiedenen Rollen ins Geschäft mit digitalen Produkten einsteigen. Als Verwahrer verwalten sie private Schlüssel der Kryptowerte ihrer Mandanten. Als Wechselstelle werden sie für Kunden Kryptowährungen in Euro umtauschen. Von Banken bereitgestellte Plattformen bündeln in Zukunft tokenisierte Depots, Stablecoins und Kryptowährungen der Kunden.

Missbrauch der Anonymität und Finanzbetrug

Um die Kryptowerte ihrer Kunden zu betreuen, sollten Banken laut Deloitte verstärkt mit Fintechs zusammenarbeiten. Die Vielzahl der Dienstleister und Schnittstellen erhöht jedoch die Betrugsrisiken. Agenten künstlicher Intelligenz meistern für ihre Auftraggeber komplexen Zahlungsbetrug und bleiben dabei anonym.

 

Im Jahr 2024 verdoppelte sich die Summe der Verluste durch Cyberangriffe europäischer Banken auf rund 6,5 Milliarden Euro. Das geht aus Zahlen des Hamburger Startups für IT-Sicherheit, Risk Ident, hervor. Banken müssen ihre Technologien und IT-Kenntnisse demnach noch stärker auf die Abwehr digitaler Diebstähle ausrichten.

Neben Angriffen auf die Infrastruktur der Bank müssen Geldhäuser auch illegale Aktivitäten der Nutzer überwachen. Die Anonymität der Blockchain-getriebenen Transaktionen erleichtert Geldwäsche. Auch können Banken die Identität ihrer Kunden nicht sicherstellen, die im Schatten der Blockchain potentiell Straftaten begehen.

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